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Kolasinac-Abgang: Schalke verliert einen Teil seiner Seele


KOMMENTAR

Nun ist es offiziell: Nach langen Monaten der Ungewissheit bestätigte Arsenal nun, dass Sead Kolasinac das königsblaue Trikot des FC Schalke gegen das rote des FC Arsenal tauscht. Das Horrorszenario des Vereins aus dem Ruhrgebiet ist somit wahr geworden, denn mit Kolasinac verabschiedet Schalke mehr als nur einen guten Außenverteidiger – vielmehr verliert der Klub einen Teil seiner Seele.

Denn was macht Schalke eigentlich aus? Schaut man ins Leitbild des selbsternannten "Kumpel- und Malocherklubs" findet man immer wieder Worte wie Tradition, Emotion und Leidenschaft. Werte, die von großen Teilen der Leute aus dem Ruhrgebiet vorgelebt werden, und jeder einzelne S04-Spieler von den Bambini bis zu den Profis verinnerlichen soll.

Offiziell: Sead Kolasinac wechselt zum FC Arsenal

"Wir leben dich" ist der Claim, der unzählige Werbebanden in Gelsenkirchen schmückt und im Kragen jedes einzelnen Schalke-Trikot eingestickt ist. Doch wie viele Spieler aus dem aktuellen Kader identifizieren sich tatsächlich komplett mit dem Verein und "leben" ihn? Ist man ehrlich, kommt man auf nicht mehr als eine Handvoll Profis – Kolasinac war einer von ihnen. Sowohl auf als auch neben den Platz. Vereinfacht ausgedrückt ist Kolasinac genau der Typ von Spieler, für den Schalke 04 stehen will.

Sportlich und finanziell ein Fortschritt

In keinem seiner 123 Einsätze für Königsblau hatte man das Gefühl, Kolasinac lasse sich hängen oder gehe nicht ans Maximum. Ganz im Gegenteil: Obwohl so mancher Gegenspieler technisch überlegen war, steckte er niemals auf, sondern warf sich in jeden Zweikampf. Ganz egal, ob gegen Cristiano Ronaldo in der Champions League oder einen Viertliga-Profi im DFB-Pokal.

So vorbildlich wie er auf dem Rasen agierte, zeigte er sich auch außerhalb des Platzes. Dass er sich voll mit Schalke und seinen Fans identifiziert, machte er speziell am letzten Bundesligaspieltag in Ingolstadt deutlich. Statt seine Gelbsperre wie üblich in einer der Stadionlogen abzusitzen, entschied sich Kolasinac, zusammen mit den Hardcore-Fans aus dem Sonderzug ins rund 600 Kilometer entfernte Bayern zu reisen.

So stand er in einer Retro-S04-Trainigsjacke, die aussah, als hätte sie schon sein Vater im altehrwürdigen Parkstadion getragen, Schulter an Schulter mit denjenigen, die ihn eine Woche zuvor noch mit einem Banner ehrten. "Sechs Jahre unser Wappen mit Stolz auf deiner Brust – Danke Seo" war nach seinem letzten Heimspeil in der Nordkurve zu lesen.

Trotz des Abschieds, der dem Verein sowohl sportlich als auch menschlich sehr schwer zu schaffen machen wird, hegt auf Schalke niemand Groll über die Entscheidung des Bosniers. Denn auch die Fans wissen, dass man als Fußballer vielleicht nur einmal die Möglichkeit bekommt, einen fetten Millionen-Vertrag bei einem Top-Klub wie Arsenal zu unterschrieben. So wird jeder auf Schalke anerkennen, dass der Wechsel für Kolasinac sowohl sportlich als auch finanziell ein Schritt nach vorn ist.  

Folge Schalke-Reporter Robin Haack auf

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