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GoalSCOUT: Liverpool-Juwel Curtis Jones - Coutinho 2.0 für Gerrards Fußstapfen?


GoalSCOUT: Curtis Jones

Steven Gerrard wählte an diesem Tag Mitte März weise Worte. "Curtis wird das jetzt gerade nicht realisieren, aber das wird ihm helfen, weiterzukommen. Er wird richtig damit umgehen, da bin ich sicher." Die Legende des FC Liverpool, nun als Coach der U18 der Reds tätig, richtete sich damit an einen seiner Schützlinge. An Curtis Jones, 17 Jahre jung, Mega-Talent.

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Jones hatte gerade einen der Strafstöße beim Elfmeterschießen im Youth-League-Viertelfinale gegen Manchester City vergeben. Liverpools Nachwuchs schied aus - und Jones, der zuvor als zweitjüngster Akteur auf dem Platz eine prächtige Leistung inklusive Führungstor abgeliefert hatte, war sichtlich geknickt. Daran, dass ihm eine rosige Zukunft prognostiziert wird, änderte der folgenschwere Fehlschuss aber rein gar nichts.

Jones hat erst Ende Januar sein 17. Lebensjahr vollendet, kurz darauf seinen ersten Profivertrag bei Liverpool unterschrieben. Schon mit 15 durfte er erstmals bei Jürgen Klopps Team mittrainieren. "Jürgen lässt sie jede Sekunde 100 Prozent geben. Dort mit 15 reinzukommen, war eine große Sache für mich. Das Niveau ist unglaublich", sagte er seinerzeit. Vergangenen Samstag stand Jones im Derby beim FC Everton nun erstmals im Premier-League-Kader der ersten Mannschaft. Goal stellt Euch eines der heißesten Eisen aus der Nachwuchsakademie der Reds  genauer vor.

"Er hat wundervolle individuelle Fähigkeiten"

Jones ist waschechter Liverpooler, wurde Ende Januar 2001 in der Arbeiterstadt im Nordwesten Englands geboren und kam bereits zur U9 zu den Reds. "Er hat wundervolle individuelle Fähigkeiten, einen hervorragenden ersten Kontakt und kann mit dem Ball am Fuß große Raumgewinne erzielen", beschreibt Goals Liverpool-Korrespondent Neil Jones.

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Jones ist im Mittelfeld zuhause, eine Mischung aus Achter und Zehner, bewegt sich gerne in den offensiven Halbräumen, kann auch auf den Flügeln spielen. Neben seiner starken Technik und seiner Dynamik, mit der er oft a la Arturo Vidal in den gegnerischen Sechzehner drängt, hat er vor allem die Gabe, gleichzeitig vorausschauend und intuitiv zu handeln. Er hat immer schon eine Lösung, bevor er an den Ball kommt, kann mit seinem ersten Kontakt Angriffe in die richtige Richtung führen. Gleichzeitig ist er aber in der Lage, in Sekundenschnelle auf Bewegungen des Gegenspielers zu reagieren.

"Er hat diese Fähigkeit, aus dem Nichts etwas zu kreieren", lobte Gerrard, der ihn als U18-Coach im letzten Jahr hauptsächlich formte. Neun Tore hat Jones in dieser Saison in 14 Einsätzen für die U18 erzielt, kam zudem auf fünf Treffer in acht Youth-League-Spielen und durfte auch schon viermal für die U23 der Reds ran.

Goals Liverpool-Experte Neil Jones ist sich sicher, dass der englische U17-Nationalspieler eines Tages in Gerrards Fußstapfen treten und bei den Profis eine prägende Rolle spielen kann. "Er hat mit 15 schon für die U18 gespielt, nun sitzt er mit 17 in der Premier League auf der Bank und spielt bei der U23. Wenn er auf die richtigen Leute hört, die Flausen aus seinem Spiel austreibt und im Kopf klar bleibt, kann er es sehr weit bringen."

Noch probiert Jones zu häufig das Komplizierte, das Außergewöhnliche statt des einfachen, sinnvolleren Passes zum Nebenmann. Und, das fiel Neil Jones auf: "Wenn er auf dem Flügel eingesetzt wird, ist er mit zunehmender Spieldauer oft unsichtbar. Da legt er los wie die Feuerwehr, hat dann aber schnell gar keinen Einfluss mehr."

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Dass ein 17-Jähriger gewisse Dinge in seinem Spiel noch abstellen muss, ist allerdings absolut normal. Zumal Jones' Potenzial eben riesig ist. So riesig, dass Gerrard sein Team um ihn herum aufbaute: "Es ist wichtig, dass er so oft wie möglich an den Ball kommt, denn er macht unser Spiel", betonte Gerrard vor einigen Monaten.

Curtis Jones ähnelt Coutinho

Jones ähnelt in seinem Wirken auf dem Feld einem gewissen Philippe Coutinho. "In dieser Saison wurde er - obwohl Rechtsfuß - häufig auf dem linken Flügel eingesetzt", weiß Neil Jones. "Wie er von dort nach innen zieht, um dann im Zentrum Etwas zu kreieren, das erinnert mich definitiv an Coutinho." Wie der Brasilianer hat Curtis Jones den Sinn für das Unvorhergesehene, für das Intuitive, glänzt mit wendigen und effektiven Richtungswechseln auf engstem Raum oder mit Beinschüssen. "Und dieser Junge kann Tore schießen", schwärmt sein Namensvetter und Liverpool-Experte Neil.

Klopp und Co. zogen Jones in den letzten Monaten daher vermehrt nach oben, gemeinsam mit Nachwuchskollege Rafael Camacho, einem 17-jährigen Flügelspieler, trainierte er in dieser Spielzeit bereits häufiger bei der ersten Mannschaft mit. "Nach den vielen Verletzungen war er in den letzten Wochen sogar sehr regelmäßig dabei", sagt Goal-Experte Jones. Vergangenen Freitag meldete Liverpool Jones dann für die Premier League nach, Rückennummer 48.

Sein Gesamtpaket wolle man noch verbessern, erklärt Gerrard. Jones hat in dem 37-Jährigen, der 703 Pflichtspiele für Liverpool absolvierte, das ideale Vorbild, das ihn hautnah begleitet. "Für jeden Liverpool-Spieler, vor allem, wenn man hier geboren wurde, ist das eine Riesensache", sagte Jones zur Zusammenarbeit mit dem früheren Mittelfeld-Ass. "Ich würde definitiv sagen, dass ich unter ihm besser geworden bin. Immer, wenn ich mir bei etwas unsicher bin, kann ich zu ihm gehen. Er ist immer da, unterstützt mich enorm."

Nach dem Fehlschuss gegen City Mitte März wird ihm Gerrards Unterstützung besonders geholfen haben. Und spätestens, wenn er erstmals an der Anfield Road für die Profis aufläuft, wird Curtis Jones diesen bitteren Moment vergessen haben. Um mit dem Segen einer Legende in deren Fußstapfen zu treten.

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