Seit der EM 1980 gibt es die detaillierte Datenerfassung beim wichtigsten Turnier des Kontinents. Neun Ausgaben gingen seither ins Land, unzählige Duelle wurden ausgefochten. So wenig Gefahr wie beim Aufeinandertreffen von Schweden und Italien am zweiten Spieltag der Gruppe E herrschte aber erst ein einziges Mal.
2012 war das, ebenfalls ein Vorrundenspiel, damals zwischen Tschechien und Griechenland. Zwölf Torschüsse gaben beide Teams zusammen während der 90 Minuten ab - ebenso viele, oder besser gesagt wenige, wie auch Schweden und Italiener am Freitagnachmittag in Toulouse. Historisch ungefährlich! 80 Minuten lang war es ein Spiel zum Wegschauen, zum Grämen.
Spieleröffnungen, für die man sogar in der Kreisklasse beschimpft werden würde, waren keine Seltenheit. Spielkultur im Mittelfeld? Fehlanzeige! Das Verbindungsstück zwischen Defensive und Offensive ging beiden Mannschaften lange komplett ab. Vor allem deshalb, weil jeweils ein kreativer Mittelfeldspieler fehlte.
Keine Kreativität, keine Laufbereitschaft
Albin Ekdal und Kim Källström bei Schweden, Marco Parolo und Daniele De Rossi bei Italien - eher Zerstörer, eher kampfstarke denn fußballerisch überdurchschnittliche Akteure bildeten das Zentrum. Der alleinige Grund für den Langweiler von Toulouse war das aber nicht. Vielmehr mangelte es kollektiv an Bewegung, an Laufbereitschaft. An Willen, den Ball haben und damit etwas anfangen zu wollen.
Torgefahr war so in der ersten Halbzeit nur ganz vereinzelt, und dann - wie bei Zlatan Ibrahimovic' Halbchance per Kopf - bestenfalls ansatzweise vorhanden. Lethargie hielt Einzug, die haarsträubenden Fehler im Passspiel taten ihr Übriges. Vier Torschüsse wurden in Hälfte eins gezählt, ein einziger davon auf den Kasten.

Den Italienern fehlte gegen defensiv sehr diszipliniert auftretende Schweden schlichtweg die Inspiration, um sich Chancen herauszuspielen. Die Schweden wirkten im Spielvortrag zumindest stückweise fähiger. Zu viel hing allerdings an Ibrahimovic, der sich weit zurückfallen lassen musste, um überhaupt ins Spiel integriert werden zu können.
Bemerkenswert schwach: Auch in der zweiten Partie blieben die Tre Kronor, deren Treffer beim 1:1 gegen Irland ein Eigentor war, ohne einen einzigen eigenen Schuss auf das gegnerische Tor. Eine Harmlosigkeit, die trotz eines Ibrahimovic an vorderster Front ihresgleichen sucht. Und aufgrund derer die Schweden vor dem abschließenden Vorrunden-Spiel gegen Belgien vor dem Aus stehen.
Geschlossenheit als Sieg-Garant
"In der Kabine ist die Enttäuschung groß", sagte Trainer Erik Hamren nach Schlusspfiff. Mit einem Remis hätte man eigentlich gut leben können. Dass der Punktgewinn nicht glückte, lag schließlich an den finalen zehn Minuten, in denen Italien eine Art Schlussoffensive startete.
Marco Parolos Lattenkopfball (82.) war Resultat der ersten wirklich gelungenen Offensivaktion des kompletten Spiels. Emanuele Giaccherini flankte an den zweiten Pfosten, Parolo scheiterte schließlich am Gebälk. Eine Szene, die ein gesamtes Stadion aus dem Halbschlaf riss.
So richtig wach war das weite Rund dann nur wenige Minuten später. Eder, zuvor extrem unglücklich agierend, fasste sich ein Herz, marschierte durch die schwedische Abwehr und bugsierte die Kugel aus rund 16 Metern ins Eck. "Ich bin glücklich, vor allem für meine Teamkollegen", sagte der Torschütze. Und drückte damit genau das aus, was die Italiener schon beim Auftakterfolg über Belgien ausgezeichnet hatte.
"Unser Geheimnis ist unser Zusammenhalt - von der Nummer eins bis zur Nummer 23", fügte Eder an. Dass man dank dieser Geschlossenheit ein Spiel gewann, das historisch wenig Torgefahr vorzuweisen hatte, dürfte dem frisch gebackenen Achtelfinalisten herzlich egal sein.
