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Im Stile eines Mike Tyson: Als Romario Diego Simeone niederschlug

Wer Diego Simeone heute als Trainer von Atletico Madrid an der Seitenlinie beobachtet, der bekommt einen Eindruck davon, wie der Argentinier früher als Spieler auf dem Platz war. Selbst die jüngere Generation, die "El Cholo" nicht selbst hat spielen sehen, kommt schnell darauf, dass Simeone wohl zu der Sorte Spieler gehörte, die man lieber im eigenen Team hatte: emotional, aufbrausend und wenig zimperlich. Kaum einer beherrschte den Trashtalk und die kleinen Nickeligkeiten auf dem Platz so wie Simeone.

Sein prominentestes "Opfer" dürfte wohl David Beckham gewesen sein. Bei der WM 1998 provozierte Simeone durch ein Foul gegen den englischen Star erst eine Tätlichkeit und täuschte, wie er später zugab, auch noch eine Verletzung vor, um Beckhams Platzverweis zu erwirken.

Romarios Ausraster: Diego Simeone hatte einen Plan

Doch schon vier Jahre zuvor, am 16. Januar 1994, sicherte sich Simeone unfreiwillig einen Platz in der Fußballgeschichte für einen Vorfall, der mit Fußball nicht viel zu tun hatte. Mit seinem damaligen Klub FC Sevilla traf Simeone auf den FC Barcelona, bei dem ein gewisser Romario spielte. Wobei der Brasilianer an diesem Tag zunächst eben nicht spielte, sondern auf der Bank schmorte.

Das passte dem ebenfalls mit einem Hang zum Wahnsinn ausgestatteten Stürmer so gar nicht. Denn nur eine Woche zuvor hatte Romario Real Madrid im Clasico mit drei Toren beim 5:0 quasi im Alleingang abgeschossen. Doch der legendäre Barca-Trainer Johan Cruyff wollte Romario verdeutlichen, dass unter ihm ein Spieler selbst nach solch einer Glanzleistung nicht unersetzbar ist. Und Cruyff spekulierte auf eine entsprechende Trotzreaktion, wenn Romario eingewechselt wird. Doch Cruyff hatte nicht mit Simeone gerechnet.

Romario Barcelona 1994Chris Cole/AFP/Getty

Denn als Romario eine Viertelstunde vor Schluss beim Stand von 0:0 in die Partie kam, bemerkte Simeone schnell, dass der Starspieler irgendwie so gar nicht glücklich wirkte. Und das wollte der Argentinier ausnutzen. Er bearbeitete seinen Gegenspieler, verbal mit Beleidigungen gegen Romarios Mutter und mit Bezeichnungen wie "Kakerlake", non-verbal mit vielen kleinen Fouls und Tritten.

In der Schlussphase des Spiels hatte Romario dann genug. Nach einer Flanke rannte er auf Simeone zu, doch statt ins Kopfballduell zu gehen, ballte er seine linke Hand zur Faust und verpasste Simeone einen satten Haken ins Gesicht. Der Schiedsrichter erkannte die Situation sofort und zeigte Romario die Rote Karte. 

Romario: Erst Sperre, dann Meisterschaft

Romario rechtfertigte sich nach dem Spiel. "Er hat mich gereizt und getreten. Ich habe zurückgeschlagen und der Schiedsrichter hat mich vom Platz gestellt"; sagte er kühl. Romarios Teamkollege und guter Freund Hristo Stoichkov sprang ihm zur Seite und würdigte seinen Schlag als "Mike-Tyson-würdig". Trainer Cruyff, dem wohl klar war, dass er zumindest eine Mitschuld an Romarios kurzer Zündschnur hatte, nahm Romario ebenfalls in Schutz und meinte, er hätte sich gerne eingewechselt, um Simeone ebenfalls schlagen zu können.

Romario wurde vom spanischen Verband für fünf Spiele gesperrt, was dem hitzköpfigen Brasilianer die Gelegenheit verschaffte, nach Hause zu fliegen und sich bei Volleyball am Strand von Rio de Janeiro abzukühlen. Während seiner Abwesenheit geriet Barca in eine Ergebniskrise, doch Romario kehrte noch rechtzeitig zurück, um dem Klub zu zwölf Siegen aus den letzten 14 Spielen zu verhelfen, was schlussendlich zum Meistertitel reichte, da Deportivo La Coruna in der Schlussphase die Puste ausging. Romario wurde mit 30 Toren Torschützenkönig.

Für Romario ging es nach der Saison zur WM in den USA, bei der sich Brasilien durchsetzte. Simeone hingegen war Teil der argentinischen Mannschaft, die vom Drogenskandal um Diego Maradona getroffen wurde. Ohne den Topstar schied Argentinien im Achtelfinale gegen Rumänien aus.

Romario| Brasil| 1994

Einige Jahre später blickte Simeone mit einem verschmitzten Lächeln auf Romarios Schlag zurück. "Das war doch ein guter Schlag, oder?", scherzte er. "Romario war etwas verärgert durch eine Situation bei Barcelona und das hat ihn etwas verwundbar gemacht. Wir waren immer an der Kante unterwegs. Die guten Fußballer zu provozieren und zu testen gehörte damals dazu", sagte Simeone weiter. Jedoch seien Dinge, die sich auf dem Feld entwickelt haben, auch auf dem Feld geblieben. "So sollte es doch sein", so Simeone.

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