GFX Stats Gonzalo Higuain German

Kein Mann für große Spiele? Gonzalo Higuain zeigt es seinen Kritikern

Rückblende: In den Morgenstunden des 22. Juli 2015 verließ Gonzalo Higuain mit seinem Nationalmannschaftskameraden Ezequiel Lavezzi den Nachtklub "Pacha" auf Ibiza. Ein Fan stoppte ihn und bat ihn um ein Autogramm. Higuain lehnte ab und der enttäuschte Anhänger, der die Szene filmte, provozierte den Starstürmer mit den Worten: "Du kannst nicht einmal Elfmeter verwandeln."

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Eine klare Anspielung auf die beiden teuren Fehlschüsse Higuains Wochen zuvor für den SSC Neapel im Pokalfinale und die argentinische Nationalmannschaft im Endspiel der Copa America, die jeweils in entscheidenden Situationen passierten. Der Angreifer war außer sich und drohte dem Fan: "Lösch' das Video, oder ich reiße Dir den Kopf ab." Schließlich wurde er weggezerrt.

Eiskalt nach Alves' famoser Vorarbeit

Higuain ist einer der besten Stürmer der letzten Jahre, kaum jemand kann eine derartig gute Torquote aufweisen wie der 90-Millionen-Euro-Mann von Juventus Turin. Doch es sind Szenen wie die beiden angesprochenen Elfmeterfehlschüsse oder seine vergebene Großchance im WM-Finale 2014 gegen Manuel Neuer und die DFB-Elf, die von ihm im Gedächtnis bleiben. Jedenfalls bis zum Mittwochabend.

Analyse: Juve stößt die Tür zum Finale weit auf

Da gab es einen anderen Higuain zu sehen. Einen eiskalten Torjäger, der in einem Champions-League-Halbfinale auswärts den Unterschied machte und der seine Mannschaft mit einem Doppelpack an die Schwelle zum ersehnten Finale in Cardiff führte.

Der 29-Jährige präsentierte sich im Stade Louis II gegen die Shootingstars des AS Monaco glänzend aufgelegt. Er lauerte auf seine Chancen, rochierte zwischendurch mit seinen Angreiferkollegen Paulo Dybala und Mario Mandzukic. Allerdings nur so viel, dass er in den brenzligen Situationen dort auftauchte, wo er hingehört: im Sechzehner.

Nach knapp einer halben Stunde brachte er die mitgereisten Juve-Tifosi erstmals in Wallung, als er einen tollen Absatzkick von Dani Alves per Rechtsschuss im langen Eck des monegassischen Kastens versenkte. Keeper Danijel Subasic tauchte zwar ab, war gegen den platzierten Abschluss aber machtlos.

"Darum bin ich hergekommen"

Higuain war in der Folge fleißig, ohne allerdings viele Ballkontakte zu sammeln. Aber wie es sich für einen echten Torjäger gehört, braucht er eben auch nicht viele Lederberührungen. In der 59. Minute machte er bei einer Alves-Flanke von der rechten Seite genau den richtigen Weg, entwischte seinem Gegenspieler am langen Pfosten und vollstreckte aus kurzer Distanz.

2:0 für die Gäste! Das war gleichbedeutend mit dem Endstand. Und es ist wohl auch gleichbedeutend mit dem Einzug in das Finale. Schwer zu glauben, dass diese defensiv überragenden Bianconeri im Hexenkessel Juventus Stadium beim Rückspiel noch etwas anbrennen lassen.

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Für Higuain, der seinen zweiten Doppelpack in der Königsklasse schnürte, ist es auch ein Schritt in Richtung Erfüllung seiner persönlichen Mission. Er will den Henkelpott unbedingt in den Händen halten, daran lässt er keinen Zweifel. Vor dem Viertelfinale gegen Barcelona stellte er klar: "Ich hoffe, dass wir die Champions League gewinnen können. Darum bin ich hier hergekommen."

Für dieses Ziel wurde er in Neapel zum Staatsfeind Nummer eins. Nun ist er einen Schritt vom Endspiel entfernt, in dem mutmaßlich ausgerechnet sein Ex-Klub Real Madrid warten wird. Die alten Kollegen, die teilweise mehrfach die Champions League gewannen und ausgerechnet La Decima holten, als sich "Pipita" gen Italien verabschiedet hatte. Auch wieder so eine kleine Geschichte für die Higuain-Kritiker.

Gedanken an Albiceleste-Abschied

Eben diese Kritiker möchte er verstummen lassen. In Argentinien ging es zwischenzeitlich so weit, dass sogar seine Mutter wegen der Leistungen ihren Sohnes verspottet und beleidigt wurde und Higuain deshalb darüber nachdachte, aus der Albiceleste zurückzutreten. Bei TyC Sports gestand er damals: "Manchmal sagt man einfach. 'Mama, ich möchte nicht mehr, dass Du leidest."

Higuain entschied sich aber gegen einen Abschied aus der Nationalelf. Er wollte kämpfen, wie es auch auf dem Rasen seine Art ist. Eine mögliche Blockade in großen Momenten war am Mittwoch nicht zu sehen. Und falls es sie irgendwo im Hinterkopf gab, helfen Auftritte wie diese, um sie zu überwinden.

Will Juve die Champions League gewinnen, braucht es einen Higuain in Top-Form. Und sollte der Coup gelingen und der Rechtsfuß anschließend im Urlaub auf Ibiza feiern, wird er auf Provokationen vermutlich höchstens noch mit einem müden Lächeln reagieren.

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