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"Handschuhpapst" Christoph Nowak im Interview: "Buffon ist wirklich faszinierend"

17:15 MESZ 02.05.19
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Christoph Nowaks Torwarthandschuhe "POPE's" tragen heute zahlreiche Topkeeper. Im Interview spricht der "Handschuhpapst" über Buffon, Karius und Co.

EXKLUSIV

Im Interview mit Goal und SPOX spricht der "Handschuhpapst" Christoph Nowak über seine Freundschaften zu den Profi-Torhütern, das faszinierende Treffen mit Gianluigi Buffon, die sympathische Begegnung mit Schwedens ehemaligem Rekord-Nationalspieler Thomas Ravelli, einen möglichen Neuer-Nachfolger und erklärt, warum neben Loris Karius eigentlich eine Atombombe einschlagen könnte.

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Herr Nowak, Sie haben in frühen Jahren angefangen, Handschuhe erfolgreicher Torhüter zu sammeln und erhielten anschließend aus Kollegenkreisen den Spitznamen "Handschuhpapst". Heute werden Ihre Torwarthandschuhe "POPE's" von vielen professionellen Torhütern getragen. Was ist das Besondere an Ihren Handschuhen?

Christoph Nowak: Wir möchten ein ehrliches Produkt auf Profiniveau anbieten, um es auch für den Amateur-Torhüter bezahlbar zu gestalten. Bei den großen Herstellern zahlt man im Endeffekt für den Namen und heutzutage irgendwelche Features, die eigentlich gar nicht sinnvoll sind. Das Wichtige ist, dass du dich im Handschuh wohlfühlst. Das können wir bieten.

Auch einige Bundesliga-Torhüter spielen in Ihren Handschuhen.

Nowak: Genau, in der Bundesliga haben wir aktuell Shooting-Star Alexander Nübel von Schalke, Michael Rensing von Fortuna Düsseldorf sowie die beiden Leverkusener Ramazan Özcan und Thorsten Kirschbaum. Mit allen bin ich seit Jahren auch freundschaftlich verbunden.

Nowak über seine Freundschaft zu Bernd Leno

Abgesehen von den Torhütern, die Ihre Handschuhe tragen, stehen sie auch mit vielen weiteren Torhütern in Kontakt.

Nowak: Ja, das stimmt. Ich pflege zum Beispiel einen guten Draht zu Loris Karius, Bernd Leno, Kevin Trapp, Timo Horn oder Tim Wiese. Die Jungs holen sich ab und an Tipps oder Feedback von mir hinsichtlich ihres Materials.

Sie sprechen Loris Karius an. Haben Sie mit ihm nach dem Champions-League- Finale gesprochen?

Nowak: Ja, wir hatten kurz Kontakt per WhatsApp, aber kurz danach war es für mich sinnvoller, ihn in Ruhe zu lassen. Ausführlicher haben wir dann im letzten Herbst gesprochen, als ich ihn in Istanbul besucht habe. Der Loris ist ein super Typ und ein feiner Kerl. Ich liebe genau solche Torhüter-Typen, weil sie meiner Meinung nach immer weniger werden. Wie das im Finale passiert ist? Ganz schwierig. Ich hatte bei ihm vorher immer das Gefühl, der kann irgendwo vor dem Match im Kabinengang stehen und es schlägt eine Atombombe neben ihm ein - das interessiert den nicht. Beim ersten Tor weiß ich nicht, ob er Benzema einfach übersehen hat, ich denke ja. Das zweite Tor kann man relativ einfach analysieren. Das ist eine Entscheidung zwischen Fangen oder Fausten. Kurze Überlegung - dann war's zu spät. Mir hat's auch wahnsinnig leidgetan. Wir kennen uns seit seinen Mainzer Zeiten persönlich.

Ein weiterer Spieler, mit dem Sie sehr engen Kontakt pflegen, ist Bernd Leno.

Nowak: Wenn ich so auf mein Handy schaue, ist Bernd wohl derjenige, mit dem ich am meisten auf WhatsApp schreibe. Wir verstehen uns recht gut und sind auch so ein bisschen Brüder im Geiste, wenn es darum geht, über bestimmte Fehlentwicklungen im Profibereich zu lästern. (lacht) Wir sind jetzt ja schon ziemlich lange befreundet, seit seinen Anfängen in Leverkusen, da ist dann ganz einfach eine Vertrauensbasis da.

Oft wird gesagt, man sollte Geschäft und Freundschaft besser trennen. In Ihrem glücklichen Fall funktioniert es offenbar trotzdem. Ist es schwer, die Freunde auch als Kunden zu halten?

Nowak: Es ist natürlich schon ein schmaler Grat. Wir sind eine kleine Firma, die am Anfang steht und bezahlen unsere Sportler auch nicht. Da kommt es natürlich auch mal vor, dass ein Torhüter einen anderen Weg wählt. Ich bin da schon immer tief getroffen und im ersten Moment auch etwas emotional. Vielleicht auch zu emotional, weil ich das Ganze mit sehr viel Leidenschaft und Herzblut betreibe, aber so ist leider wohl das Geschäft. Andererseits bin ich der Meinung, dass ein Keeper bei uns Serviceleistungen angeboten bekommt, die kaum ein anderer Ausrüster anbietet. Jeder Wunsch wird von den Augen abgelesen und schnellstmöglich erfüllt. Wenn es ein Problem gibt, zum Beispiel eine Fingerverletzung, dann stehe ich sofort parat. Ob es das heutzutage wert ist für einen Ausrüstervertrag, der im Vergleich zum Profigehalt in den meisten Fällen ja wie ein Tropfen auf den heißen Stein wirkt, einen derart unvergleichlichen Service für sein Handwerkszeug herzuschenken? Das muss dann am Ende jeder für sich selbst entscheiden.

Auf Ihrem Instagram-Account gibt es ein Bild mit Buffon. Wie haben Sie ihn kennengelernt?

Nowak: Der Kontakt zu Buffon kam 2017 zustande. Damals hatte Juventus ein Champions-League-Spiel in München. Am Dienstag war das Spiel und am Montagabend habe ich einem Freund geschrieben: 'Lass uns ins Hotel fahren, ich brauche ein Foto mit ihm'. (lacht) Dann sind wir ins Mannschaftshotel. Natürlich kann man nicht einfach so hinfahren, aber ich habe da ja Erfahrung. Ich hatte Riesen-Torwarthandschuhe mit meinem Namen und dem Logo meines Vereins SSV Dillingen für ihn als Geschenk dabei, einen halben Meter groß. Solche hat früher beispielsweise schon Jean-Marie Pfaff in Prominenten-Spielen getragen. Buffon kam dann glücklicherweise etwas später vom Training, weil er noch auf der offiziellen Pressekonferenz war. Wir haben ein gemeinsames Foto geschossen und ich hatte die Möglichkeit, ihm die Handschuhe zu geben. Die sind auch irgendwann bei Juventus in der Kabine aufgetaucht, der Ersatztorwart hat sogar ein Foto damit gepostet. Ein halbes Jahr später bekam ich dann eine Einladung eines Ausrüsters, bei dem einige Torwart-Spezialhändler die Möglichkeit bekamen, Buffon in Turin zu treffen. Die Chance habe ich mir natürlich nicht nehmen lassen. Er ist wirklich faszinierend, weil er eben total normal geblieben ist. Er meinte dann auch: 'Hey, ich kenn dich. Hilf mir mal.' Dann konnte er sich sofort erinnern.

Nowak: "Er war tatsächlich noch in der Kabine und schien sogar etwas angetrunken"

Neben Juventus-Legende Buffon hatten Sie die Möglichkeit, in Ihren frühen Sammlerjahren den schwedischen Rekord-Nationaltorhüter Thomas Ravelli zu treffen. Erzählen Sie.

Nowak: Ende der 90er Jahre hatte Thomas Ravelli ein Champions-League-Spiel in München. Der Schwede war lange Zeit der Rekordnationalspieler überhaupt. Ich, damals noch als Handschuhsammler unterwegs, dachte mir: 'Du brauchst unbedingt seine Torwarthandschuhe.' Ich habe im Mannschaftshotel angerufen und mich mit ihm verbinden lassen. Das hat echt funktioniert. Er sprach auch Deutsch, da seine Mutter aus Österreich kommt. Dann habe ich ihm erklärt, dass ich Handschuhe sammle und gerne welche von ihm hätte. Er meinte: 'Klar, kein Problem. Komm nach dem Spiel zum Bus im Olympiastadion, dann bekommst welche.' Nachdem das Spiel vorbei war, schmuggelte ich mich zum Bus. Es wurde immer später, 23 Uhr, dann war schon Mitternacht. Der Teambus war mittlerweile weggefahren - und kein Ravelli war eingestiegen. Das Olympiastadion war dunkel, keine Ordner mehr da - niemand. Ich habe Ravelli einfach nicht gesehen. 'Das gibt's doch nicht. Der kann doch nicht einfach gegangen sein', dachte ich mir. Dann bin ich nach Mitternacht durch die Katakomben zu den Kabinen runtergelaufen. Er war tatsächlich noch in der Kabine und schien sogar etwas angetrunken, weil er eine Dopingprobe hatte. (lacht) Dann hat er mir tatsächlich da unten seine Handschuhe gegeben. Erst kürzlich habe ich wieder Kontakt zu ihm gehabt.

Wie früh haben Sie mit dem Torhüter-Scouting begonnen? Haben Sie schon das nächste Torwarttalent im Visier?

Nowak: Ich nehme immer von den ganzen Jugendgeschichten eher Abstand, weil ich hierfür jeden Tag Anfragen von irgendwelchen, meist wenig seriösen Beratern bekomme. In der Junioren-Bundesliga könnte ich gefühlt alle ausrüsten, aber man kann nicht nur Handschuhe verschenken, man muss ja auch von etwas leben. Ich habe ein irgendwie Händchen dafür, natürlich manchmal auch etwas Glück sowie ein hervorragendes Netzwerk. Wir schauen uns die Jungs selbst an und schauen auch, ob es charakterlich zueinander passt. Alexander Nübel macht es klasse. Bei ihm könnte ich mir vielleicht sogar vorstellen, dass er irgendwann der Neuer-Nachfolger bei Bayern München wird. Lennart Grill von Kaiserslautern, U-20-Nationaltorhüter, ist auch mit seinem jungen Alter die Nummer eins bei einem renommierten Drittligisten. Von wem ich persönlich auch ganz viel halte, ist Christian Früchtl von den Bayern. Wir haben auch menschlich einen ganz guten Draht zueinander.

Sie denken schon an einen Neuer-Nachfolger. Viele Fans fordern bereits Marc-Andre ter Stegen als neue Nummer 1 im DFB-Tor. Wie sehen Sie die Torhüterfrage?

Nowak: Ich kenne Manuel Neuer und ich denke, wir schätzen uns auch gegenseitig, obwohl ich immer ein Kritiker von Teilen seiner Spielweise war, weil er sehr große Risiken eingeht. In einem K.o.-Spiel gegen Algerien nach acht Minuten an der Außenlinie in eine Todesgrätsche zu gehen, kann auch mal Rot bedeuten. Oder die Aktion im Finale gegen Gonzalo Higuain - beim Stand von 0:0. Da darf sich keiner beschweren, wenn es Elfmeter gibt. Andererseits finde ich es Wahnsinn, wie heute sogenannte Experten, die irgendwo in der Kreisliga B Torwarttrainer spielen, behaupten, dass ter Stegen der Bessere sei. Ich kann das nicht verstehen. Wie jemand, den man vor zwei oder drei Jahren noch zum Weltuniversums-Torhüter aller Zeiten überhaupt hochgelobt hat, jetzt plötzlich so fallen gelassen wird, ist für mich eine Respektlosigkeit. Er war sicherlich kein Übermensch im Tor, aber er ist definitiv jetzt nicht so schlecht, wie man ihn plötzlich macht. Er steht zurecht, nach wie vor, als Nummer eins im deutschen Tor. Man kann den Bundestrainer kritisieren, aber dass er in eher schwierigen Zeiten so loyal zu einem Spieler steht, der alles dafür gegeben hat, die WM 2018 nach seiner langen Verletzungspause noch zu spielen, ist in diesem Geschäft nicht alltäglich.