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Lässiges Chelsea spielt nicht wie ein Titel-Anwärter

19:00 MESZ 06.08.17
Antonio Conte Chelsea
Der Meister wirkt noch nicht bereit für die neue Saison. Chelsea-Trainer Antonio Conte möchte seinen Kader bis zum Saisonstart noch vergrößern.

KOMMENTAR

Man sollte nicht zu viel in das Ergebnis des Community Shield hineininterpretieren. Arsenal hat im Elfmeterschießen, das im neuen ABBA-Format ausgetragen wurde, gewonnen, aber auch der FC Chelsea hätte siegen können. Trotzdem lässt der Meister noch viele Fragen für die Saison offen. Ist es das? Ist das die Form, die der Premier-League-Champion für die nächste Saison hat? Wo bleibt die Qualität? Welche Spieler stehen im Team von Antonio Conte unter Druck?

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Die Startformation der Blues bestand größtenteils aus den Akteuren, die bereits beim Titelgewinn der vergangenen Saison auf dem Platz standen. Mit Ausnahme des abgewanderten Nemanja Matic, dem abwanderungswilligen Diego Costa und dem verletzten Eden Hazard.

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Nach dem Spiel sollten nun die Alarmglocken bei den Blues-Anhängern läuten, angesichts des Mangels an Optionen für Trainer Conte und des fehlenden Wettbewerbs im Kader. Ein erneuter Titelgewinn scheint aktuell äußerst fraglich.

Conte wird bei Transfers hintergangen

Antonio Conte erlebte einen frustrierenden Sommer, weil er sich bei Wunschstürmer Romelu Lukaku eine Abfuhr einfing. Zudem gab er letzte Woche bekannt, dass Matic ohne seine Erlaubnis verkauft wurde. Es sieht nach der schwersten Saison seiner Trainerkarriere aus - dies hatte Conte aber auch prophezeit. Er arbeitet mit einem Team, das eine schlechtere Form als in der vergangenen Meistersaison hat.

Die Verpflichtungen von Alvaro Morata, Tiemoue Bakayoko und Antonio Rüdiger sehen zwar auf dem Papier gut aus, aber sie scheinen den Kader nicht verstärkt zu haben. Stattdessen haben sie lediglich ersetzt, was den Verein verlassen hat.

Sieht man sich die Breite des Kaders an - auch während eines Spiels in der Vorbereitung - so war es schockierend. Neben den zurückgekehrten Leihspielern Andreas Christensen, Charlie Musonda Jr. und Jeremie Boga saßen die Neuverpflichtungen Morata und Rüdiger auf der Bank. Dazu kommt noch der 35-jährige Torhüter Willy Caballero, der ablösefrei zu den Blues kam. Mit Kyle Scott komplettierte ein Nachwuchsspieler die Bank von Chelsea.

Zudem muss Contes Mannschaft noch bis Mitte September auf Eden Hazard verzichten.

Nach einer Saison ohne internationalen Wettbewerb haben die Blues nicht einmal mehr eine Woche Zeit, um eine Mannschaft aufzustellen, die um Titel spielt. Bald beginnt die Champions League und Conte muss seine besten Männer mobilisieren, um auch dort konkurrenzfähig zu sein. Zurzeit sieht es nicht danach aus, dass die Blues in diesen zwei Wettbewerben um den Titel mitspielen können.

Auf die Frage, ob Chelsea die Möglichkeiten habe, einen Spieler wie Neymar für 222 Millionen Euro zu verpflichten, hielt Conte ein Plädoyer, dass er gerne mehrere Spieler für diese Summe hätte. Es ist immerhin eine intensive Taktik, die der Italiener favorisiert und für die man in einer langen Saison einen breiten Kader benötigt.

Hazard-Ausfall wiegt schwer

Stammspieler, wie Matic und Costa, stehen den Blues nicht mehr zur Verfügung und müssen ersetzt werden. Ohne Hazard ist die Auswahl an Offensivstars begrenzt, die Pedros und Willians können den Belgier nicht ersetzen. Cesc Fabregas hat zwar die nötige Klasse, um ein Spiel an sich zu reißen, doch dazu braucht er Arbeiter um sich, die ihm die nötigen Freiräume verschaffen.

Vor zwei Jahren konnte Chelsea den Erwartungen ebenfalls nicht gerecht werden und Jose Mourinho musste seinen Hut nehmen. Dieser Fluch ereilte auch Leicester City und Claudio Ranieri in der vergangenen Saison. Beide Teams waren im Jahr nach dem Titel nicht in der Lage, die Leistungen aus der Vorsaison zu bestätigen.

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Morata sieht im Vergleich zu Costa wie ein peinlicher Ersatz aus und ist noch nicht annähernd so effektiv wie der bullige Spanier. Der 80-Millionen-Euro-Transfer scheiterte zweimal in der zweiten Hälfte und vergab zudem seinen Elfmeter. Es war kein guter Start in sein England-Abenteuer.

Rüdiger muss hingegen erst lernen, dass er nicht auf ein Abseits hoffen sollte, wenn der Gegner bereits über den Treffer jubelt. Er und der Rest der Mannschaft hätten lieber alles daran setzen sollen, um Kolasinac an seinem Treffer zu hindern, der direkt im Anschluss an Pedros Rote Karte fiel.

Thibaut Courtois vergebenem Elfmeter gebühren nun wohl die Schlagzeilen, aber wenn man sich alles genauer ansieht, dann erkennt man, dass Chelsea noch nicht in Titel-Form ist. Die Blues sehen noch nicht einmal wie ein Titel-Anwärter aus. Bis zum Ende der Saison ist es ein langer Weg, aber Conte hat jetzt noch viel mehr Arbeit vor sich, als er es zu Beginn des Sommers bereits hatte.