Wenn England bei der EM 2016 nicht gegen Island ausgeschieden wäre, würde Wahbi Khazri vielleicht noch in der Premier League spielen.
Das überraschende Aus der Three Lions beim Turnier in Frankreich löste allerdings eine Kettenreaktion aus, die dafür sorgte, dass der 27-Jährige bei Sunderland nicht mehr gerne gesehen war und am Ende in die Ligue 1 zurückkehrte, wo er vor seinem Wechsel auf die Insel bei Bordeaux geglänzt hatte.
Khazri, der in Ajaccio geboren wurde, in der Jugendabteilung von Bastia erstmals auf sich aufmerksam gemacht hatte und den korsischen Kampfgeist in sich trägt, biss sich nach dieser schweren Phase durch und glänzt nun wieder.
Unter Trainer Sam Allardyce war er in Sunderland noch einer der Stars, der mithalf, dass der Klub nach seinem Winterwechsel in der Saison 2015/16 nicht in die zweite Liga abstieg. Aber als 'Big Sam' den Posten als englischer Nationaltrainer nach der EM-Blamage von Roy Hodgson übernahm, ging es für Khazri unter den neuen Übungsleitern David Moyes und Simon Grayson immer weiter bergab.
In der vergangenen Saison wurde Khazri nach Rennes verliehen – und dort überzeugte er. Der 42-fache tunesische Nationalspieler steht nun für Saint-Etienne auf dem Rasen und klopft mit seinem Team an den internationalen Plätzen an.
Er ist dabei nicht mehr der Spielmacher, an den sich die Sunderland-Fans erinnern werden. Stattdessen läuft er nun als falsche Neun auf – ein Schachzug, der sich als gut für Saint-Etienne erwiesen hat, denn Khazri erzielte in 13 Liga-Spielen bereits sechs Treffer.

"Ich wusste, dass ich die Qualität habe und ich wusste, was ich hier leisten kann", sagte er den Journalisten nach dem 2:0-Heimsieg gegen Rennes und stellte damit sein immer noch vorhandenes Selbstbewusstsein heraus, das in der vergangenen Saison gewachsen war, als ihm mit neun Toren sein bisheriger Karrierebestwert gelang.
Khazri hatte zwar die Möglichkeit, bei Rennes zu bleiben und international zu spielen, doch er nahm den Rat seines Ex-Sunderland-Teamkollegen Yann M'Vila an und ging zu Saint-Etienne, wo er sich auf Anhieb mit Trainer Jean-Louis Gasset blendend verstand.
"Yann wollte, dass ich unbedingt komme", sagte Khazri But!. "Er hat mir tolle Sachen vom Klub erzählt, vom Kader und von den Leuten rund um das Team. Er hat mir gesagt, dass ich es nicht bereuen werde, wenn ich dort unterschreibe", fügte er hinzu.
"Es ist schön, wenn man richtig gewollt wird – und besonders, wenn der Trainer einen gut findet. Ich habe gute Dinge über ihn mitbekommen und das alles hat sich nach meinem Wechsel bestätigt. Er hat gute Arbeit geleistet – ganz egal, wo er war. Er kennt sich richtig gut aus", meinte Khazri über Gasset.
Es war allerdings nicht Gasset, der Khazri erstmals als Stürmer einsetzte, sondern Sabri Lamouchi in Rennes.
"Das Aufstellen auf der neuen Position als Angreifer hat mir gezeigt, dass er nur mein Bestes wollte", sagte Khazri RMC im Oktober.

Gasset musste dann nur noch auf der Basis aufbauen, die in der Bretagne gelegt wurde.
"Ich bin reifer geworden", gestand Khazri, dessen Einstellung während seiner Zeit in England öfter hinterfragt wurde. "Ich bin mit meinem Spiel viel effektiver und mache mehr mit", ergänzte er.
Die größere Konzentration passt nun auch viel besser zu seinen herausragenden technischen Fähigkeiten, die der Hauptgrund dafür waren, dass Gasset überhaupt an ihm interessiert war.
"Er ist bei Standards immer gut", erklärte der Trainer. "Er kann passen, er kann Tore machen und er kann Freistöße herausholen", meinte er.
Khazri bildet mit dem ehemaligen Newcastle-Spielmacher Remy Cabella nun ein besonders effektives Duo. Nach einem schwächeren Saisonstart, den der Stürmer mit seinen schweren Beinen nach der WM-Teilnahme begründete, hat die Offensive von Saint-Etienne ihren Rhythmus gefunden – und das liegt vor allem an Khazri und Cabella.
Das Team belegt aktuell den sechsten Tabellenplatz und ist damit im Rennen um die Europapokal-Plätze gut dabei. Das verdankt der Klub vor allem den Toren von Khazri, der sich mit seiner Rückkehr nach Frankreich quasi neu erfunden hat und nun glänzt.


