HINTERGRUND
Christian Titz widmete seine ganze Kraft dem "Wunder von der Elbe". Den Ärger über den Videoschiedsrichter und den Frust über den schweren Rückschlag im Abstiegskampf hatte der Trainer des Hamburger SV bereits abgehakt, als er sich am Sonntag entschlossen in die Vorbereitung auf das Spiel der letzten Hoffnung stürzte.
Erlebe die Bundesliga-Highlights auf DAZN. Hol' Dir jetzt Deinen Gratismonat!
"Ganz klar, wir schauen nach vorne, im Fußball gibt es viele verrückte Dinge", sagte Titz einen Tag nach dem 0:3 gegen Eintracht Frankfurt und hatte dabei schon das Fernduell mit dem VfL Wolfsburg am kommenden Samstag im Blick. Nur ein Heimsieg des HSV gegen Borussia Mönchengladbach und eine gleichzeitige Niederlage der Wölfe gegen den bereits abgestiegenen 1. FC Köln können den direkten Absturz des letzten Bundesliga-Dinos noch verhindern. "Viele Fans in Hamburg sind am kommenden Wochenende auch Fans des 1. FC Köln", sagte Titz.
Titz: "Es ist weiterhin noch etwas drin"
Der 47-Jährige erwartet am 34. Spieltag eine "Nervenschlacht" um den Relegationsplatz: "Und ich glaube, dass der Ausgang noch offen ist", sagte er bei Sky Sport News HD. Tags zuvor hatte sich der HSV noch schwer getroffen gezeigt. Lewis Holtby ruderte fast schon verzweifelt mit den Armen, um seine Teamkollegen nach dem Tiefschlag in Frankfurt Richtung Fankurve zu bewegen. Es schien, als seien sie beim HSV zunächst selbst nicht ganz sicher, wie real die Hoffnung auf den Bundesliga-Klassenerhalt tatsächlich noch ist.
Getty ImagesDoch die Hamburger zeigten sich auch trotzig und klammerten sich an jenen Strohhalm der Hoffnung. Verteidiger Gotoku Sakai, der sich in Frankfurt als einer der Wenigen äußerte, befand: "Wir haben es nicht in der Hand, aber wir haben noch eine Chance." Aaron Hunt betonte, dass der HSV noch immer sein Finale habe.
Dass der HSV diese Chance besitzt, grenzt im Grunde selbst schon an ein Wunder. Die Aufholjagd der vergangenen Wochen hat der Mannschaft neuen Mut eingehaucht, auch die Pleite in Frankfurt soll daran nichts ändern. "Uns war klar, dass wir in dieser Phase auch mal ein Spiel verlieren könnten", sagte Titz: "Wir haben zumindest das Glück, dass weiterhin noch etwas drin ist."
Aytekin verweigert Tatsuya Itos Treffer die Anerkennung
Dennoch war die Stimmung merklich getrübt, schließlich war die Gelegenheit an Wolfsburg vorbeizuziehen da. Und der HSV jubelte auch kurz, doch Schiedsrichter Deniz Aytekin erkannte einen Treffer von Tatsuya Ito (25.) nach Einschreiten des Videoreferees nicht an. "Wir können Stand heute wohl gar nicht sagen, ob es Abseits oder kein Abseits war", sagte Titz am Sonntag: "Von daher wäre es normalerweise ein Tor gewesen."
Doch der Trainer suchte den Grund für die Pleite nach Toren von Marius Wolf (31.), Omar Mascarell (77.) und Comebacker Alexander Meier (90.+1) nicht beim Schiedsrichter. Die Eintracht kam zu einem verdienten Sieg und hat nun im Kampf um Europa alle Trümpfe in der Hand. Der HSV mobilisiert dagegen alle Kräfte für sein diesmal vorbehaltich der Relegation wirklich allerletztes Endspiel.


