Ex-Bayern-Talent Julian Green im Interview: "Ich habe mal einen halben Meter langen Hai gefangen"

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Bei Bayern einst hoch gehandelt, lässt Julian Green im Interview seine bisherige Karriere Revue passieren. Außerdem spricht er über sein großes Hobby.

Julian Green hat sich beim FC Bayern München einst von der Nachwuchsabteilung bis zu den Profis gekämpft - sich dort aber nicht durchgesetzt. Nach Engagements beim Hamburger SV und VfB Stuttgart spielt der 23-jährige US-amerikanische Nationalspieler mittlerweile in der 2. Liga bei der SpVgg Greuther Fürth.

Im Interview mit Goal und SPOX lässt er seine bisherige Karriere Revue passieren. Außerdem setzt er sich für den Erhalt von 2. Mannschaften ein, spricht über den Fußball in den USA und sein großes Hobby Angeln.

Herr Green, zum ersten Mal in Ihrer Profikarriere sind Sie über einen längeren Zeitraum Stammspieler. Erleben Sie gerade die schönste Zeit Ihres Fußballer-Lebens?

Julian Green: Es gefällt mir gut in Fürth, denn ich spiele da regelmäßig und spüre auch, wie wichtig das für mich ist. Ich werde dadurch von Woche zu Woche besser.

In der vergangenen Saison waren Sie vom VfB Stuttgart ausgeliehen, im Sommer wechselten Sie dann fest. War das eine schwierige Entscheidung?

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Green: Nein, da habe ich nicht lange überlegen müssen, weil ich Fürth und den Verein ja schon gekannt habe und ich mich bei der Spielvereinigung vom ersten Tag an wohlgefühlt habe.

Zuvor haben Sie rund zehn Jahre für den FC Bayern München gespielt. Sind Sie noch Fan?

Green: Ich habe ein Großteil meines bisherigen Fußballer-Lebens dort verbracht und mit vielen Spielern selbst noch zusammengespielt. Daher schaue ich mir auch heute noch gerne die Spiele der Bayern an und drücke ihnen dabei natürlich auch die Daumen.

Julian Green: "Hat mir Spaß bereitet, dem Fußball alles unterzuordnen"

Sie wechselten einst mit 14 Jahren zum FC Bayern. Ein "normales" Teenager-Leben war da wohl nicht möglich.

Green: Ich musste zwar auf viel verzichten, aber das habe ich gerne gemacht. Es hat mir Spaß bereitet, dem Fußball alles unterzuordnen. Ich hatte in keiner Sekunde den Gedanken, dass eine Profi-Karriere nicht das Richtige für mich wäre.

Wie viel Kontakt hatten Sie als Jugendspieler mit den Profis?

Green: Man kannte sich schon untereinander. Damals waren die Trainingsplätze der Jugend- und Profiabteilung nebeneinander. Da sind wir uns oft über den Weg gelaufen. Jetzt mit dem neuen Nachwuchsleistungszentrum im Norden der Stadt ist das glaube ich etwas anders.

Gab es im Laufe Ihrer Zeit in der Nachwuchsabteilung einen Mitspieler, dem Sie den großen Durchbruch zugetraut hätten, er es aber (noch) nicht geschafft hat?

Green: Sebastian Mrowca. Er war unser Kapitän in der A-Jugend und spielt jetzt in der 3. Liga bei Wehen Wiesbaden. In der Vergangenheit hatte er viel Pech mit Verletzungen und ich bin mir sicher, dass er ohne die Verletzungen jetzt schon weiter oben spielen würde.

Seit David Alaba hat kein Spieler aus der Jugend des FC Bayern den Durchbruch in der eigenen Profimannschaft geschafft. Warum?

Green: Das ist aus der Ferne schwer zu bewerten, aber man muss einfach sehen, wie viel Qualität die Spieler beim FC Bayern mitbringen und da es ist es eben nicht so leicht, so schnell den Sprung aus der Jugend in den Herrenbereich zu schaffen.

Julian Green: "Für mich ist die 2. Mannschaft eine sinnvolle Einrichtung"

Sie haben zwei Jahre lang für die 2. Mannschaft des FC Bayern in der Regionalliga Bayern gespielt. Einige Vereine hinterfragen diese Einrichtung, manche haben Sie sogar abgeschafft. Wie stehen Sie dazu?

Green: Für mich ist die 2. Mannschaft eine sinnvolle Einrichtung und sollte beibehalten werden. Sie ist der perfekte Zwischenschritt auf dem Weg von der A-Jugend zur Profimannschaft. Mich persönlich hat die Zeit dort weitergebracht. Aber am Ende muss das jeder Verein für sich entscheiden, ob für ihn eine 2. Mannschaft in der Entwicklung seiner Nachwuchsspieler weiterhilft und ob sie dieses Geld in den Nachwuchs investieren möchten.

Ihr erster Trainer bei den Profis war Pep Guardiola. Wie haben Sie ihn in Erinnerung?

Green: Guardiola ist ein außergewöhnlicher Trainer und taktisch sehr gut. Ich bin auch menschlich gut mit ihm klargekommen. Und seine deutschen Ansprachen wurden mit der Zeit immer besser.

Es folgte eine wenig erfolgreiche Leihsaison beim Hamburger SV.

Green: Das war ein Wechselbad der Gefühle. Im Sommer wurde ich in den amerikanischen Nationalmannschaftskader für die WM in Brasilien berufen. Ich habe dort ein Tor geschossen, das bisher schönste Erlebnis meiner Karriere - und dann lief es in Hamburg leider nicht so erfolgreich. Beim HSV habe ich mich aber als Mensch weiterentwickelt. Ich habe da gelernt, mit negativen Erfahrungen umzugehen. Diese Zeit hat mich stärker gemacht.

Der Durchbruch beim FC Bayern gelang Ihnen im Anschluss nicht.

Green: Am besten lief es für mich in der ersten Saison unter Carlo Ancelotti. Ich war ein fester Teil der Profimannschaft, habe in den ersten beiden DFB-Pokalrunden gespielt und sogar ein Tor geschossen. Da hätte ich mir in der Folge mehr Spielzeit erhofft. Weil das leider nicht geklappt hat, war der Abschied im Winter für mich die einzige Option - und letztlich der richtige Schritt.

Julian Green Bayern Munich 07302016

Der Fußball in Ihrer Heimat USA wird seit Jahren als schlafender Riese bezeichnet, zuletzt gelang aber nicht einmal die Qualifikation für die WM in Russland. Wie steht es um die Entwicklung?

Green: Der Fußball wird immer größer, aber er ist noch nicht auf einem Level mit der NHL, NBA und NFL. Ich bin mir jedoch sicher, dass sich das in den nächsten Jahren ändern wird. Es ist eine gute Entwicklung, dass viele talentierte Amerikaner wie Christian Pulisic, Weston McKennie oder Josh Sargent schon im jungen Alter nach Europa wechseln und dort ausgebildet werden.

Real, Barca und ManUnited in den USA noch "einen Tick" vor Bayern

Der FC Bayern hat 2016 ein Büro in New York eröffnet. Wirkt sich das hinsichtlich der Beliebtheit des Klubs in den USA aus?

Green: Ja, der FC Bayern wurde in den USA seitdem definitiv bekannter. Real Madrid, der FC Barcelona und Manchester United sind zwar noch einen Tick vorne, aber der FC Bayern ist klar am Aufholen.

Für welche der traditionellen US-Sportarten interessieren Sie sich?

Green: Eishockey! Bis ich elf war, habe ich bei daheim in Miesbach sogar im Verein gespielt. Dann musste ich mich entscheiden - und habe den Fußball gewählt. In der NHL ist Tampa Bay Lightning mein Lieblingsverein und ich versuche mir viele Spiele anzuschauen, aber das ist mit der Zeitverschiebung natürlich nicht immer möglich.

Betreiben Sie selbst noch andere Sportarten?

Green: Ich kann Skifahren und Snowboarden, das macht mir viel Spaß. Leider hatte ich in den letzten Wintern aber nicht genügend Zeit dafür. Nach der Karriere will ich das wieder öfter machen.

Ihr Vater lebt in Florida. Wie oft sind Sie bei ihm zu Besuch?

Green: Früher war ich in den Sommerferien immer lange dort, aber das geht heute zeitlich nicht mehr. Ich versuche aber einmal im Jahr in Florida zu sein. In der letzten Nationalmannschaftsperiode konnte ich meinen Vater besuchen, weil wir in Tampa gegen Kolumbien gespielt haben. Eigentlich ein Heimspiel, wobei, Heimspiel war relativ: es waren 40.000 Zuschauer da und davon 25.000 Kolumbianer.

Was gefällt Ihnen an Florida?

Green: Ich liebe es, in der Wärme am Strand zu sein. Außerdem angle ich gerne, manchmal vom Steg und manchmal fahre ich auch mit dem Boot aufs offene Wasser hinaus. Ich höre dann leise Musik und kann sehr gut entspannen. Ich mag die Ruhe, die Natur - und das Adrenalin, wenn ich einen Fisch an der Angel habe und versuche ihn einzuholen.

"Ich habe mal einen halben Meter langen Hai gefangen"

Was waren Ihre größten Angel-Erfolge?

Green: Ich habe mal einen halben Meter langen Hai gefangen - den habe ich rausgezogen und sofort wieder reingeworfen. Letztes Jahr hatte ich einen Barsch an der Angel, der wog so fünf, sechs Kilogramm. Den habe ich dann gekocht und gemeinsam mit einem Freund, der oft mit mir angelt, gegessen. War sehr gut, fanden wir. Mein Vater hat auch einmal gekostet, aber er war nicht ganz so überzeugt wie wir (lacht).

Angeln Sie auch in Deutschland?

Green: Das geht leider noch nicht, weil ich keinen Angelschein habe. Ich will ihn schon seit Längerem machen, bisher habe ich es zeitlich noch nicht hingekommen. Steht aber ganz oben auf meiner Todo-Liste.

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