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Jovanovs HSV: Absturzgefahr

08:30 MESZ 19.09.17
hannover 96 hamburger sv bundesliga 091517
Wie viele Punkte holen die Rothosen gegen den BVB und Bayer Leverkusen? In ihrer aktuellen Verfassung wahrscheinlich keinen einzigen.

KOLUMNE

Es gibt derzeit zwei große Themen, die über dem Hamburger SV kreisen und eng miteinander verknüpft sind: zum einen das Verletzungspech, zum anderen die Größe des Kaders. Ist er zu klein, zu groß oder genügt die Anzahl der vorhandenen Spieler, um die Herausforderung Bundesliga zu überstehen? Zur Erinnerung: Nicolai Müller wird voraussichtlich für den Rest der Saison ausfallen, Filip Kostic und Rick van Drongelen mindestens bis zur nächsten Länderspielpause im Oktober, Bobby Wood hat immer wieder Knieprobleme, Aaron Hunt ist wieder zurück auf dem Trainingsplatz, während Albin Ekdal und Kyriakos Papadopoulous dort eher selten anzutreffen sind. Stichwort: Belastungssteuerung. Für 70 bis 90 Minuten am Wochenende scheint die Kraft aber zu reichen.

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Ich gebe allen Recht, die behaupten, dass selbst der FC Bayern Probleme hätte und nicht das Maximum aus seinen Spielen herausholen könnte, würden ihm drei, vier oder noch mehr absolute Stammkräfte fehlen. Jede Mannschaft hat Spieler, die nicht Eins zu Eins zu ersetzen sind. Gut aufgestellte Klubs können Ausfälle mit der Breite ihres Kaders phasenweise auffangen. Der Kader des HSV kann das offensichtlich nicht im Ansatz. Weil beispielsweise die Leistungsunterschiede zwischen Stürmer Nummer eins und Stürmer Nummer zwei deutlich zu groß sind. Auf vielen Positionen gibt es deshalb auch keinen ernstzunehmenden Konkurrenzkampf. Ein klares Versäumnis der Kaderplanung dieses Sommers. Oder besser gesagt: ein Versäumnis der letzten Jahre.

Schlechteste Passquote der Liga

Dass der HSV mit Sejad Salihovic in der vergangenen Woche gefühlt ein wenig panisch nachrüstete und dieser nach wenigen Trainingstagen für das Spiel gegen Borussia Dortmund eine Alternative für die Startelf sein soll, ist ein unübersehbares Eingeständnis. Mehr noch: Es wirft kein gutes Licht auf alle anderen, die - anders als Salihovic - seit Jahren in einer der besten Liga der Welt spielen. Der Bosnier hingegen ist 2015 von der Bildfläche verschwunden, war in Chinas erster und zweiter Liga sowie in der Schweiz aktiv, fiel dort aber nach einem halbjährigen Intermezzo durch. Nun scheint er einige seiner neuen Mitspieler aus dem Stand zu überholen, war in Hannover sogar einer der Lichtblicke. Kann das wirklich sein? Oder verrät diese Personalie mehr über den tatsächlichen Zustand dieser Mannschaft?

Ein paar Zahlen geben auf diese Frage eine sehr deutliche und zugleich erschreckende Antwort. Mit einer Passquote von 62,4 und einer Zweikampfquote von 44,9 Prozent ist der HSV in diesen beiden wichtigen Kategorien das schlechteste Team der Bundesliga. Bei den angekommenen Pässen sogar mit deutlichem Abstand. Im Schnitt liegt die Quote zwischen 75 und 80 Prozent. Diese Zahlen allein (!) rechtfertigen zwar weder ein endgültiges Urteil noch bilden sie die Grundlage für aussagekräftige Prognosen. Schließlich hat der HSV mit jener Spielweise schon sechs von zwölf möglichen Punkten geholt. Sie untermauern allerdings zumindest den Eindruck, dass das Spiel mit Fußball, wie wir ihn uns vorstellen und erwarten, nur wenig zu tun hat.

Einzelkritik als Ablenkungsmanöver?

Deshalb fällt es mir schwer, die Meinung über eine "Weiterentwicklung" der Mannschaft zu teilen. Wobei diese Meinung nach den beiden Niederlagen in Folge immer seltener zu hören ist. Gemessen an den Kosten dieses Kaders, die irgendwo im Mittelfeld der Bundesliga liegen, liefern die Hamburger also eine sehr klägliche Form von professionellem Fußball ab, die in den vergangenen Jahren durchaus gereicht haben mag, um die Klasse zu halten. Darmstadt und Ingolstadt sind hierfür gute Beispiele. Aber über einen längeren Zeitraum als eine oder maximal zwei Spielzeiten? Höchst fraglich. Einzelkritik an einem jungen Spieler wie Luca Waldschmidt (Gisdol: "Es ärgert mich, dass er seine Chancen nicht nutzt.") wirken daher ein wenig wie Ablenkungsmanöver.

Auf Besserung oder die angesprochene Weiterentwicklung zu hoffen, wäre angesichts der personellen Konstellation blauäugig - die kommenden Wochen werden brutal schwer. Man muss kein Prophet sein, um erahnen zu können, dass die Chance auf Punkte gegen den BVB und Bayer Leverkusen eher gering sind. Es deutet sich ein vorläufiger Absturz in der Tabelle an, der den HSV dort verorten wird, wo er seinen Leistungen und seiner Qualität nach hingehört. Mit unsanften Stürzen auf den harten Boden der Tatsachen kennen sie sich in Hamburg immerhin bestens aus.

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