Kevin Kampl von RB Leipzig im Interview: "Ich bin Herrn Heynckes bis heute dankbar"

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Kevin Kampl ist eine zentrale Figur im Spiel von RBL. Im exklusiven Interview spricht er über die Meisterschaft, seine Förderer, Mbappe, Modric.


INTERVIEW

Im Spätsommer 2015 verließ Kevin Kampl Borussia Dortmund nach nur einer halben Saison. Im exklusiven Interview mit SPOX und Goal verrät der Mittelfeldspieler von RB Leipzig , warum er damals zu seinem Jugendverein Bayer Leverkusen zurückkehrte und seine Entscheidung bis heute nicht bereut. Vor dem Kracher im DFB-Pokal gegen die TSG Hoffenheim (ab 20.45 Uhr im  LIVE-TICKER ) spricht der 28 Jahre alte Slowene auch über Ralf Rangnick, Julian Nagelsmann und seine persönliche Zukunft.

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Kevin, nach einem holprigen Saisonstart inklusive einer Niederlage bei Ihrem Ex-Klub Salzburg in der Europa League ist die Formkurve von Leipzig zuletzt wieder deutlich angestiegen. Wie bewerten Sie die bisherigen Leistungen?

Kevin Kampl: Ich denke, bislang können wir alle sehr zufrieden sein. Es läuft seit vier, fünf Wochen sehr gut. Das Salzburg-Spiel war mit Sicherheit ein Dämpfer für uns. Daraus haben wir aber schnell die richtigen Schlüsse gezogen. Wenn wir gut und zusammen hart arbeiten, kompakt stehen, dann sieht man, wozu wir im Stande sind.

Zuletzt haben Sie gesagt, Sie träumen von der Meisterschaft. Was ist in dieser Saison möglich?

Kampl: Es wäre komisch, wenn ich nicht sagen würde, dass ich davon träume, eines Tages Deutscher Meister zu werden. Aber so weit denke ich jetzt nicht. Wir sind eher die, die im Hier und Jetzt leben und versuchen, Woche für Woche ihre Leistung zu bringen und viele Punkte zu sammeln. Dass wir am Ende so weit oben wie möglich stehen wollen, ist klar. Wir bleiben trotzdem bescheiden und rufen nicht den Titelgewinn als Ziel aus.

Aber gerade in dieser Saison, in der der FC Bayern nicht übermächtig erscheint, sollte doch mehr drin sein.

Kampl: Es gefällt jedem, wenn es in der oberen Tabellenhälfte etwas enger ist. Je ausgeglichener die Liga ist, umso schöner und spannender ist sie für die Zuschauer und auch für die anderen Mannschaften. Ich glaube aber, dass wir in die momentane kleine Schwächephase des FC Bayern nicht zu viel reininterpretieren sollten. Die fangen sich wieder. Das haben sie mit den Siegen in Wolfsburg und Mainz gezeigt.

Die Bundesliga hat für RB Priorität. Ist die zusätzliche Belastung mit der Europa League ein Nachteil?

Kampl: Auf keinen Fall. Jeder von uns spielt gerne europäisch. Gerade für die jungen Spieler ist das etwas Besonderes. Aus jedem internationalen Spiel ziehst du wertvolle Erfahrung. Deshalb versuchen wir, so weit wie möglich zu kommen.

Hat die anfängliche Euphorie in der Stadt und im Verein durch das Verpassen der Champions League abgenommen?

Kampl: Nein. Natürlich ist die Euphorie riesig, wenn du in der ersten Bundesliga-Saison Vizemeister wirst und dich für die Champions League qualifizierst. Die Leute in der Stadt sind aber immer noch total positiv. Man darf nicht vergessen: Das ist unser drittes Jahr in der Bundesliga und wir spielen zum zweiten Mal international. Es war für alle klar, dass die zweite Saison schwieriger wird, auch weil der Überraschungseffekt nicht mehr in der Form da war wie zuvor. Dennoch sind wir auf dem richtigen Weg. Ich finde, dass wir sehr gute Leistungen zeigen, gerade mit unserem jungen Kader.

KEVIN KAMPL RB LEIPZIG

Welcher junge Spieler beeindruckt Sie am meisten?

Kampl: Das ist schwierig zu sagen. Jeder hat außergewöhnliche Qualitäten, ob es nun beispielsweise Jean-Kevin Augustin, Ibrahima Konate oder Dayot Upamecano sind. Die drei sind noch extrem jung, spielen aber schon auf einem sehr hohen Niveau. Ich traue ihnen allen Großes zu, wenn sie weiter so hart und fleißig arbeiten.

Sie zählen mit 28 Jahren zu den alten Hasen bei RB. Ihr Vertrag läuft bis 2021. Wie sehen Ihre Zukunftspläne aus?

Kampl: Meine Familie und ich fühlen uns extrem wohl hier, ich habe noch relativ lange Vertrag. Deswegen beschäftige ich mich damit nicht. Ich weiß, dass ich 28 bin und mit zu den Ältesten hier gehöre. Ich mache mir aber keine Gedanken über den nächsten Schritt. Wir haben eine tolle Mannschaft und ein tolles Trainerteam. Das ist am wichtigsten. Nur wenn man sich wohl fühlt, kann man seine Leistung bringen.

Sie sprechen das Trainerteam an. Mit Ralf Rangnick haben Sie einen sehr erfahrenen Trainer. Wie ist sein Umgang mit den Spielern?

Kampl: Ralf Rangnick ist ein super Trainer. Er ist zum ersten Mal mein Trainer, obwohl ich ihn schon seit sechs, sieben Jahren kenne. Mir macht die Zusammenarbeit mit ihm sehr viel Spaß. Er stellt uns hervorragend auf unsere Spiele ein - nicht nur mit vielen Videos, sondern auch mit ausführlichen Besprechungen. Wir wissen ganz genau, was unsere Gegner machen. Als Mensch ist er sehr angenehm, auch wenn er ganz klar sagt, was er von uns Spielern und der Mannschaft verlangt. Er würde für seine Spieler alles tun. Das macht ihn aus.

Rangnick kehrt im Sommer in sein Amt als Sportdirektor zurück, dann übernimmt Julian Nagelsmann. Freuen Sie sich schon auf ihn?

Kampl: Wir beschäftigen uns noch gar nicht damit. Dass er ein super Trainer und ein guter Typ ist, wissen wir alle. Wir werden viel Spaß mit ihm haben. Aber klar ist auch, dass wir jetzt erstmal mit Rangnick einen klasse Trainer haben, mit dem wir eine tolle und erfolgreiche Saison spielen wollen. Auch ihm zuliebe, weil ich es stark von ihm finde, dass er für diese Saison den Trainerposten neben dem des Sportdirektors übernommen hat.

Mit Jupp Heynckes hatten Sie einen weiteren erfahrenen Coach. Er machte Sie einst bei Bayer Leverkusen zum Profi. Welche Erinnerungen haben Sie an diese Zeit?

Kampl: Ich habe damals bei den Amateuren unter Ulf Kirsten gespielt. Während einer Länderspielpause hat Herr Heynckes mich und zwei, drei andere Spieler ins Training der Profis hochgezogen. Dann habe ich ein paar Mal mittrainiert - und irgendwann habe ich die Nachricht von oben bekommen, dass Herr Heynckes möchte, dass ich einen Profivertrag unterschreibe. So hat dann alles seinen Lauf genommen. Ich bin Herrn Heynckes bis heute dankbar. Er hat sich für mich ins Zeug gelegt.

Über Leverkusen, Fürth, Osnabrück, Aalen und Salzburg landeten Sie im Winter 2015 bei Borussia Dortmund. Dort blieben Sie nur eine halbe Saison. Warum?

Kampl: Ich bin damals zu einer schwierigen Zeit zum BVB gekommen. Wir waren Vorletzter in der Liga. Da lief einfach nicht alles rund. Wir sind am Ende noch Achter geworden, aber es war insgesamt eine sehr schwierige Saison für uns als Mannschaft und für mich persönlich. Ich kam von Salzburg nach Dortmund, das war ein riesiger Sprung für mich. Ich habe trotzdem fast alle Spiele gemacht und mich wohl gefühlt. Jürgen Klopp war ein toller Trainer und ein super Typ. Auch nach der Ankunft von Thomas Tuchel hat alles gepasst.

Und warum sind Sie dann weg?

Kampl: Es war so, dass Roger Schmidt mich unbedingt zu Leverkusen holen wollte. Er war schon in Salzburg wie ein Mentor für mich. Also habe ich Herrn Tuchel gebeten, den Weg mit Roger Schmidt gehen zu dürfen. Er verstand, dass ein Spieler manchmal auf einen Trainer in seiner Karriere trifft, zu dem er eine besondere Bindung entwickelt.

KEVIN KAMPL RB LEIPZIG

Hat Tuchel nicht um Sie gekämpft?

Kampl: Ich hätte nie gefragt, wenn es ein anderer Verein gewesen wäre. Und Herr Tuchel hat ganz klar gesagt, er hätte mich auch zu keinem anderen Verein gehen lassen. Er wusste, wie meine Beziehung zu Schmidt war. Das war der einzige Grund für meinen Wechsel. Mein Vertrag lief noch vier Jahre.

Bereuen Sie im Nachhinein Ihren Abgang aus Dortmund?

Kampl: Nein. Ich hätte sicherlich auch dort meine Chancen nutzen können. Für mich war es am Ende aber der beste Schritt, nach Leverkusen zu gehen, weil ich dort wieder richtig aufgeblüht bin. Deshalb bin ich Herrn Tuchel bis heute dankbar.

In Salzburg haben Sie mit einem gewissen Sadio Mane zusammengespielt. Heute ist Mane beim FC Liverpool und einer der besten Premier-League-Spieler. Hätten Sie ihm eine solche Entwicklung zugetraut?

Kampl: Auf jeden Fall. Ich habe mit Sadio bis heute noch Kontakt. Wir sind damals zur gleichen Zeit nach Salzburg gekommen. Er war einer meiner engsten Kumpel in der Mannschaft. Ich habe ihn öfter zum Training mitgenommen. Er ist ein super Typ und extrem guter Fußballer, der sich toll entwickelt hat. Er gehört mittlerweile zu den sieben, acht besten Fußballern in Europa. Ich bin sehr stolz auf ihn.

Wenn wir schon von den besten Fußballern sprechen: Kylian Mbappe von Paris Saint-Germain ist spätestens seit der WM in aller Munde. Hat er das Zeug, zum Weltfußballer der Zukunft zu werden?

Kampl: Mit Sicherheit. Er bringt alles mit - und das im Alter von 19 Jahren. Wenn er weiter hart arbeitet, wenn er sich nicht ausruht, führt bei dieser Wahl wahrscheinlich kein Weg an ihm vorbei. Ich denke aber, er ist auch als Typ niemand, der sich ausruhen würde. Er gibt immer Vollgas. Was mir besonders imponiert: Er nimmt vor dem Tor immer den Kopf hoch und bedient den besser postierten Mitspieler. Das machen nur wenige.

Auch Sie sind als zentraler Mittelfeldspieler eher der Typ Fußballer, der seine Mitspieler bedient, anstatt selbst den Abschluss zu suchen. Was können Sie sich in dieser Hinsicht noch von dem aktuellen Weltfußballer Luka Modric abschauen?

Kampl: Modric ist ein extrem guter Fußballer. Ich mag seine Spielart, wenn er sich den Ball etwas weiter hinten abholt, durch ein, zwei Gegenspieler hindurchgeht und den öffnenden Pass nach vorne spielt. Das ist auch eine meiner Stärken: den Ball abholen und das Spiel eröffnen, um meine Vorderleute in Position zu bringen. Mein großes Idol in dieser Hinsicht war aber immer Zinedine Zidane.

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