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Khalid Boulahrouz: So stoppte Chelsea Lionel Messi und Co.

10:30 MEZ 20.02.18
Khalid Boulahrouz and Drogba, Joe Cole, Hilario and Frank Lampard
Gegen die Blues hat Leo Messi eine miese Bilanz. Khalid Boulahrouz erklärt, wie es Chelsea gelang, ihn abzumelden.

Lionel Messi ist eine echte Tormaschine. Er hat fünfmal den Ballon d'Or gewonnen, er hat 100 Tore in UEFA-Wettbewerben erzielt und 17-mal in 16 Spielen gegen englische Teams zugeschlagen. Nur gegen den FC Chelsea ist der Superstar des FC Barcelona bisher leer ausgegangen.

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Das ist bemerkenswert, denn der Argentinier hat schon einmal einen Viererpack gegen Arsenal geschnürt und Manchester City mit drei Treffern abgeschossen. Er netzte außerdem in zwei Champions-League-Endspielen gegen Manchester United. Mannschaften von der Insel liegen La Pulga also offensichtlich – mit einer Ausnahme: Die Verteidiger der Blues vermochten es stets, Messi auszuschalten.

Chelsea bezwang Barcelona im Heimspiel 2006 mit 1:0

29 Schüsse auf das Tor gab Messi gegen den Klub aus dem Westen Londons ab, ohne dabei erfolgreich zu sein. Darunter auch ein verschossener Strafstoß im Jahr 2012, als Barca und Chelsea sich zum letzten Mal in der Champions League gegenüberstanden.

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Zu den namhaften Defensivkünstlern im blauen Shirt, die Messi abmeldeten, gehört auch Ex-Bundesligaprofi Khalid Boulahrouz. Er stand dem quirligen Angreifer gegenüber, als dieser 18 Jahre alt war. Chelsea holte in der Saison 2006/07 in der Königsklasse ein Unentschieden und einen Sieg aus den Barca-Duellen.

Bei Goal erinnert sich der niederländische Ex-Nationalspieler (35 Einsätze für die Elftal) an das Aufeinandertreffen mit Messi beim 1:0-Sieg an der Stamford Bridge: "Wir wussten vor, während und nach dem Spiel, dass Messi ein großartiger Spieler ist. Aber unser einziger Gedanke war, ihn und seine Nebenleute aus dem Spiel zu nehmen. Das ist völlig normal. Natürlich spürten wir, dass er besonders war. Aber unser Job lautete, ihn zu stoppen. Wir hatten Respekt vor allen Barca-Angreifern und wir wussten, dass wir gegen sie bestehen konnten."

Chelseas Viererkette bildeten damals Boulahrouz, John Terry, Ricardo Carvalho und Ashley Cole. "Wir hatten damals fantastische Spieler, die abliefern konnten", schwärmt Boulahrouz: "Wir kannten die Stärken der anderen und wussten, dass wir in der Lage waren, uns mit einem Gegner wie Barcelona zu messen. Natürlich war der Respekt da. Aber wenn wir auf den Rasen gegangen sind, glaubten wir an unsere Chance. Das war unser Glaube, das war Chelsea."

"Sie schafften es nicht, in unseren Rücken zu kommen"

"Carvalho war aggressiv und auf ihn konnte man sich immer verlassen. Am Boden und im Zweikampf war er fantastisch. Und John Terry ist eine Legende. Jeder weiß, was er geleistet hat. In diesen Spielen und Momenten braucht man einen Kapitän und er war ein Anführer auf und außerhalb des Platzes. Ihm ist jeder gefolgt. Ashley Cole war damals einer der Besten, wenn nicht sogar der beste Linksverteidiger auf der Welt. Offensiv war er so stark und es war schwer an ihm vorbeizukommen. Der Schlüssel war, dass wir einander vertrauten und immer miteinander gesprochen haben", schildert Boulahrouz.

Barcelona hatte im Sommer 2006 unter Frank Rijkaard die Champions League gewonnen und galt also damals nicht zu Unrecht als stärkste Mannschaft Europas. Vor allem offensiv steckte enorm viel Potenzial in der Mannschaft. Doch unter Anleitung von Trainer Jose Mourinho hielten die Engländer stand.

Boulahrouz, der in der Bundesliga für den HSV und Stuttgart spielte, sagt: "Wir trafen auf Samuel Eto'o, Ronaldinho und natürlich Messi. Ronaldinho spielte gegen mich. Er hatte damals den Ballon d'Or gewonnen und es fühlte sich an, als träfen wir auf drei Superstars in ihrer Blüte. Aber wir waren sehr solide und der Schlüssel war es, ihnen zwischen den Linien überhaupt keinen Platz zu geben. Sie schafften es nicht, in unseren Rücken zu kommen. Ganz egal, wie fantastisch sie alle den Ball behandelten."

Während die technischen Fähigkeiten für die Blaugrana sprachen, verfügte Chelsea gemäß Boulahrouz über die stärkere Physis. Und diesen Trumpf spielte die Mannschaft auch aus: "Wenn sie den Ball hatten, waren sie so gefährlich. Aber sie waren nicht besonders groß. Es war sicher, dass sie nach Freistößen und Ecken keine Gefahr darstellten. Wir dagegen hatten Didier Drogba, mich, Carvalho und Terry. Allesamt tolle Kopfballspieler."

Die Technik sprach für Barca, die Physis für Chelsea

Der mittlerweile 36-Jährige verrät dann, wie Chelsea die Spiele anging: "Ihr Game Plan war Tiki Taka. Um ehrlich zu sein: Es war nicht einfach, das zu verteidigen. Du musstest zu jeder Zeit konzentriert bleiben. Das war der Schlüssel. Kompakt sein, gemeinsam attackieren und zusammen verteidigen. Die Räume zwischen Mittelfeld und Verteidigung mussten geschlossen sein. Sonst zogen sie ihr Spiel auf."

Ein wichtiger Faktor sei es zudem gewesen, die Zweikämpfe zu gewinnen. "Wir haben dann unser Tor geschossen und all unsere Spieler wollten den Sieg. Wie wir es immer wollten", führte Boulahrouz weiter aus: "Wir waren nicht besessen von Messi und den anderen. Wir haben einfach nur sehr gut verteidigt."

Am Dienstagabend treffen sein Ex-Klub und Barca erneut in der Königsklasse aufeinander ( 20.45 Uhr im LIVETICKER ). Obwohl Barcelona unter Trainer Ernesto Valverde jüngst einen neuen Rekord aufgestellt hat und in glänzender Form spielt, hält Boulahrouz die Katalanen aus dem Jahr 2006 für deutlich stärker.

"Barcelona war 2006 viel besser"

Er begründet: "Barcelona ist im Moment nicht so stark wie damals. Vergleicht die Position! Sie hatten damals mehr individuelle Qualität. Eto'o war unglaublich, Messi war unglaublich, Ronaldinho war unglaublich. Xavi war einer der besten Mittelfeldspieler der Welt und sie hatten einen starken Torhüter. Ich glaube, die Mannschaft, auf die wir trafen, war viel besser."

Boulahrouz, der während seiner Zeit in Deutschland wegen seiner aggressiven Spielweise den Spitznamen "Kannibale" verpasst bekam, schaffte es übrigens nicht nur im Chelsea-Dress, gegen Messi zu bestehen.

Bei der WM 2006 standen sich die Niederlande und Argentinien in der Gruppenphase gegenüber. Jenes Match endete mit einem 0:0.