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Gareth Bales hässlicher Abschied von Real Madrid: From hero to zero

17:52 MESZ 22.07.19
Gareth Bale Real Madrid Barcelona La Liga 02032019
Gareth Bale ist bei Real Madrid in Ungnade gefallen und soll die Königlichen verlassen. Hier erfahrt ihr alles, was ihr zu der Posse wissen müsst.

HINTERGRUND

Trotz bedeutender sportlicher Verdienste in den vergangenen sechs Jahren spielt Gareth Bale bei Real Madrid keine Rolle mehr. Der spanische Rekordmeister mit Trainer Zinedine Zidane an vorderster Front drängt ihn zu einem Abschied und provoziert dabei sogar eine öffentliche Schlammschlacht mit dessen Berater. Wie konnte es so weit kommen? Und wie geht es jetzt weiter?

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Goal und SPOX beantworten die wichtigsten Fragen zum Bale-Aus bei Real.

Warum will Zidane Bale loswerden?

Zidane beschwichtigte nach der 1:3-Testspielpleite gegen den FC Bayern, dass er aus sportlichen Gründen keinen Platz für Bale habe. Es sei "nichts Persönliches", sagte Zidane. Eine zweifelhafte These. Das Verhältnis der beiden galt schon immer als unterkühlt, weil Zidane in Bale nie einen Stammspieler sah. Der Franzose baute in den großen Spielen seiner zweiten Saison sogar sein System von einem 4-3-3 auf ein 4-3-1-2 um, in dem statt Bale auf dem rechten Flügel Isco als Freigeist hinter der aus Karim Benzema und Cristiano Ronaldo bestehenden Doppelspitze agierte.

Der walisische Nationalspieler fühlte sich nicht ausreichend wertgeschätzt und setzte über seinen umtriebigen Berater Jonathan Barnett immer wieder öffentliche Spitzen gegen Zidane. Nach dem Champions-League-Finale im Mai 2018 gegen den FC Liverpool in Kiew, bei dem der eingewechselte Bale mit zwei Treffern zum Helden avancierte, lief das Fass über. Der zum besten Spieler des Spiels gekürte Linksfuß klagte im Moment des Sieges erneut über seine Rolle als Reservist. "Wenn ich keinen Stammplatz habe, gehe ich", sagte er.

Wenige Tage darauf kündigte Zidane aus heiterem Himmel. Er erreiche die Mannschaft nicht mehr, sie brauche einen "neuen Impuls", lautete die nach dem dritten Champions-League-Sieg in Folge doch eher seltsame Begründung des früheren Weltfußballers. Dass ihn auch die ständigen Meckereien von Bale ermüdet hatten, machte sich schon kurz nach seiner nicht weniger überraschenden Rückkehr im März 2019 bemerkbar. Er ließ den Superstar zunächst auf der Bank und zum Saisonende hin sogar auf der Tribüne schmoren. Spätestens in jener Phase wurde deutlich, dass Zidane auch einen internen Machtkampf mit Bales größtem Rückhalt, Florentino Perez, gewonnen hatte.

Der Real-Präsident hatte Bale 2013 nach wochenlangem Tauziehen für damals rekordträchtige 101 Millionen Euro von Tottenham Hotspur verpflichtet und sich immer wieder für ihn ausgesprochen. Zidane machte seine Rückkehr aber offensichtlich auch von einem Verkauf Bales abhängig - und dem Kauf eines neuen Leaders für die Offensive, die nach dem Abgang von Ronaldo zu Juventus Turin auch wegen durchschnittlicher Leistungen von Bale an Durchschlagskraft krankte. Die Wahl des 47-Jährigen fiel auf Eden Hazard, obwohl Perez lange mit einer Verpflichtung von PSG-Star Neymar geliebäugelt hatte.

"Zidane wäre nicht zurückgekehrt, wenn Perez ihm nicht einen Abgang von Bale versprochen hätte. Er hat jetzt mehr Macht als vorher und kann seinen Kader mehr nach seinen Vorstellungen zusammenstellen als zuvor", erklärte der ehemalige Real-Präsident Ramon Calderon unlängst der BBC. Bale ist nicht der einzige Star, der unter Zidane keine Zukunft hat. Dani Ceballos, James Rodriguez und Mariano Diaz stehen ebenfalls auf dem Abstellgleis.

Weshalb bekriegen sich Real und Bale öffentlich?

Ob ein anderer Trainer auf Bale gebaut hätte, ist mehr als fraglich. Der mittlerweile 30-Jährige war zwar der Königstransfer von Perez, traf in zwei Champions-League-Endspielen und bescherte Real mit einem unvergessenen Traum-Solo gegen den Erzrivalen aus Barcelona einen Pokalsieg, erweckte aber nie den Eindruck, richtig in Spanien angekommen zu sein. Er legte auch aufgrund mehrerer Verletzungen nur selten die Explosivität an den Tag, die ihn bei Tottenham Hotspur ausgezeichnet hatte, und tat sich mit der weniger auf Physis ausgelegten spanischen Spielweise schwer.

Auch deshalb bekamen die zwischenzeitlichen Zidane-Erben Julen Lopetegui und Santiago Solari Schwierigkeiten, das Kraftpaket einzubinden, weshalb Vinicius Junior, ein gerade einmal 19 Jahre alter Brasilianer, Bale schon vor Zidanes Rückkehr verdrängte. Hinzu kamen Probleme mit der Integration.

Der eher in sich gekehrte Waliser hatte dem Vernehmen nach mit Ausnahme von Luka Modric und Toni Kroos keine Freunde im Team und machte sich vor allem in der spanischen Presselandschaft angreifbar, weil er nach mehreren Jahren immer noch keine Interviews auf Spanisch gab. Dass er in der vergangenen Saison einen Mannschaftsabend für ein Golfturnier schwänzte und nach einem Spiel mit seinem Privatauto statt mit dem Mannschaftsbus zurückreiste, war gefundenes Fressen für die kritischen Sportblätter, ihre zum Teil überzogene Kampagne gegen Bale munter fortzusetzen.

All das führte dazu, dass sich auch ein Großteil der Real-Fans von Bale abwandte. Trotz 102 Toren und 65 Vorlagen in 231 Spielen hagelte es im Estadio Santiago Bernabeu Pfiffe gegen den Mann mit der Nummer 11. Spätestens mit Zidanes Comeback war er nicht mehr haltbar.

Doch weil er daraufhin trotzdem keine Anstalten machte, sich einen neuen Arbeitgeber zu suchen und seinen Berater vorschickte, um klarzustellen, wie glücklich er doch bei den Königlichen sei und dass nur "Müll" geschrieben werde, entwickelte sich eine Schlammschlacht, die am vergangenen Wochenende endgültig an die Öffentlichkeit geriet. "Es wäre das Beste für alle, wenn er geht. Hoffentlich schon morgen", sagte Zidane auf einer Pressekonferenz. Bales Berater Barnett reagierte erbost, bezeichnete den Real-Trainer als "Schande" und warf ihm "mangelnden Respekt" vor. Allerdings hatten Barnett und sein Klient monatelang die Chance, einen unwürdigen Abschied zu vermeiden.

Nach Informationen von Goal und SPOX bot Real den in Ungnade gefallenen Außenstürmer seit April bei mehreren Top-Klubs an und erklärte sich bereit, ihn zur Not auch erst einmal mit einer fixen Kaufoption zu verleihen. Bale aber verweigerte einen Wechsel. Diverse spanische Medien behaupteten sogar, der Spieler habe die Klubverantwortlichen wissen lassen, er werde seinen bis 2022 laufenden Vertrag aussitzen, um weiter sein fürstliches Gehalt von kolportierten 17 Millionen Euro netto pro Jahr zu kassieren.

Zidane blieb nach dem Testspiel in Houston wohl keine andere Wahl mehr, als den Spieler vor laufenden Kameras auf die nicht sehr feine französische Art vom Hof zu jagen. "Die Situation ist für niemanden tragbar. Nicht für den Klub, nicht für den Trainer, nicht für den Spieler", fasste Ex-Real-Boss Calderon den Status quo zusammen. Eine Lösung ist nun aber in Sicht.

Wo liegt Bales Zukunft?

"Ich arbeite an einem Transfer von Gareth", bestätigte Barnett am Sonntag der Nachrichtenagentur AFP. Nach Angaben der gut unterrichteten Marca und AS führt Bales Weg weg aus Europa. Nach China.

Nachdem Madrid ein Angebot von Shanghai Shenhua abgelehnt habe, seien noch Roger Schmidts Beijing Guoan und Jiangsu Suning im Rennen, heißt es. Letzterer Klub nährte die Spekulationen am Montag, indem er Bale bei Instagram abonnierte.

Bei welchem Klub er auch landet: Bale dürfte zum bestbezahlten Profi der chinesischen Super League aufsteigen, eine Million Euro pro Woche (!) winken ihm nach Angaben des chinesischen Journalisten Bai Guohua.

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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Ein Beitrag geteilt von Gareth Bale (@garethbale11) am Jul 20, 2019 um 1:20 PDT

Ein Wechsel ins Reich der Mitte wäre zwar finanziell lukrativ, vor allem aber ein Schritt in die sportliche Bedeutungslosigkeit - mit 30 Jahren. Ein Schritt, den er sich letztlich selbst eingebrockt hätte.

Manchester United, Paris Saint-Germain, Inter Mailand, auch seiner alte Liebe Tottenham und dem FC Bayern wurde Bale laut der AS angeboten. Der Spieler aber zeigte sich weder gewillt, Real zu verlassen noch Gehaltseinbußen hinzunehmen - bis Zidane und Co. den Druck auf ihn erhöhten und ein unschönes Ende der Bale-Saga herbeiführten. Ein Ende ohne Worte des Dankes, ohne Abschiedsspiel. From hero to zero.