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FC Bayern: Fragezeichen hinter Coman und Gnabry – Alphonso Davies bringt sich in Stellung

08:17 MESZ 01.08.19
Alphonso Davies FC Bayern
Kingsley Coman und Serge Gnabry haben nach dem Audi Cup mit Blessuren zu kämpfen. Davon könnte Alphonso Davies im Hinblick auf Samstag profitieren.

HINTERGRUND

Und plötzlich hielten die Besucher in der Allianz Arena an diesem Mittwochabend kollektiv den Atem an. Einige von ihnen sind gebrandmarkt, wissen aus Erfahrung ganz genau, welche Auswirkung ein sich mit schmerzverzerrtem Gesicht windender Kingsley Coman haben kann. In bitterer Regelmäßigkeit folgte in den vergangenen Jahren auf ebenjene Szenerie das allseits bekannte Handzeichen für Auswechslung seitens der Teamärzte und anschließend eine monatelange Abstinenz des Franzosen.

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Gerade einmal zwei Minuten nach seiner Einwechslung wurde Coman auf dem linken Flügel von Tottenham-Rechtsverteidiger Juan Foyth zunächst gelegt und im Zuge dessen mit einem unabsichtlichen Tritt aufs Knie bedacht.

Eine Aktion, die dem Flügelflitzer des FC Bayern einen unerwartet kurzen, einen unverhofft schmerzhaften Arbeitstag bescherte. Nach der Begegnung mit den Spurs, die der deutsche Rekordmeister im Elfmeterschießen verlor, wollte Dr. Müller-Wohlfahrt logischerweise noch keine Einschätzung abgeben, verwies stattdessen auf weitere Untersuchungen, die im Laufe des Donnerstags folgen.

Trainer Niko Kovac hoffte indes, dass "es nicht so schlimm ist und dass Coman in den nächsten Tagen wieder dabei ist". Er habe einen Schlag abbekommen, so etwas sei "immer schmerzhaft". Ob der 23-Jährige rechtzeitig zum Supercup am kommenden Samstag bei Borussia Dortmund wieder an Bord ist, steht bislang nicht fest.

Bayern-Einzelkritik gegen Tottenham: Davies glänzt, Pavard fällt ab

Ebenso wenig wie bei Comans Pendant Serge Gnabry, der schon einen Tag zuvor gegen Fenerbahce aufgrund von Oberschenkelproblemen vorzeitig und außerplanmäßig ersetzt werden musste. Der deutsche Nationalspieler habe Kovac zufolge "im vorderen Oberschenkel einen Strang, der etwas fest geworden ist". Gleich zwei Fragezeichen auf den Außenbahnen also.

"Vielleicht schaffen es beide bis Samstag", erklärte Teamkollege Thomas Müller am Mittwoch in der Mixed Zone. Er schob nach: "Kingsley hat einen Schlag abbekommen, bei Serge ist die Verletzung auch nicht schwerwiegend, soweit ich weiß. Die nächsten beiden Tage werden zeigen, ob es klappt. Ansonsten werden wir andere Lösungen finden."

Thomas Müller über Alphonso Davies: "Das war nicht schlecht"

Eine mögliche Alternative hatte der 29-Jährige dabei schon im Hinterkopf. "Alphonso Davies. Wie der den da heute mit rechts eingeschweißt hat, das war nicht schlecht", sagte Müller im Hinblick auf den sehenswerten Treffer des Kanadiers zum 2:2, der die Kugel – wohlgemerkt – mit seinem schwachen Fuß aus rund 20 Metern unhaltbar in die Maschen geschlenzt hatte.

Tatsächlich hatte der 18-Jährige, der im vergangenen Winter von den Vancouver Whitecaps an die Isar gewechselt war, sich gegen den englischen Champions-League-Finalisten der Vorsaison nicht bloß wegen seines Tores empfohlen. Zunächst als Ersatz für David Alaba auf der linken Abwehrseite aufgeboten, wirkte Davies in der Defensive bisweilen zwar etwas unwirsch und ließ Spurs-Angreifer Erik Lamela einmal folgenschwer aus den Augen, deutete jedoch seine Qualitäten im Spiel nach vorne immer wieder an.

Während der Vorbereitung hatte Kovac den Youngster immer mal wieder als Linksverteidiger aufgeboten, auch im Bundesliga-Spiel gegen Mainz 05 sammelte Davies erste Erfahrungen auf dieser Position. Zuletzt wurde berichtet, dass Davies auf lange Sicht sogar vornehmlich als Back-up für Alaba infrage komme. Und das, obwohl der 13-malige Nationalspieler eigentlich weiter vorne beheimatet ist.

Alphonso Davies: Als Linksaußen gegen Tottenham effektiv

Seine gelernte Rolle, nämlich die als klassischer Linksaußen, nahm Davies über weite Strecken des zweiten Durchgangs ein, bereitete kurz nach seinem Wechsel auf die Stammposition mit einem herrlichen Direktpass in die Schnittstelle den zwischenzeitlichen Anschlusstreffer der Münchner durch Jann-Fiete Arp vor. Es war spürbar, dass er sich derzeit noch etwas wohler fühlt, wenn er einen erfahrenen Mann wie Alaba in seinem Rücken weiß.

Insgesamt verbuchte Davies von allen Bayern-Spielern die meisten Ballaktionen (97), was sicherlich auch der Tatsache geschuldet war, dass er einer von lediglich drei Akteuren aufseiten der Münchner war, die über die volle Distanz ran durften. Zudem entschied der sprintstarke, robuste Dauerläufer 77 Prozent seiner direkten Duelle für sich und brachte nahezu 80 Prozent seiner Pässe in des Gegners Hälfte an den Mitspieler. Ansprechende Zahlen, trotz vermeintlichem Sommerkick.

Niko Kovac voll des Lobes für Alphonso Davies

"Man sieht, welche Fähigkeiten er besitzt. Nicht nur die Schnelligkeit, sondern auch seine technischen Fähigkeiten", schwärmte Kovac im Rahmen der US-Tour von seinem Juwel und führte nach dem Test gegen den AC Mailand vor einer Woche bezüglich der präferierten Davies-Position aus: "Er kann auf beiden Positionen spielen. Sowohl als Außenverteidiger als auch Linksaußen. Wir benutzen die Vorbereitungsspiele, um das zu sehen. Unser Kader ist im Moment überschaubar. Deswegen hat er in der ersten Halbzeit hinten links und in der zweiten Halbzeit vorne links gespielt. Wir versuchen, zu eruieren, wo und in welche Situation wir ihn bringen können."

Nun könnte Davies bereits am Samstag der Nutznießer von dem angesprochenen überschaubaren Kader sein. Da nach dem Abgang der beiden Altstars Arjen Robben und Franck Ribery nach wie vor keine adäquaten Neuzugänge für die Flügel vorgestellt wurden und die beiden etatmäßigen Außenbahnspieler Coman und Gnabry gegen Dortmund ausfallen könnten, wäre Bayerns Top-Talent die beinahe schon logische Option. Es wäre die erste wirkliche Reifeprüfung.