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Bundesliga

Jovanovs HSV: Überraschender Höhenflug

08:00 MESZ 29.08.17
1. fc köln hamburger sv bundesliga 082517
Nach dem Pokal-Aus und der Kritik von Kühne folgt die unerwartete Wendung. Der HSV startet perfekt in die neue Saison.

KOLUMNE

Ist das nicht total verrückt? Nach zwei Spieltagen steht der Hamburger SV mit der maximalen Ausbeute von sechs Punkten, vier geschossenen Treffern und nur einem kassierten Gegentor auf dem dritten Platz der Bundesliga-Tabelle. Im Gleichschritt mit dem FC Bayern und Borussia Dortmund! Wer hätte das nach dem verkorksten Pokal-Auftritt und der Kühne-Kritik für möglich gehalten?

Am Anfang einer Saison sind solche Tabellenplatzierungen bei optimalem Start zwar nicht ungewöhnlich. Aber dass fast niemand, nicht einmal der HSV selbst sich diese zwei Siege zugetraut hat, sagt viel darüber aus, was wir von ihm erwarten. So gut wie nichts mehr.

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"Es ist schön, dass wir mit sechs Punkten in die Länderspielpause gehen können. Das haben wir uns so vorher nicht gedacht", sagte beispielsweise Trainer Markus Gisdol. Heribert Bruchhagen sprach sogar von "etwas Fortune" bei den beiden Siegen gegen Augsburg und Köln. Sätze, die im Jubeltaumel über die zwischenzeitliche Tabellenführung ein wenig untergegangen sind, aber den Kern treffen.

Denn in beiden Spielen war zu sehen, dass die Gegner deutlich mehr Spielanteile zu verzeichnen hatten und der HSV spielerisch in vielen Phasen unterlegen war. Selbst Augsburg dominierte auswärts (!) mit über 60 Prozent Ballbesitz und besserer Zweikampf- und Passquote. Was dem HSV in beiden Partien jedoch in die Karten spielte waren die frühen Tore. So war Gisdols Mannschaft nicht gezwungen mit dem Fußballspielen anzufangen.

Der HSV ist wie ein Aufsteiger

Das auf Zerstörung, Unordnung und Konter ausgelegte System ist das einzige, was diese Mannschaft gut beherrscht. Aber inzwischen so gut, dass wir von einer sehr spannenden Saison mit vielen weiteren Überraschungen ausgehen dürfen. Es gibt in der Liga nämlich keine Gegner mehr, die auf dem Papier wirklich schlechter besetzt sind als der HSV. Eher wirkt es fast so, als würden die Hamburger die Rolle eines Aufsteigers übernehmen, der von der ersten Sekunde an um die Existenz kämpft. Und mit seinem Konzept die Gegner zur Verzweiflung bringt.

"Wir kämpfen, wir laufen, wir ackern, einer ist für den anderen da. Das haben wir verstanden, das hat uns der Trainer eingetrichtert: Wir können es immer nur zusammen schaffen", erklärt Torschütze Andre Hahn den 3:1-Erfolg in Köln. Klingt tatsächlich ein wenig nach Aufsteiger im Existenzkampf.

Deshalb kam das Pokal-Aus und das von Kühne ausgelöste Gewitter - so absurd es auch klingt - gerade zur rechten Zeit. Schon vor dem ersten Spiel in der Bundesliga wurde damit eine Stimmung erzeugt, die der HSV aus den Extremsituationen der letzten Saison gut kennt. Und in denen die Mannschaft nicht nur viel enger zusammen rückte, sondern auch anfing, die Basics umzusetzen und für einander zu kämpfen.

Was gleichzeitig die Frage aufwirft, ob Kosten (etwa 55 Millionen jährlich) und Leistung im Einklang stehen. Konkret: Gibt es diese Art Fußball zu spielen nicht auch deutlich günstiger? Es ist absehbar, dass sich der HSV den Klassenerhalt (an mehr als einen Tabellenplatz im unteren Tabellendrittel glaube ich aktuell nicht) wieder einmal teuer erkauft. Mit allen Konsequenzen, zum Beispiel höhere Verbindlichkeiten, hohen Verlusten, mehr Abhängigkeit vom Investor und Ärger mit der DFL.

Dass die vielen Fehler in der Personalpolitik nicht von heute auf morgen zu korrigieren sind, ist klar. Allerdings versäumte auch die neue Klubführung die Chance, beim Thema Kosten eine klare Grenze zu ziehen. Stattdessen wurden wieder einmal sehr teure Verträge vergeben (Papadopoulos, Wood), die die Chance auf Weiterverkäufe, ein Mittel, um sich Stück für Stück zu sanieren, minimiert.

Dabei zeigt das Beispiel Rick van Drongelen, 18, trotz einiger Anpassungsschwierigkeiten anschaulich, dass es nicht immer die großen Namen, Summen und Gehälter sein müssen, um gute Ergebnisse in der Bundesliga zu erzielen. Ob sich der HSV in Zukunft verstärkt ein paar Nummern kleiner orientiert? Fraglich, zumindest wenn es stimmt, dass der Kauf eines Ersatzspielers von Augsburg für einen Preis über fünf Millionen Euro in Erwägung gezogen wird. Am Deadline-Day wissen wir mehr.

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