Julian Weigl und seine Situation unter BVB-Trainer Favre: Es flutscht nicht mehr

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Seinen Platz im DFB-Team hat Julian Weigl verloren, beim BVB ist er unter Lucien Favre mehr Rotationsmasse als Stammspieler. Es läuft nicht rund.


HINTERGRUND

Vor Greuther Fürst war Christian Weigl. Lucien Favre leistete sich diesen Versprecher nach Abschluss der USA-Reise mit Borussia Dortmund. "Jeder kennt Christian Weigl, ich kenne ihn auch. Christian Weigl ist eine klare Nummer sechs", sagte der BVB-Coach über den, der eigentlich Julian heißt und gab ein paar Wochen später eben auch dem Dortmunder Pokalgegner aus Fürth einen anderen Namen.

Favre ist der vierte Coach, unter dem Weigl seit seinem überraschenden Wechsel vom damaligen Zweitligisten 1860 München nach Dortmund im Sommer 2015 trainiert. Die Geschichte von Thomas Tuchel und ihm ist häufig erzählt. Der heutige Paris-Trainer hievte Weigl auf das Niveau, an dem er aktuell gemessen wird.

Weigl und das Problem mit der Favre-Spielweise

Seit Tuchel vom BVB geschasst wurde, hat Weigl zwei Probleme: Tuchels auf dominanten Ballbesitz ausgelegte Spielweise ist passe, Weigl ist nicht mehr Strukturgeber, Drehscheibe, Absicherer und damit Schlüsselspieler. Und, was gravierender für ihn ist und Problem eins stark beeinträchtigte: Weigl schleppte in den beiden Post-Tuchel-Jahre jeweils Verletzungen mit in die neue Spielzeit.

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Ein Verrenkungsbruch des Sprunggelenks kostete ihn 2017 das Pokalfinale und den Start der Sommer-Vorbereitung unter Peter Bosz. Vor dieser Saison plagten Weigl dann hartnäckige Adduktoren-Probleme, die auch im Urlaub nicht abklangen und nur individuelles Training zuließen. "Die Zeit war schwierig, weil ich nicht wusste, wann es besser wird und ob es wiederkommt, wenn ich richtig belaste. Da hatte ich schon Muffensausen", gestand er.

Weigl ging also mit einem Rückstand in die Favre-Amtszeit und sah sich zudem zwei neuen, direkten Konkurrenten ausgesetzt. Und die haben es in sich, denn Axel Witsel und Thomas Delaney sind nicht nur erfahrener und physisch stärker als Weigl. Sie sind auch eher als er die gesuchten Mentalitätsspieler und übernehmen Verantwortung, wenngleich Weigl vor der Saison in den Mannschaftsrat berufen worden ist.

Das ist sein Dilemma: Bei Weigl, der zwischen 2015 und 2017 auf 94 Pflichtspiele und damit mehr als jeder andere Mittelfeldspieler des BVB kam, flutscht es nicht mehr wie zum Zeitpunkt seines unerwarteten Aufstiegs. Tuchel setzte damals auf ein System, im dem vor allem die hohe Passsicherheit des Ex-Löwen zur Geltung kam. Dies führte im Eiltempo zur Berufung in die Nationalelf und damit zu einer höheren Erwartungshaltung sowie größerem Druck.

Weigl gegen Bayern Dortmunds schwächster Spieler

Er werde nun anders wahrgenommen, denn von einem Nationalspieler erwarte man mehr, sagte Weigl im Vorjahr während der Bosz-Krise. Er wolle mit diesem Status nicht nur ein größerer Wortführer für das Team sein, sondern müsse "körperlich noch zulegen, genauso wie in defensiven Zweikämpfen. Wenn ich da noch mehr Kraft aufbaue, kann ich vielleicht noch ein oder zwei Prozent drauflegen."

Doch man muss festhalten, dass ihm das bislang nicht gelungen ist. Weigl ist unter Favre mehr Rotationsmasse als Stammspieler, bislang stehen lediglich vier Startelfeinsätze für ihn zu Buche. Und diese wenigen Chancen, die er aufgrund der gut funktionierenden Mannschaft erst erhielt, nutzte er nicht.

Julian Weigl Borussia Dortmund FC Bayern 10112018

Es kam daher überraschend, dass Favre am Samstagabend gegen die Bayern aus Rotationsgründen auf Weigl baute und ihn auf seiner angestammten Position auf der Sechs beginnen ließ. "Das ist manchmal so. Ich kann es nicht anders erklären", sagte der Trainer anschließend zu Weigls Nominierung.

In diesem wichtigen Spiel dabei zu sein und eine gute Leistung abzuliefern, hätte für Weigl ein großer Schritt nach vorne sein können. Er rechtfertigte aber auch diesen Einsatz nicht, sondern war Dortmunds schwächster Spieler. Weigl verlor häufig den Ball in gefährlichen Räumen, er gewann ihn nur selten zurück und brachte auch seine Pässe nur unzureichend an den Mann.

Die logische Folge war seine Auswechslung zur Pause, die Darbietung seines Ersatzmannes Mo Dahoud stellte eine deutliche Verbesserung für die Struktur des Dortmunder Spiels dar. Es steht daher außer Frage, dass Weigl mit der Situation hadert.

"Wer mich kennt, der weiß, dass ich kein besonders geduldiger Mensch bin. Ich erhoffe mir jedes Mal, dabei zu sein und dann auch zu spielen. Um auf mein Niveau zu kommen, brauche ich Spiele", sagte er bereits vor ein paar Wochen und hoffte, in den englischen Wochen häufiger gebraucht zu werden.

Weigl blickt einer ungewissen Zukunft entgegen

Favre entschied sich jedoch meist anders. Auch, weil Witsel, Delaney und Dahoud flexibler einsetzbar sind und größere Offensivimpulse einbringen. Damit Weigl zur Entfaltung kommen kann, muss er das Spiel vor sich haben, doch Favres auf defensive Stabilität und schnelles Umschaltspiel fußende Spielweise sieht diese Rolle in dieser Deutlichkeit nicht vor. Im Sommer war Weigl noch überzeugt davon, "dass das System von Favre zu mir passen wird."

Da dies noch nicht der Fall war, wird der Ungeduldige nun weiter geduldig sein und an sich arbeiten müssen, um seinem Spiel die gewisse Eindimensionalität zu nehmen und sich wieder in die Mannschaft zu kämpfen.

Sonst sehen seine Perspektiven beim BVB und in der sich im Umbruch befindenden Nationalelf nicht rosig aus. "Es gab von meiner Seite aus keine Bereitschaft, den BVB in diesem Sommer zu verlassen", sagte Weigl, der bis 2021 an die Borussia gebunden ist und lange Zeit immer wieder mit europäischen Topklubs in Verbindung gebracht wurde.

Ob der 23-Jährige für das Niveau dieser Vereine und für seinen aktuell entfesselt aufspielenden Klub auch im weiteren Verlauf seiner Karriere in Frage kommt, wird er nun beweisen müssen.

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