PORTRÄT
"Ich begann mich zu fragen, ob sich so viel Mühe lohnt", sagt Goncalo Trincao im Interview mit MaisFutebol. 100 Kilometer fuhr er seinen Sohn Francisco mehrmals pro Woche aus seiner Heimatstadt Viana do Castelo im Norden Portugals nach Porto zum Training. Und wieder zurück. 200 Kilometer im Auto - und wofür?
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Unglücklicherweise hielten sie beim FC Porto, zu dem Francisco Trincao mit neun Jahren von Heimatklub SC Vianense gewechselt war, nicht übermäßig viel. Zumindest nicht so viel, wie sich das sein Vater vielleicht erhofft hatte. "Wir sahen, dass er Fußball spielen kann, aber er stach nicht heraus", erinnert sich Humberto Costa, seinerzeit Trainer von Portos U10. "Er hatte technisch etwas drauf, zeigte Spielverständnis. Aber beim FC Porto haben das alle, er war einfach nur einer von Vielen und einige seiner Teamkollegen bewiesen damals größeres Potenzial."
Nicht einmal ein Jahr blieb der kleine Francisco in Porto, ehe sein Vater ihn abmeldete und er vorübergehend zu seinem Heimatklub zurückkehrte. Mittlerweile ist Trincao längst nicht mehr nur einer von Vielen. Bei der U19-EM in Finnland führte er Portugals Auswahl kürzlich zum Titel, erzielte fünf Tore, gab drei Assists und war gemeinsam mit Teamkollege Jota der überragende Spieler der Talenteschau.
Portugal-Talent Trincao: Überragender linker Fuß plus Torgefahr
Trincaos linker Fuß ist überragend, sein Abschluss messerscharf, seine Dribblings in höchstem Tempo eine Augenweide. Am liebsten kommt er über die Flügel, ist beweglich wie Riyad Mahrez, kann sich aber trotz auf den ersten Blick schlaksiger Statur auch in Kopfballduellen durchsetzen.
Trincao ist technisch herausragend, schnell und torgefährlich - eine Mischung, die schon vor Monaten etwa RB Leipzig hellhörig werden ließ. Und nach den spektakulären Leistungen bei der U19-EM, bei der er unter anderem beim 4:3-Sieg nach Verlängerung im Finale gegen Italien einmal selbst traf und ein Tor vorbereitete, soll sogar Juventus Turin seine Fühler nach dem 18-Jährigen ausstrecken.
Die Entscheidung seines Vaters, ihn nicht mehr ständig nach Porto zu fahren, erwies sich indes als goldrichtig. Denn nach der Enttäuschung dort kannte Trincaos Entwicklung fortan nur noch eine Richtung: steil nach oben.
Mit elf Jahren kam Trincao in die Akademie von Sporting Braga. Dort, nur halb so weit von Zuhause entfernt wie Porto, fand er den idealen Ort, um besser zu werden. "Von der U15 bei Braga an habe ich ihn immer weiter verfolgt", sagt Humberto Costa, der ihn einst in Portos U10 trainierte. "Und seit der U15 hat er einen gewaltigen Sprung gemacht. Ich war nicht überrascht von seinen Leistungen bei der U19-EM."
Trincao spielte bisher nur für Braga B
Insgesamt hat Trincao bisher 16-mal für Portugals U19 gespielt, dabei elf Treffer erzielt. Bei Braga debütierte er im April 2016 schon mit 16 für die B-Mannschaft in der zweiten portugiesischen Liga, auf einen Einsatz im ersten Team wartet er allerdings noch. Obwohl er vor allem gegen Ende der vergangenen Saison überzeugte, in den letzten fünf Spielen auf zwei Tore und drei Assists für Braga B kam.
Spätestens bei der U19-EM hat Trincao nun aber einer breiten Öffentlichkeit und vor allem den Scouts aller großen Klubs gezeigt, wie viel er drauf hat. Und ob er nun zu Juve geht - bis Ende August wäre er noch für eine Ausstiegsklausel in Höhe von 15 Millionen Euro zu haben - oder noch nicht: Die zu große Distanz zu seinem neuen Klub wird heute vermutlich kein Problem mehr sein.




