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Juventus Turin gegen den SSC Neapel: Vor elf Jahren ein Top-Spiel in der Serie B


HINTERGRUND
Juventus Turin gegen den SSC Neapel: Die Saison ist auf der Zielgeraden, es trifft der Tabellenführer auf den Dritten. Vier Punkte trennen die beiden Rivalen. Für beide Mannschaften ist es ein enorm wichtiges Spiel. Beide Mannschaften haben nur ein Ziel und das lautet: Aufstieg in die Serie A.

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Ja, richtig gelesen. Was klingt wie ein Ausgangsszenario für ein Spitzenspiel aus Italiens Oberhaus in den letzten fünf, sechs Jahren, ist in Wirklichkeit elf Jahre her. Elf Jahre, die zeigen, dass diese Spanne im Fußball einer Ewigkeit gleicht. Damals, im Frühling 2007, kreuzten die beiden Dominatoren der Serie A der vergangenen Spielzeiten tatsächlich in der 2. Liga die Klingen.

Del Piero: "Ein Kavalier verlässt seine Dame nicht"

Napoli erstand gerade aus den Ruinen eines finanziellen Kollapses wieder auf. Der Klub hatte 2004 70 Millionen Euro Schulden angehäuft und musste sich damals sogar neu gründen. Die Partenopei starteten in der Serie C1 neu und schafften 2005/06 den Aufstieg in die Serie B. Nun, knapp ein Jahr später, winkte der Durchmarsch.

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Gegner Juventus war im Rahmen des Calciopoli-Skandals um beeinflusste Schiedsrichter und manipulierte Spiele zum Zwangsabstieg aus der Serie A verdonnert worden. Der stolze Rekordmeister musste erstmals in der Zweitklassigkeit ran, welch eine Schmach!

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Als das Urteil verkündet worden war, rechneten alle Experten und viele Fans mit dem großen Exodus der Stars. Kaum einer von ihnen hatte große Lust, ein Jahr seiner Karriere mit Trips zu Albinoleffe, Mantova oder Arezzo zu verschwenden. Tatsächlich gingen auch einige große Namen wie Zlatan Ibrahimovic, Patrick Vieira, Emerson und die frisch gebackenen Weltmeister Fabio Cannavaro und Gianluca Zambrotta. Doch das war es im Prinzip auch schon. Bemerkenswert viele Leistungsträger entschieden sich dazu, den Bianconeri auch in dieser schweren Zeit die Treue zu halten. Oder um es mit Alessandro del Pieros Worten auszudrücken: "Ein Kavalier verlässt seine Dame nicht." Eine "Jetzt-erst-recht"-Mentalität, die zuvor die Azzurri zum WM-Titel beflügelt hatte, war auch in Turin entstanden.

So kam es also, dass an jenem 25. März eine Juve-Elf auf dem Platz stand, die durchaus auch in der Champions League hätte bestehen können: Das Tor hütete Weltmeister Gianluigi Buffon, davor dirigierte der junge Giorgio Chiellini die Viererkette. Claudio Marchisio war der Chef im zentralen Mittelfeld und die Flügelzange Camoranesi/Nedved gehörte zur absoluten Elite. Wie selbstredend auch das Sturmduo aus dem späteren Torschützenkönig del Piero (20 Treffer) und David Trezeguet.

Deschamps bringt die richtige Mentalität mit

Der heutige Juve-Kapitän Buffon schrieb Jahre später in einer Kolumne für La Stampa: "Wenn ich an den Sommer 2006 zurückdenke, empfinde ich Stolz. Ein heißer, ereignisreicher Sommer. Ein Sommer, an dem es verständliche Abgänge gab. Aber auch Treue-Bekenntnisse und das Verlangen, die Geschichte zu verändern. Oder genauer: Geschichte zu schreiben. So, wie es niemand zuvor getan hatte."

"Ich denke da an Pavel [Nedved], Alex [Del Piero], David [Trezeguet], Camo [Mauro Camoranesi]… und an mich selbst", führte er weiter aus: "Wir entschieden uns, zusammenzubleiben und ein Trikot, einen Klub und eine Anhängerschaft zu ehren. Wir verloren alles, um Dinge zu gewinnen, die man nicht messen kann und die man nicht eintauschen mag: Respekt und Hingabe."

Trainer dieses verschworenen Haufens war der heutige französische Nationaltrainer Didier Deschamps. Als Spieler war er Kapitän Juves gewesen, brachte also Stallgeruch und die richtige Mentalität mit. Zudem hatte er in Monaco mit dem Champions-League-Finale 2004 einen vielversprechenden Start in seine Trainerkarriere hingelegt.

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Praktisch um Juves Serie-B-Abenteuer noch ein bisschen interessanter zur machen, musste der Top-Favorit mit neun Minuspunkten in die Saison gehen. Auch das war Teil der Calciopoli-Strafe. Es hinderte Juventus aber nicht daran, durch die Saison zu pflügen, wie man es von dieser hoch dekorierten Mannschaft erwarten durfte. Die Einstellung stimmte in praktisch jedem Spiel. Total seriös gingen die Top-Stars die Aufgaben an und erklommen am 15. Spieltag die Tabellenführung.

Camoranesi und del Piero entscheiden das Top-Spiel

Buffon und Co. verloren nur zwei Spiele, bis die Rückkehr in das Oberhaus offiziell perfekt gemacht wurde. Das Top-Spiel gegen Napoli hatte dabei vorentscheidenden Charakter, denn der Vorsprung auf einen Nicht-Aufstiegsplatz wurde mit einem 2:0-Sieg auf neun Punkte ausgebaut. Camoranesi und del Piero erzielten im Turiner Olympiastadion vor knapp 22.000 Zuschauern die Treffer, Marchisios Rote Karte Mitte der zweiten Halbzeit fiel nicht mehr ins Gewicht.

Am Ende stieg Juve standesgemäß als Meister auf, Napoli folgte auf Rang zwei und schaffte damit den direkten Durchmarsch.

Elf Jahre, also eine Ewigkeit später, empfängt Juve Neapel (Sonntag, 20.45 Uhr im LIVE-TICKER) erneut. Diesmal geht es nicht um den Aufstieg, sondern womöglich um die Vorentscheidung im Titelkampf der Serie A. Dass diesmal wieder beide Klubs ihr Saisonziel erreichen, ist nicht möglich.

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