Jürgen Klinsmann hat in einem Protokoll, welches die Sport Bild veröffentlichte, mit Manager Michael Preetz und Präsident Werner Gegenbauer abgerechnet. Außerdem wurde bekannt, dass Klinsmann Ralf Rangnick verpflichten wollte.
In dem Protokoll sprach Klinsmann von "jahrelangen katastrophalen Versäumnissen von Michael Preetz in allen Bereichen, die mit Leistungssport zusammenhängen". Auch die "Planung der Vorbereitung auf die Rückrunde, für die Michael Preetz verantwortlich ist", sei eine "Katastrophe" gewesen.
Hertha BSC hielt sein Wintertrainingslager in Orlando in den USA ab und absolvierte dort ein Testspiel gegen den Bundesliga-Konkurrenten Eintracht Frankfurt. Im Team-Hotel herrschte laut Klinsmann ein Klima, das "der komplette Trainerstab als verachtenswert dem Trainerstab gegenüber empfand". Wie der 55-Jährige ausführte, gab es eine "Urlauber"-Gruppe, die weintrinkend und zigarrenrauchend auf der Terrasse des Hotels saß. "Auf jeden Fall war es kontraproduktiv und nicht leistungsfördernd", berichtete er.
Das Trainingslager an sich kritisierte Klinsmann zudem. Nach seiner Auffassung stellten sich der Verein und das Management nicht der aktuellen sportlichen Situation, sondern "überschätzten ihr Wirken in der Weltpolitik". Durch den Trip in die USA hätte man mindestens drei Trainingstage verloren.
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Klinsmann: "Der Klub hat keine Leistungskultur"
Auch Präsident Werner Gegenbauer wurde von der Klinsmann-Kritik nicht verschont. Ihn beschrieb Klinsmann unter anderem als "völlig übel gelaunten Präsidenten". Gegenbauer soll auch verhindert haben, dass Investor Lars Windhorst nach dem Antrittsspiel Klinsmanns gegen Borussia Dortmund (1:2) in die Kabine kommen konnte.
In seiner Zeit als Aufsichtsrat soll Klinsmann Ralf Rangnick, der in Hoffenheim und Leipzig Projekte aufbaute, als zukünftigen Trainer vorgeschlagen haben. "Rangnick teilt unmissverständlich mit, dass er das Projekt Berlin spannend findet, in einer Konstellation mit Michael Preetz als sein Vorgesetzter jedoch niemals kommen würde".
Als Klinsmann am 8. November von Lars Windhorst als Aufsichtsratsmitglied eingestellt wurde, vermeldete Hertha BSC diesen Schritt nicht. Klinsmann dazu: "Der Klub steht unter Schock, es gibt keinerlei Willkommenskultur." Ein anberaumtes Essen wurde außerdem von der "kompletten Vereinsführung" nicht wahrgenommen. Einen Tag später, bei der Bundesliga-Partie gegen RB Leipzig, sollte Klinsmann daher auch kein Interview geben. Er beschrieb die Gründe hierfür als "fadenscheinig". Erst auf Druck durfte Klinsmann vor die Kameras treten, allerdings ohne einen Hertha-Vertreter.
Zwei Wochen später geriet Hertha mit 0:4 in Augsburg unter die Räder, das letzte Spiel von Trainer Ante Covic. Ohne die Entlassung von Vorgänger Ante Covic, wäre der Klub "direkt in die 2. Liga abgestiegen", so Klinsmann. "Man spürt, dass der Verein komplett am Boden ist. Hektisch und nervös. Ohne Perspektive, was das Traineramt und die Zukunft anbelangt", lautete sein Fazit.
Nach seinen ersten Trainingseinheiten bescheinigte er der Mannschaft einen "katastrophalen körperlichen wie mentalen Zustand". Über die medizinische Abteilung schrieb Klinsmann: "Ohne jegliche Dynamik, zerstritten, inkompetent, den Anforderungen des modernen Profifußballs nicht gewachsen. Chef ist seit 22 Jahren (!) Jahren der Orthopäde Ulli Schleicher. Keinerlei Innovationen. Man versucht ständig, Spieler krank oder verletzt zu reden, damit die eigene Wichtigkeit unterstrichen wird und mit irgendwelchen Geräten Geld gemacht werden kann."
Klinsmann: "Es gibt eine Lügenkultur"
"Der Klub hat keine Leistungskultur, nur Besitzstandsdenken und es fehlt jegliches Charisma in der Geschäftsleitung", erklärte Klinsmann außerdem: "Es gibt eine Lügenkultur, die auch das Vertrauensverhältnis der Spieler mit Preetz zerstört hat", ergänzte er.
Getty ImagesNach 76 Tagen im Amt als Trainer der Hertha legte der ehemalige Nationaltrainer Deutschlands und der USA sein Amt in Berlin nieder. Durch seinen Rücktritt wird er auch nicht mehr im Aufsichtsrat sitzen, wie Investor Lars Windhorst erklärte. Um den Klub nun dennoch zu einem "Big Player" zu machen, forderte Klinsmann: "Die Geschäftsleitung muss sofort komplett ausgetauscht werden."


