Cesc Fabregas ist Familienmensch durch und durch. Er genießt gerne bewusst, kostet die Zeit mit seinen Liebsten, mit Frau Daniella und den seit wenigen Tagen nun drei kleinen Kindern voll aus. Und, das kommt auch mit der Art, wie er Fußball spielt, rüber: Er analysiert gerne ganz genau, überlässt nichts dem Zufall.
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So schaut er, bevor er sich einem neuen Verein anschließt, immer genau hin: Welche Spieler hat der Klub? Was sind die taktischen Vorgaben? Wie passe ich ins System? Fragen, die er sich detailliert selbst beantwortet, wie Fabregas einst dem Telegraph verriet. "Ich dachte, dass es ein guter Wechsel für mich sei, nachdem ich alle Spieler der Mannschaft aufgeschrieben hatte", erklärte er Anfang 2015 seinen Transfer vom FC Barcelona zum FC Chelsea im Sommer 2014.
Bei den Blues lief es zunächst reibungslos. In seiner ersten Saison holte Fabregas mit Chelsea unter Jose Mourinho den Meistertitel, glänzte mit 18 Assists in 34 Premier-League-Einsätzen. Der Spanier war Fixpunkt des Teams, das die Insel dominierte, agierte entweder als Zehner oder Achter. Im Sommer 2015 war in London alles eitel Sonnenschein für Fabregas.
Seitdem hagelte es aber Enttäuschung um Enttäuschung. Statt Titelkampf hieß es in der zweiten Spielzeit bei den Blues plötzlich Mittelmaß, mitunter sogar Abstiegskampf. Der amtierende Meister stürzte ab, Mourinho musste gehen, Fabregas war außer Form, wurde von den Fans als einer der Hauptschuldigen für das Aus ihres geliebten Special One ausgemacht.
Härtefall unter Conte
Vielleicht auch deswegen fehlte dem 29-Jährigen die Lobby, als ihn Neu-Coach Antonio Conte in der laufenden Spielzeit aus der Stammelf nahm. Nemanja Matic und N'Golo Kante waren im Mittelfeldzentrum gesetzt, für den in der Defensivarbeit oft zu ineffektiven Fabregas nur noch selten Platz. Und weil es plötzlich wieder lief, die Blues seit Saisonbeginn auf Titelkurs sind, gab es eigentlich auch gar keinen Anlass, Fabregas zu vermissen.
"Fabregas ist das Hauptopfer der taktischen Entscheidungen des neuen Trainers", erklärte Goals Chelsea-Korrespondent Nizaar Kinsella im November. Conte habe es konsequent bevorzugt, "mit Nemanja Matic und N'Golo Kante auf defensive Absicherung und Stabilität zu setzen – die beiden treten im Spiel gegen den Ball einfach disziplinierter auf als Fabregas."
Es ist dem erfolgsverwöhnten Spanier hoch anzurechnen, dass er während jener Monate nie jammerte. An den ersten sieben Premier-League-Spieltagen stand er nur einmal in der Startelf. Ausgerechnet beim Derby bei Arsenal, das mit 0:3 komplett in die Hose ging. Dass Conte danach taktisch umstellte, verbesserte Fabregas' Situation nicht. Im Gegenteil.
Dennoch blieb Fabregas demütig, versuchte, die Chancen, die er bekam, zu nutzen. Im EFL-Cup gegen Leicester Ende September etwa, als ihm zwei Treffer gelangen. "Hoffentlich wird das einige Journalisten, einige Tageszeitung zum Schweigen bringen. Ganz einfach die, die immer nur Müll reden. Das Wichtigste ist, Chelsea gewinnt", betonte er nach der Partie, fügte an: "Ich werde zeigen, was ich kann, weil ich weiß, was ich für das Team tun kann – und das ist eine Menge!"
Fabregas, das Genie am Ball
Er hielt Wort, ergriff im Winter trotz einiger Angebote nicht die Flucht, wollte sich durchbeißen. Und inzwischen trägt das Durchhaltevermögen Früchte. Bei den letzten sechs Liga-Matches stand Fabregas viermal in Contes Startelf, erhielt mehrfach den Vorzug vor Matic. Der Trainer scheint mittlerweile stärker darauf zu vertrauen, dass Fabregas neben Kante auch defensiv einen guten Job macht, sich mit dem Franzosen abstimmt. Dass er seine Schnelligkeitsnachteile kaschiert - und dass er das, was er so gut kann, geniale Pässe spielen, den Ball verteilen, auf engstem Raum Lösungen finden, auch auf dem Rasen umsetzt.
"Wenn Cesc die 100 Meter nicht in zehn Sekunden läuft, ist das okay. Denn er ist ein Genie am Ball", sagte Conte im Februar. "Er hat die Geschwindigkeit im Kopf. Cesc ist anders", erklärte der Italiener. Und sagte damit indirekt: Fabregas ist in der entscheidenden Phase der Saison, in der es für die Blues darum geht, die Meisterschaft sicherzustellen, ein wichtiger Faktor für das Team.
Ob er das auch über den Sommer hinaus bleibt? Bis 2019 hat Fabregas noch Vertrag. Wenn er sich das aktuelle Spieler-Reservoir Chelseas anschaut, wenn er analysiert, wie Conte spielen lässt, muss er trotz jüngsten Aufschwungs auch in Erwägung ziehen, möglicherweise einen neuen Schritt zu wagen.
Atletico Madrid wurde zuletzt als potenzieller neuer Arbeitgeber gehandelt. Stift und Papier dürfte Fabregas jedenfalls schon bereitgelegt haben.




