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Deulofeu: Der "neue Messi" startet mit Verspätung durch

16:00 MESZ 14.04.17
2017-03-26 Deulofeu Milan
Er galt als größtes Talent Europas, stagnierte dann aber. Nun startet Deulofeu durch und sein Traum vom Barca-Durchbruch könnte in Erfüllung gehen.

"Neue Lionel Messis" gab es viele in den vergangenen Jahren. Es gab den "German Messi" (Marko Marin), es gab den "israelischen Messi" (Gai Assulin), den "Kiwi-Messi" (Marco Rojas) und noch viele, viele mehr. Der Prototyp der designierten Erben des fünfmaligen Weltfußballers war allerdings ein anderer: Gerard Deulofeu. Gut möglich, dass er in der kommenden Saison mit einiger Verspätung dann doch an der Seite des fünfmaligen Weltfußballers spielt.

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Deulofeu war vor etwa fünf Jahren mit die heißeste Teenager-Aktie im Weltfußball. Wie Messi stammte dieser trickreiche Flügelstürmer aus La Masia, der berühmten Barca-Nachwuchsschmiede, die so viele außergewöhnliche Talente hervorgebracht hat. Wie Messi spielte er schon in jungen Jahren den Gegnern Knoten in die Beine und wie Messi wurde ihm früh eine großartige Zukunft prophezeit. Doch hier hören die Parallelen erstmal auf. Denn während Messi seit mehr als einem Jahrzehnt Weltklasse verkörpert, hat Deulofeu diese nicht erreicht. Jedenfalls noch nicht.

"Ich dachte immer nur ans Attackieren"

2011 schien sein Weg in die Elite vorgezeichnet. Mit 16 Jahren debütierte er in der zweiten Mannschaft und wenig später auch gegen Mallorca für Barcelonas Profis. Der Hype war da bereits riesig. Deulofeu hatte als 14-Jähriger einen Ausrüstervertrag mit dem Sportartikelgiganten Nike abgeschlossen und einem Gegenspieler in der Jugend auf dem Platz gesagt: "Komm nach dem Spiel in der Kabine vorbei. Dann gebe ich Dir ein Autogramm."

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Beim Sprung von den Junioren zu den Profis tat sich Deulofeu dann allerdings schwer. Trotz seiner elektrisierenden Geschwindigkeit, der perfekten Technik und der Dribbelstärke. Wie der zweimalige U19-Europameister vor wenigen Wochen gestand, waren es eben auch die Vergleiche mit Messi, die sich nicht förderlich auf seine Laufbahn auswirkten. "Die Vergleiche mit Lionel Messi haben mich in meiner Entwicklung beeinträchtigt. Sie haben die Erwartungshaltung bei den Fans zu hoch geschraubt, dabei gibt es nur einen Messi. Ich lese normalerweise keine Zeitungen, aber diese Vergleiche sind wirklich herausgestochen."

Neben den hohen Erwartungen sorgten vor allem seine Defizite in der Rückwärtsbewegung dafür, dass ihm der Durchbruch in Barcelona verwehrt bliebt. Deulofeu verriet einst, dass ihn Pep Guardiola, unter dem er in der A-Mannschaft der Katalanen debütierte, oft beiseite nahm, um ihm dies zu vermitteln: "Er zeigte mir immer wieder Aktionen und Bewegungen in der Defensive. Aber ich war 17 oder 18 Jahre alt, ich dachte immer nur ans Attackieren."

So stagnierte er also bei dem Verein, für den er seit seinem neunten Lebensjahr gespielt hatte. 2013 entschied er sich zum Abgang auf Zeit und wechselte nach Everton. Dort kam er unter Roberto Martinez gut zurecht, allerdings nicht gut genug, um sich für Barcelonas erste Mannschaft zu empfehlen. Deulofeu kehrte 2014 nach Spanien zurück und wurde erneut ausgeliehen, diesmal an den FC Sevilla. Dort hatte er große Probleme und 2015 holten ihn die Toffees zurück auf die Insel. Diesmal allerdings dauerhaft und für sechs Millionen Euro Ablöse.

Öffentliche Kritik von Koeman

Barcelona gab das einstige Kronjuwel seiner Jugendabteilung ab, hatte die Hoffnung auf den Durchbruch aber noch nicht ganz aufgegeben. Der Klub sicherte sich eine Rückkaufoption und diese könnte nun bald ein Thema werden.

Dabei verlief Deulofeus zweites Engagement bei Everton auch nicht geradlinig. Er spielte zwar ordentlich, aber als Ronald Koeman im Sommer 2016 als neuer Trainer anfing, verlor er seinen Stammplatz. Mehr noch, der Niederländer kritisierte seinen Flügelflitzer nach dem Unentschieden zum Saisonauftakt gegen Tottenham öffentlich: "Man sieht, dass Gerard nicht bereit ist, über 90 Minuten zu gehen. Es geht einzig um die Einsatzbereitschaft des Spielers."

In den kommenden fünf Monaten gelang es Deulofeu nicht, seinen Trainer eines Besseren zu belehren und so betonte Koeman im Januar denn auch, er haben "kein Problem damit", seinen Schützling an den AC Mailand zu verleihen.

Bei Milan brauchte Deulofeu schließlich nur wenige Wochen, um sich als gereifter Spieler zu präsentieren, der sein großes Potenzial ausschöpft und mannschaftsdienlich spielt. Er sammelte fünf Scorerpunkte in elf Serie-A-Partien und bekam für seine Auftritte durchgängig gute Kritiken. So kehrte er auch in den Kreis der spanischen Nationalmannschaft zurück. Zwei Jahre nach seinem Debüt in der Seleccion durfte er Ende März im Testspielkracher gegen Frankreich ran und lieferte beim 2:0-Sieg im Stade France auch gleich einen Assist.

Montella möchte "Geri" halten

Es scheint, als habe "Geri" den nächsten Entwicklungsschritt vollzogen. Und so lautet nun die Frage, wie es im Sommer mit ihm weitergeht. In Everton steht er noch bis 2018 unter Vertrag, eine Zukunft im Goodison Park unter Koeman ist allerdings unwahrscheinlich. Barcelona hat die bereits erwähnte Rückkaufklausel und auch der AC Mailand möchte ihn gerne über die Saison hinaus binden. Seit Ende dieser Woche kursieren außerdem Gerüchte, der SSC Neapel zeige ebenfalls Interesse.

Milans Trainer Vincenzo Montella lobte seinen Schützling kürzlich: "Er macht sich sehr gut. Wie es mit ihm weitergeht, hängt aber nicht von mir ab. Ich glaube aber, dass es bei der Entscheidungsfindung nicht nur um finanzielle Dinge gehen sollte, sondern auch um die Erwartungen des Vereins und des Spielers. (…) Ich hoffe, er kann hier weiter wachsen. Wird sind froh, dass er bei uns ist und seine Qualitäten zeigen kann."

Barcelona muss sich zunächst für einen neuen Cheftrainer entscheiden, dieser wird dann auch über Deulofeus Zukunft befinden. Die Entscheidung, ob die Rückkaufklausel gezogen wird, muss bis zum 30. Juni getroffen werden. Allerdings ist es so, dass Deulofeus Berater Gines Carvajal seinem Klienten gemäß Mundo Deportivo 2015 ein Vetorecht gesichert hat. Der Offensivspieler kann eine Rückkehr nach Barcelona ablehnen und hat seine Zukunft so in eigenen Händen.

Milan wird offensiv um den Rechtsfuß werben und zwei Szenarien sind bei einem Wechsel in die Lombardei aktuell wahrscheinlich: Die Rossoneri verpflichten ihn direkt für 18 Millionen Euro Ablöse von Everton. Oder Barca signalisiert, Deulofeu zurückzuholen, um ihn anschließend mit Gewinn nach Mailand zu verkaufen.

"... sonst verliere ich den Verstand"

Deulofeu selbst hält sich zu dem Thema bedeckt: "Wir werden sehen, was meine Zukunft bringt. Ich bin glücklich in Mailand. (…) Über mehr möchte ich im Moment nicht nachdenken. Es ist schön, von Barcelonas Interesse zu hören, aber wenn ich mich nicht mit dem Hier und Jetzt beschäftige, verliere ich den Verstand."

Klar ist auch: Wie viele der anderen La-Masia-Talente träumte er stets davon, sich in Barcelona durchzusetzen. Die Offensive dort ist nach wie vor herausragend besetzt. Sollte Luis Enriques Nachfolger an der aktuellen 3-4-3-Formation festhalten, wäre Deulofeu als Ergänzung mit großer Perspektive für die rechte Außenbahn allerdings Gold wert.

Er wäre dort deutlich offensivstärker als Rafinha, der im Moment verletzt ist und um Sommer wohl wechseln wird. Und er könnte auch noch weiter vorne als Flügelstürmer auflaufen, sollte Lionel Messi weiter etwas zurückgezogen im Mittelfeld agieren..

Mit etwas Verspätung könnte dann doch noch wahr werden, wovon die Barca-Fans einst träumten: Der "neue Messi" stürmt im Dress der Blaugrana neben dem echten Messi.