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FC Bayern - Flicks Jugend-forscht-Projekt gegen Union Berlin: Extra-Lob für Stanisic, Nianzou bei Comeback im Pech

10:00 MESZ 11.04.21
GFX FC Bayern Youngster Dantas Stanisic Nianzou Scott
Gegen Union Berlin dürfen sich etliche Bayern-Youngster beweisen. Goal und SPOX geben einen Überblick, wie sich die Talente geschlagen haben.

HINTERGRUND

Bayern-Trainer Hansi Flick hatte im Vorfeld des Bundesliga-Spiels gegen Union Berlin mit personellem Aderlass zu kämpfen, gleich mehrere Stützen standen dem Coach nicht zur Verfügung.

Da bereits am Dienstag das wichtige Viertelfinal-Rückspiel in der Champions League gegen Paris Saint-Germain ansteht, versuchte Flick, die meisten seiner noch verbliebenen Stammspieler außerdem zu schonen.

Das Resultat der Rotation: Mit Josip Stanisic, Tiago Dantas, Christopher Scott und Tanguy Nianzou erhielten gleich vier Akteure ihre Chance, die – anders als beispielsweise Torschütze und Top-Talent Jamal Musiala – bis dato hintendran oder ausschließlich in der FCB-Zweitvertretung zum Einsatz gekommen waren.

Wie haben sie sich geschlagen?

Josip Stanisic

Erst vor wenigen Tagen feierte Josip Stanisic seinen 21. Geburtstag, am Samstagnachmittag profitierte er von der Verletzungswelle, die den deutschen Rekordmeister jüngst überrollt hatte. Die angespannte Personallage bei den Bayern verschaffte dem Youngster seinen ersten Einsatz für die Bundesliga-Mannschaft.

Stanisic, der viele Jahre in der Jugend von 1860 München ausgebildet wurde und später für anderthalb Spielzeiten beim SC Fürstenfeldbruck anheuerte, wurde 2017 vom FC Bayern zurück in die Landeshauptstadt gelotst. Normalerweise läuft der Deutsch-Kroate für die FCB-Zweitvertretung auf, beackert vornehmlich die rechte Defensivseite beim amtierenden Drittligameister, einige Einsätze als Innenverteidiger stehen ebenfalls zu Buche.

Bei seinem Debüt ins Deutschlands Beletage bekleidete Stanisic die Linksverteidigerposition, da die etatmäßigen Linksverteidiger Alphonso Davies (Rotsperre) und Lucas Hernandez (Probleme mit der Bauchmuskulatur) zum Zusehen gezwungen waren.

Der Bundesliga-Neuling löste seine Aufgabe gegen Berlins Marius Bülter über weite Strecken sehr ordentlich, schätzte im ersten Durchgang lediglich eine Hereingabe von Keita Endo falsch ein, sodass sein Dauerkontrahent in aussichtsreicher Lage zum Kopfball kam (23.). Ansonsten behielt Stanisic in seinen zahlreichen Luftduellen (7, Top-Wert bei Bayern) überwiegend die Hoheit (71,4 Prozent), mit einer Gesamt-Zweikampfquote von 70 Prozent verbuchte er den zweitbesten Wert aller Münchner, nur Jerome Boateng kam bis zu seiner Auswechslung auf eine noch bessere Quote (80 Prozent).

Im Offensivspiel zeigte sich Stanisic hingegen eher verhalten. Seine Ausflüge in die Tiefen der gegnerischen Hälfte hielten sich in Grenzen, vertikale, risikoreiche Pässe waren nicht zu beobachten. Stattdessen beschränkte er sich auf Sicherheit (Passquote 91,5 Prozent), nahm Manuel Neuer ein ums andere Mal mit oder suchte seinen Nebenmann Javi Martinez.

Obwohl er beim späten Ausgleich durch Marcus Ingvartsen einen ganz kleinen Schritt zu spät kam, erhielt der Debütant ein Sonderlob von seinem Trainer: "Stani hat für mich auch ein sehr gutes Spiel gemacht", sagte Flick auf der anschließenden Pressekonferenz. "Er war sehr ballsicher, selbstbewusst und hat vor allem im Kopfballspiel gezeigt, was er kann."

Tatsächlich ein gelungener Einstand und ein solides Empfehlungsschreiben für weitere Einsätze.

Tiago Dantas

"Hansi Flick mag Tiago sehr, aber nicht nur er hat sich für den Transfer stark gemacht", sagte ein Sprecher der portugiesischen Berateragentur Sportsbloom, die Tiago Dantas betreut, im Gespräch mit Goal und SPOX Anfang des Jahres. Er ergänzte: "Es war der gemeinschaftliche Wunsch des FC Bayern, den Spieler zu verpflichten."

Grund für die Nachfrage und die anschließende Rechtfertigung waren Medienberichte, wonach Dantas am vereinseigenen Campus kritisch gesehen werde und in München keine langfristige Zukunft habe. Flick selbst hatte emotional auf derlei Berichte reagiert, seinem Wunschspieler attestiert, dass dieser beim Training stets engagiert bei der Sache sei, sein "Bestes" gebe.

Trotz des Lobes reichte es für den jungen Portugiesen bislang offensichtlich nicht, nur einen Kurzeinsatz beim 5:1 gegen den 1. FC Köln gewährte Flick dem Mittelfeldmann. Gegen die Eisernen durfte Dantas erstmals von Beginn an für die Profis ran, der 20-Jährige sollte den verletzten Leon Goretzka neben Joshua Kimmich ersetzen.

66 Minuten lang bemühte sich Dantas, seiner Aufgabe als Zentrumsspieler gerecht zu werden. Er rannte, bot sich an, zeichnete für die eine oder andere Ecke verantwortlich, wollte Akzente setzen. Einmal sorgte der U-Nationalspieler für Aufsehen, als er einen sehenswerten Schnittstellenpass auf den durchgestarteten Eric Maxim Choupo-Moting spielte, der jedoch nicht an Union-Keeper Andreas Luthe vorbeikam (17.).

Darüber hinaus fiel Dantas aber nicht weiter auf, das Spiel lief weitestgehend an dem kleinen Edeltechniker vorbei, nach Choupo-Moting (18) und dem zur Pause ausgewechselten Kingsley Coman (22) kam er auf die wenigsten Ballaktionen aufseiten der Hausherren (32). Immerhin: Obgleich die physischen Unzulänglichkeiten durchaus zutage traten, entschied Dantas die Hälfte seiner direkten Duelle für sich.

Flick hatte im Großen und Ganzen ein ordentliches Startelf-Debüt gesehen. Dantas habe seine Sache "gut gemacht" und sei "immer anspielbar und sehr präsent" gewesen. Allerdings muss der schmächtige 1,70-Meter-Mann unbedingt an seiner Athletik feilen.

Christopher Scott

Christopher Scott war im Januar 2020 aus der U19 von Bayer Leverkusen an die Isar gewechselt. Seither ging es für den gebürtigen Sachsen stetig bergauf. Zunächst in der A-Jugend eingesetzt, erzielte Scott in der Rückrunde der vergangenen Saison in 15 Spielen neun Tore, im November zog Bayern-II-Trainer Holger Seitz ihn in den Drittligakader hoch.

Der 18-jährige Offensivallrounder kommt in der laufenden Saison für die Amateure auf 19 Partien, wobei er zwei Tore sowie fünf Vorlagen beisteuerte. Die Leistungen des Rohdiamanten sind Flick selbstverständlich nicht entgangen. Bereits für das Spitzenspiel gegen RB Leipzig berief er Scott in sein Team, vor dem Viertelfinal-Hinspiel gegen PSG erklärte er: "Er hat gut Speed, ist am Ball gut und hat seine Sache im Training sehr gut gemacht."

Weil er für die Königsklasse nicht gemeldet ist, war Scott gegen den französischen Primus keine Option, für das Duell mit Union kehrte er aber wieder zurück ins Team. "Weil wir für die Offensive Alternativen brauchen", begründete Flick seine Entscheidung, Scott abermals zu berücksichtigen. Anders als noch vor einer Woche in Leipzig, schnupperte Scott am Samstag erstmals Bundesligaluft.

24 Minuten wirkte er mit, war vor allem an vorderster Front zu finden, nachdem Choupo-Moting sechs Minuten zuvor das Spielfeld verlassen hatte. Das Gezeigte großartig zu bewerten, wäre gleichermaßen schwierig wie ungerecht. Scott war in der erfahrenen und gut gestaffelten Hintermannschaft Unions in guten Händen, zählte am Ende bloß sieben Ballaktionen.  

Flick hatte indes besonders gefallen, wie engagiert sich der Newcomer im Spiel nach hinten präsentierte. "Man darf auch Scotty nicht vergessen, der reingekommen ist und gezeigt hat, dass er Tempo hat und gegen den Ball mitarbeitet."

Tanguy Nianzou

21 Minuten lautete vor der Partie zwischen Bayern und Union die magere Bundesliga-Bilanz von Tanguy Nianzou, der mit reichlich Vorschusslorbeeren im Sommer aus Paris nach München gewechselt war.

Dass eine derart mäßige Spielminuten-Ausbeute erfasst wurde, liegt daran, dass Nianzou mit Blick auf langwierige Verletzungen eine echte Seuchensaison erlebt. Den Saisonstart verpasste er aufgrund einer hartnäckigen Oberschenkelverletzung, nach seinem ersten Bundesliga-Auftritt in Stuttgart zog er sich einen Muskelbündelriss zu, der ihn drei weitere Monate außer Gefecht setzte.

Sprich: Der verheißungsvolle Neuzugang konnte die Fans noch nicht von seinem Talent überzeugen, Flick und Salihamidzic waren sich in Nianzous Fall aber überraschenderweise einmal einig, lobten die spielerische und physische Reife des 18-Jährigen. Sein Kurzauftritt gegen Union stand jedoch etwas sinnbildlich für den bisherigen Saisonverlauf.

Neun Minuten nach seiner Einwechslung sah er wegen eines Foulspiels an Grischa Prömel sofort die Gelbe Karte, nur zwei Minuten später enteilte ihm Robert Andrich nach einem – zugegebenermaßen – strittigen Einwurf und leitete mit einem Sprint bis zur Grundlinie und einem Pass in den Rückraum das 1:1 ein.

Einen allzu großen Vorwurf konnte man Nianzou dabei eigentlich noch nicht einmal machen, Nianzou als Hauptschuldigen auszumachen, wäre vermessen. Besagte Szene passte aber zu seinen ersten Monaten beim FC Bayern. Nianzou bleibt vorerst der FCB-Pechvogel der laufenden Spielzeit, es wäre ihm zu wünschen, dass er künftig verletzungsfrei bleibt und häufiger die Möglichkeit erhält, seine zweifellos vorhandenen Qualitäten zu präsentieren.