2018-12-30 Todibo ToulouseGetty Images

FC Barcelona schnappt sich Jean-Clair Todibo: Das ist das französische Wunderkind


HINTERGRUND

Jean-Clair Todibo, Innenverteidiger beim FC Toulouse, wird ab der kommenden Saison für den FC Barcelona auflaufen. Die Blaugrana bestätigten den Deal am Dienstagnachmittag offiziell. Aufgrund der Tatsache, dass sein Vertrag am Ende der laufenden Spielzeit endet, zahlen die Katalanen keine Ablöse für das 19-jährige französische Juwel.

Ein Werdegang, von dem Millionen Jugendliche rund um den Globus träumen – und der in Todibos Fall ganz besonders anmutet, als stamme er aus einem Märchen. Denn: Todibos Karriere hing bereits am seidenen Faden, als er im Alter von neun Jahren einen folgenschweren Unfall verkraften musste.   

Todibo, dem neben einem herausragenden Fußball-Talent auch eine große Begabung im Judo-Sport in die Wiege gelegt wurde, erblickte in Cayenne, der Hauptstadt des französischen Überseedepartements Französisch-Guyana, das Licht der Welt. Seine Jugend verbrachte er im Dunstkreis von Paris, spielte beim Vorstadtklub Les Lilas in Saint-Denis – und war Mitglied im Judoverein. Da der verheißungsvolle Junge nicht gleichzeitig beide Sportarten leistungsbezogen ausüben konnte, musste er sich für eine entscheiden.

Jean-Clair Todibo: "Es war ein großer Unfall"

"Es war der 24. Mai, ich war damals neun Jahre", erklärte Todibo jüngst in einem Interview mit La Depeche und ergänzte: "Ich habe das Haus verlassen, um zum Judo-Training zu fahren, überquerte die Straße und wurde von einem Auto erfasst. Es war ein großer Unfall." Ein Unfall, der ihn über ein Jahr lang außer Gefecht setzen sollte.

"Ich hatte schlimme Verletzungen, die von den Beinen bis zu den Knöcheln reichten. Zudem hatte ich mehrere Brüche", erklärte Todibo weiter. Auch sein damaliger Les-Lilas-Trainer Dylan Greneche erinnert sich an die schlimmen Blessuren seines Schützlings. "Wir waren uns nicht sicher, ob er jemals wieder Fußball spielen würde", sagte er und schob nach: "Er ist ein junger Spieler, der immer hartnäckig und bissig war. Das hat er schon als kleiner Junge bewiesen."

Einen zu hohen Wert möchte Todibo dem Unglück allerdings nicht mehr beimessen: "Die Narben habe ich bis heute, aber das ist eine alte Geschichte", gab sich der Youngster kämpferisch. Eine Attitüde, die er laut Greneche schon immer an den Tag gelegt hat. Todibos Ex-Coach verriet: "Ich erinnere mich an ein Spiel. Es war das letzte der Saison und ein Unentschieden hat beiden Teams gereicht, um aufzusteigen. Die Partie endete 1:1 und ich fand Jean-Clair weinend auf dem Rasen, er war richtig wütend. Obwohl wir aufstiegen, reichte ihm dieses Remis nicht, er wollte unbedingt gewinnen."

Jean-Clair Todibo ToulouseGetty Images

Zu dieser Zeit spielte Todibo, der mittlerweile als Innenverteidiger eingesetzt wird, noch im zentralen Mittelfeld. Auch als er 2016 in die U19 von Toulouse wechselte, bekleidete er die Position des Regisseurs. Sein Mitspieler aus jenen Tagen, Kilian Corredor, verglich ihn gegenüber LesViolets.com mit einem Großen der Zunft: "Er hat viel geredet auf dem Platz, er war ein bisschen wie der Paul Pogba des TFC."

In der A-Jugend des Ligue-1-Klubs machte sich Todibo schnell einen Namen, lief bereits nach einer Saison für die zweite Mannschaft auf und durfte im Anschluss, sprich im Sommer vergangenen Jahres, die Vorbereitung bei den Profis absolvieren, bei denen er Trainer Alain Casanova prompt ins Auge stach. Er sah in dem Emporkömmling den perfekten Ersatzmann für den zu West Ham United abgewanderten Issa Diop.

Toulouse versuchte alles, um Todibo zu halten

Gleich zu Beginn der aktuellen Spielzeit erkämpfte sich Todibo einen Stammplatz, kam zehn Ligaspiele in Folge über die volle Distanz zum Zuge. Seit Anfang November tauchte der Rohdiamant allerdings nicht mehr auf dem Spielbogen auf. Aus einem simplen Grund, wie Toulouse-Boss Jean-Francois Soucasse enthüllte: "Der Verein befand sich wochenlang mit dem Spieler und seinem Beraterstab in Gesprächen bezüglich eines Profivertrages. Ihm wurde ein Gehalt angeboten, das noch keinem Spieler angeboten wurde. Es war um ein Vielfaches höher als damals bei Diop und Alban Lafont (Torhüter, den es im Sommer zum AC Florenz zog, Anm. d. Red.), um nur zwei Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit zu nennen."

Jetzt steht fest: Todibo hat sich gegen ein neues Arbeitspapier bei Toulouse entschieden, wagt den frühen Schritt zu einem absoluten europäischen Schwergewicht. Ob er bei Barca gleich eine Rolle spielen wird, ist selbstredend ungewiss. Dass er jedoch in der Lage ist, sich durchzubeißen, hat er in seinem noch jungen Leben bereits mehrfach bewiesen.

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