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20 Euro pro Woche, vom Berater beklaut: Warum Chelsea-Star Jorginho als Teenager mit Fußball aufhören wollte

21:52 MESZ 15.06.19
Jorginho
Als Jugendspieler in Italien wurde Jorginho einst von seinem Berater übers Ohr gehauen. Danach wollte er kurzzeitig mit dem Fußball aufhören.

Jorginho war vollkommen aufgelöst. "An diesem Punkt wollte ich aufgeben", sagt der Mittelfeldstratege des FC Chelsea, heute mehr als 60 Millionen Euro wert, der offiziellen Webseite der Blues. "Ich war am Boden zerstört, ich hatte es satt."

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Damals war Jorginho noch weit davon entfernt, mit Fußball großes Geld zu verdienen. Ein paar Jahre zuvor war er aus seiner Heimat in Brasilien, aus der kleinen Küstenstadt Imbituba nach Italien gekommen. Mit 15 Jahren, in ein fremdes Land, auf einen fremden Kontinent, für den großen Traum.

Zwei Jahre vorher hatte ein Agent den seinerzeit 13-jährigen Jorginho bei einem Jugendturnier in Brasilien entdeckt, ihn in seiner Fußballschule aufgenommen. Nun sah er die Zeit reif, dass der talentierte Junge den Versuch unternimmt, in Europa eine Profikarriere zu starten. "Er vermittelte mir ein Probetraining in einer Nachwuchsmannschaft von Hellas Verona und sie nahmen mich", erinnert sich Jorginho.

Am Anfang sei es in Verona glatt gelaufen, Jorginho lebte schließlich seinen Traum, alles war neu und aufregend. "Doch dann stellte sich eine Routine ein: Training, Schule, nach Hause, Schule, Training. 18 Monate lang war das alles, was ich machte. Ich hatte nur 20 Euro pro Woche zur Verfügung und konnte ohnehin nichts anderes machen. Training und Schule war alles. Das war wirklich hart."

Jorginho: "Ich rief weinend zuhause an"

Zudem spielte Hellas' erste Mannschaft seinerzeit nicht in der Serie A, es gab Probleme mit den Nachwuchsteams und Jorginho musste zeitweise für die Jugend des kleinen benachbarten Klubs Berretti spielen. Dort, bei Berretti, lernte er Rafael kennen, ebenfalls Brasilianer und Torhüter in jenem Team. "Er fragte mich, wie es bei mir so laufe, wie lange ich schon in Italien war und ich erzählte ihm, dass ich von 20 Euro in der Woche lebte. Er sagte, dass da etwas nicht stimmen könne, stellte ein paar Nachforschungen an und letztlich stellte sich heraus, dass mein Berater ohne mein Wissen Geld von meinem Gehalt abzwackte."

Eine Info, die Jorginho ins Herz traf, die ihm den Glauben an eine Zukunft im Fußballgeschäft raubte: "Ich rief weinend zuhause an und sagte meiner Mutter, dass ich nach Hause kommen und nicht mehr Fußball spielen will", blickt der heute 27-Jährige zurück. Doch seine Mutter, die ihn stets gefördert, oft selbst am Strand trainiert hatte, überzeugte ihn davon, weiterzumachen: "Sie sagte: 'Denk' nicht einmal daran! Du bist so nahe dran und bist jetzt schon ein paar Jahre dort, ich lasse dich nicht wieder ins Haus. Du musst bleiben und dich durchbeißen."

Jorginho hörte auf den Rat seiner Mutter, am Ziel war er aber noch lange nicht. Er trainierte bei Hellas kurz darauf zwar mit der ersten Mannschaft, wurde dann aber an einen Viertligisten verliehen. Als er wieder kam, setzte der Trainer erst auf ihn, als sich gleich zwei Spieler auf seiner Position verletzt hatten. "Der Trainer wusste nicht, was er tun sollte. Er musste entweder improvisieren oder auf mich setzen. Er setzte auf mich und ich machte meine Sache wohl ziemlich gut."

19 Jahre war Jorginho damals alt, als er für Hellas in der Serie B debütierte. Erst 2013, mit 21, machte er nach dem Aufstieg mit Hellas sein erstes Spiel in der Serie A, wechselte nur ein halbes Jahr später zu Neapel. Dort entwickelte sich Jorginho zum Weltklasse-Mittelfeldspieler und ging vergangenen Sommer für 57 Millionen Euro zu Chelsea. Zudem stehen inzwischen 16 Einsätze für Italiens Nationalelf zu Buche.