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Debüt mit 13 Jahren: Wer ist Bayerns Torhüterin Cecilía Rán Rúnarsdottir?

11:58 MESZ 25.09.22
Cecilia Ran Runarsdottir NXGN GFX
Cecilía Rán Rúnarsdottir ist erst 19, hat beim FC Bayern aber schon einen Vierjahresvertrag unterschrieben. Wer ist das Ausnahmetalent?

Cecilía Rán Rúnarsdottir feierte mit 13 Jahren ihr Debüt im Erwachsenenbereich. Fünf Jahre später wurde sie die jüngste Torhüterin Islands, dazu hat sie bei einem der größten Vereine der Welt unterschrieben, dem FC Bayern München. Nun steht sie vor ihrer ersten vollen Saison in einer der besten Ligen der Welt: der Frauen-Bundesliga in Deutschland.

Als Stammtorhüterin sollte die 19-Jährige Island bei ihrem ersten großen Turnier, der Frauen-Europameisterschaft in England 2022, vertreten. Jedoch setzte sie kurzfristig in gebrochener Finger außer Gefecht. Sie bekam dennoch die Gelegenheit, das Team zu begleiten und konnte so sie diese besondere Atmosphäre der EM aufsaugen.

Ihr erster Torwarttrainer Thorsteinn Magnusson, Rúnarsdottirs hat mit GOAL und SPOX über das Ausnahmetalent gesprochen. Dabei gibt es nur eine brennende Frage: Wie kann eine Torhüterin in einem so jungen Alter so viel erreichen? Seine Antwort ist einfach. "Das ist eine Frage des Charakters."

Rúnarsdottir: Erst war es Zufall, dann Ehrgeiz

Dass Rúnarsdottir überhaupt zur Torhüterin wurde, war ein purer Zufall. Im Alter von zehn Jahren, als sie bereits ein paar Jahre Fußball spielte, suchte ihre Mannschaft bei einem Turnier eine Torhüterin - es wurde Rúnarsdottir. In einer Torwartschule des isländischen Verbands entdeckte Magnusson sie zwei Jahre später.

"Da war etwas Besonderes", erinnert er sich an diesen Tag zurück. Magnusson nahm sie unter seine Fittiche. Von da an dauerte es nur ein Jahr, bis sie in der zweiten isländischen Liga bei den Erwachsenen spielte, und das mit gerade mal 13 Jahren.

"Damals war es für mich ganz natürlich, denn ich wollte immer spielen. Ich wollte immer mehr, und natürlich hatte ich in Thorsteinn einen großartigen Torwarttrainer, der mir sehr geholfen hat", sagt Rúnarsdottir gegenüber GOAL und SPOX.

"Wenn man zurückblickt, ist man so dankbar für die Möglichkeiten, die die Trainer einem gegeben haben. In dem Moment realisiert man das gar nicht - weil man immer spielen will - aber es ist verrückt, eine 13-Jährige ins Tor zu stellen."

Rúnarsdottir: Über Schweden und Everton zum FC Bayern

Doch Rúnarsdottir trainierte auch einfach sehr hart. Sie betont: "Die Leute um mich herum wussten, dass ich es verdient habe. Sie wussten, dass ich gut genug war. Für sie war es nicht so überraschend, aber ich denke, wenn man sich das Spiel anschaut, muss es schon überraschend sein, eine 13-jährige, wirklich große Torhüterin im Tor zu sehen."

"Man muss bedenken, wie sie trainiert wurde", fügt Magnusson hinzu. Er erklärt, wie es ihr gelang, sich so jung durchzusetzen. "Sie wurde nach dem Motto trainiert: 'Was ist deine Rolle als Torhüterin? Es ist egal, mit wem du spielst oder gegen wen du spielst. Du hast immer diese Rolle.'" Rúnarsdottir verinnerlichte dieses Motto, fokussierte sich nur auf ihre Rolle und damit auf ihr Torwartspiel. Und das sollte sich auszahlen.

Nachdem sie bei Afturelding in Island den Durchbruch geschafft hatte, unterschrieb sie bei Fylkir in der ersten Liga. Schon nach ihrer ersten Saison wurde sie erstmals in die A-Nationalmannschaft berufen und gab einige Monate später ihr Debüt.

Im Alter von 16 Jahren, sieben Monaten und sieben Tagen wurde sie die jüngste Torhüterin ihres Landes und übertraf dabei den bisherigen Rekord um 148 Tage. In ihrer zweiten Saison wurde sie zur Nachwuchsspielerin des Jahres in der höchsten isländischen Spielklasse gewählt - und zog bald die Aufmerksamkeit des Auslands auf sich.

Sie wechselte nach Schweden, in eine der besten Ligen der Welt, was die Entwicklung junger Talente angeht. Dann ging es für sie nach England in die FA Womens Super League zum FC Everton. In diesem Sommer wechselte sie nach einer Leihe fest zum Bayern München.

Rúnarsdottirs knallhartes Training: "Gab nie eine Ausrede''

Auf die Frage, ob sie jemals an die Stars denkt, mit denen sie beim FC Bayern spielt, gibt Rúnarsdottir eine Antwort, die Magnussons Worte widerspiegelt. "Als ich das erste Mal in die Umkleidekabine kam, erkannte ich all diese Gesichter und Namen", sagt sie. "Aber sobald man auf dem Spielfeld steht, denkt man nicht mehr daran."

Selbstverständlich hatte ihr Erfolg nicht nur etwas mit ihrer mentalen Stärke und Bescheidenheit zu tun, sondern auch mit ihrer Arbeitsmoral. "Wir haben sechs Tage in der Woche trainiert", erinnert sich Magnusson an ihre erste Zusammenarbeit. "Es war ein bisschen hart für sie - das Mädchen ist gerade einmal 13 Jahre alt -, aber sie hat nie aufgegeben."

Rúnasdottir passte sich stets schnell an das Trainingsniveau an und wurde immer besser. "Nach etwa zwei oder drei Wochen musste ich den Trainingsplan ändern, weil sie sich wirklich gut geschlagen hat", erzählte Magnusson: "Sie besitzt einen großen Charakter und ist eine wirklich clevere, intelligente Person."

Er erinnert sich, dass die Teenagerin jeden Tag "400 bis 500 Bälle" schoss, um ihre Torschüsse zu verbessern. Er erinnert sich an die Gewichtsweste, in der sie "vier Jahre lang viermal pro Woche" trainierte, um die "unglaubliche" Sprungkraft zu erlangen, die sie heute hat. "Sechsmal pro Woche, vier Jahre lang, egal ob es schneite oder regnete, wir gingen immer raus", fügt er hinzu. "Sie hatte nie eine Ausrede, um nicht zu trainieren.''

FC Bayern: Rúnarsdottir steht erst am Anfang

Zu Beginn der Zusammenarbeit von Magnusson und Rúnarsdottir hielten sie gemeinsam einige Ziele schriftlich fest. Ein Ziel davon war, es in sechs bis acht Jahren in die A-Nationalmannschaft zu schaffen. "Und wir waren ein paar Jahre zu früh dran", lacht Magnusson.

Darauf ist Rúnarsdottir bisher am stolzesten. "Bayern München ist eine der besten Mannschaften der Welt, und man sieht einfach: 'Okay, das ist das Niveau. Das ist das, was du anstrebst", erklärt sie. Die 19-Jährige kann sich alles vorstellen, aber ihre derzeitigen Ziele sind simpel: Zunächst möchte sie Island helfen, sich zum ersten Mal für die Frauen-Weltmeisterschaft zu qualifizieren.

Und sonst? "Ich will immer besser werden, 100 Prozent geben, meinen Teamkolleginnen helfen und ein guter Mensch sein", betont sie. Mit dieser Einstellung und Bescheidenheit, einer Gewinner-Mentalität, einer unermüdlichen Arbeitsmoral und ihrer Disziplin ist es kein Wunder, dass dieser talentierte Teenager bereits einiges erreicht hat - und trotzdem erst am Anfang steht.