Der Wirbel um Frenkie de Jong beim FC Barcelona: Schon der Wechsel zu Barça war kurios

Ein dunkles Auto fährt auf den Parkplatz des Trainingsgeländes des FC Barcelona. Einige Fans stehen am Straßenrand - und sind sichtlich wütend auf denjenigen, der da gerade zur Arbeit erscheint. "Lass' Dein Gehalt kürzen", rufen sie - und schicken gleich noch die eine oder andere Beleidigung hinterher.

Am Steuer des Wagens, das erkennt man in dem Video, das jüngst auf Twitter die Runde machte, sitzt Frenkie de Jong. Der Frenkie de Jong, der vor gut drei Jahren als großer Hoffnungsträger nach Barcelona kam. Der die Tradition niederländischer Stars bei den Katalanen wieder neu beleben sollte, der sich mittlerweile aber im Zentrum einer für ihn persönlich sehr traurigen und für seinen Klub ziemlich beschämenden Entwicklung wiederfindet.

Dass Barça de Jong trotz dessen bis 2026 gültigen Vertrages in diesem Sommer sehr gerne verkaufen möchte, ist ein offenes Geheimnis. Die hoch verschuldeten Blaugrana würden die dadurch zu erwartenden Millionen mit Kusshand nehmen, um die vielen namhaften Neuzugänge um Robert Lewandowski, Franck Kessié und Raphinha auch tatsächlich bei LaLiga registrieren zu können.

Potente Interessenten gäbe es durchaus, allen voran Manchester United und der FC Chelsea sind hier zu nennen. Aber de Jong will gar nicht weg aus Barcelona - und soll für den Fall eines Verbleibs zumindest auf Teile seines Gehalts verzichten, was er bis dato aber noch nicht tun will. Es ist sogar die Rede davon, dass die Führungsriege der Blaugrana wegen angeblich krimineller Handlungen die Vertragsverlängerung mit dem Mittelfeldstar anfechten möchte.

Frenkie de Jong kam 2019 von Ajax zu Barça

Als Anfang 2019 offiziell wurde, dass sich für de Jong der Traum von einem Wechsel zu Barça erfüllt, hat er sich die Sache sicherlich ganz anders ausgemalt. Wenngleich ein genauerer Blick auf den Transfer des seinerzeit 22-jährigen Mittelfeldspielers von Ajax Amsterdam ins Camp Nou zeigt, dass schon damals einige kuriose Dinge geschahen.

"Die Barça-Verantwortlichen waren derart erleichtert, dass der damalige Manager Pep Segura angefangen hat, zu weinen", erzählte Hasan Cetinkaya, einer von de Jongs Beratern, mal dem Aftonbladet. Auch PSG, Manchester City und Juventus Turin hatten sich seinerzeit um den Mittelfeldstrategen bemüht, Barça war jedoch immer de Jongs Priorität.

Da die Katalanen sich dessen aber natürlich nicht sicher seien konnten, standen die Klubverantwortlichen um den damaligen Präsidenten Josep Maria Bartomeu "unter riesigem Druck", wie Cetinkaya verriet. Er nutzte das auch, um die Ablöse für seinen Klienten in die Höhe zu treiben.

Denn statt der letztlich 86 Millionen Euro wäre Ajax eigentlich schon mit deutlich weniger zufrieden gewesen. Ajax' damaliger Sportlicher Leiter Marc Overmars hatte laut Cetinkaya ursprünglich sogar lediglich im Sinn, dass man mehr als die 38 Millionen Euro einnimmt, die man 2017 von Tottenham für den damaligen Rekordverkauf Davinson Sanchez bekommen hatte.

"Wir sollten ihn nicht für 50 Millionen Euro verkaufen. Es werden 100 Millionen Euro", erinnerte sich Cetinkaya an seine Worte in den ersten Gesprächen mit den Ajax-Bossen. Er redete weiter auf sie ein: "Wir werden nicht nur einen neuen Rekordverkauf für einen niederländischen Klub aufstellen, sondern den teuersten Transfer eines niederländischen Spielers aller Zeiten einfädeln. Und plötzlich herrschte eine fantastische Atmosphäre im Raum."

Frenkie de Jong zu Barça: Bartomeu und Abidal kamen nach Amsterdam

Cetinkaya war also durchaus darauf bedacht, Barça möglichst viel Geld für de Jong abzuverlangen. Dementsprechend lange zogen sich dann auch die Verhandlungen, Bartomeu und Barças damaliger Sportdirektor Eric Abidal flogen eigens nach Amsterdam, um den Deal unter Dach und Fach zu bringen. Es sei kompliziert gewesen, sich zwischen all den verlockenden Angeboten zu entscheiden, sagte de Jong bei seiner Vorstellung im Sommer 2019. "Aber dass der Präsident und all die anderen Funktionäre extra nach Amsterdam kamen, hat mich wirklich überzeugt - der Applaus sollte also an sie gehen", führte er aus.

An dem Tag, an dem de Jongs Unterschrift in Barcelona schließlich erfolgte, habe man nur zu gut gespürt, wie viel Last den Barça-Bossen von den Schultern fiel, erinnert sich indes Cetinkaya. "Es gab Umarmungen, es wurde Champagner ausgeschenkt", erzählt er. "Dann sind wir alle in ein Restaurant gefahren, Barça hat uns eingeladen. Wir haben den besten Wein getrunken und ein fantastisches Steak gegessen."

Frenkie de Jong BarcelonaGetty Images

Wie ernst es Barça mit dem De-Jong-Transfer war, belegt dann auch noch ein ziemlich kurioser Fakt. Denn was kaum einer weiß: Der heute 25-jährige niederländische Nationalspieler kam gewissermaßen als Teil eines Pakets, zu dem auch ein gewisser Mike van Beijnen gehörte.

Frenkie de Jong: Auch der Stiefsohn des Beraters wechselte zu Barça

Ein Name, der wahrscheinlich nur ganz hart gesottenen Barcelona-Fans etwas sagt. Ein Rechtsverteidiger, der in seiner Vita bis heute gerade einmal vier Einsätze in der Eredivisie stehen hat und der kein einziges Spiel für Barça absolvieren sollte. Dass in seinem 2019 unterschriebenen Zweijahresvertrag dennoch eine Ausstiegsklausel in Höhe von mehr als 100 Millionen Euro verankert wurde, verwundert da doch sehr.

Bei genauerem Hinsehen wird dann aber deutlich, was hinter alledem steckt: Van Beijnen ist nämlich der Stiefsohn von Ali Dursun, einem weiteren Berater de Jongs. Der hatte im Zuge des spektakulären Transfers auch für seinen Stiefsohn einen Barça-Vertrag ausgehandelt.

Im Kader der B-Mannschaft stand van Beijnen letztlich zumindest einige Male, selbst dort kam er in einem Pflichtspiel aber nie zum Einsatz. Er ging schon nach einem halben Jahr wieder und kehrte über Genclerbirligi in der Türkei in die Niederlande zurück, wo er vergangene Saison von Fortuna Sittard an den Zweitligisten Den Bosch verliehen war.

Ob de Jongs Zeit in Barcelona nun nach drei Jahren endet, ist weiterhin unklar. Klar ist jedoch, dass alle Parteien 2019 nicht davon ausgingen, dass die angedachte Traum-Ehe in eine unrühmlichen Transfersaga münden würde.