Am Dienstag erfuhr der kometenhafte Aufstieg von Marcus Rashford einen neuen Höhepunkt. Der 18-Jährige, der Ende Februar in seinen beiden allerersten Profi-Einsätzen für Manchester United jeweils einen Doppelpack schnürte, hat es tatsächlich in Englands endgültigen 23-Mann-Kader für die EM in Frankreich geschafft.
Überraschend, da die Three Lions im Angriff eigentlich erstklassig besetzt sind. Und doch: absolut verdient! Denn was Rashford in den vergangenen Monaten für United leistete, ist nicht nur wegen seiner jungen Jahre beeindruckend.
Acht Treffer hat er in 18 Pflichtspielen für Uniteds Profis erzielt, spielte im Sturmzentrum unbekümmert auf, zeigte neben Torjägerqualitäten auch viele spielstarke Momente. In der Jugend war er lange eher Spielmacher als Mittelstürmer, hat vielleicht auch deshalb eine extrem ausgereifte fußballerische Veranlagung.
Er ist sowohl Brandherd im Strafraum als auch Kombinationsspieler auf hohem Niveau, ist schnell, setzt seinen schlaksig wirkenden Körper gekonnt ein. Roy Hodgson hat also gute Gründe, Rashford mit nach Frankreich zu nehmen.
Das nächste Debüt-Spektakel
Mit Erfolg warf er den Teenager zuletzt beim 2:1 im Test gegen Australien ins kalte Wasser, verhalf ihm zu seiner Länderspiel-Premiere. Rashford stand in der Startelf, spielte eine gute Stunde lang - und traf bereits in der 3. Minute zur Führung. Das nächste Debüt, das er auf spektakuläre Art und Weise bestritt.
"Ich bin zufrieden mit ihm", lobte Hodgson hinterher. Überrascht habe ihn aber nicht, dass Rashford auftrumpfte. "Ich hatte keine Bedenken, ihn spielen zu lassen", betonte der Coach. Die englische Presse war sich indes nach dem Auftritt gegen Australien sicher, dass ihr neuer Wonderboy ein EM-Ticket erhält. Und wurde bestätigt.
Vor allem Rashfords Zusammenspiel mit Raheem Sterling imponierte Hodgson. "Sie haben nicht viel Erfahrung mit diesem System, aber sie waren beide sehr lebendig", attestierte er. Rashford lief im englischen 4-3-3 zunächst als einzige Spitze auf, rückte später auf die Außenbahn.

Auch dort, auf den Flügeln, ist er eine Option, Schnelligkeit und enge Ballführung befähigen ihn auch für diese Positionen. Und möglicherweise hat er auf den Außen auch die größeren Chancen auf Einsatzzeit bei der Endrunde in Frankreich.
Im Angriffszentrum hinten dran
Denn im Angriffszentrum hat England mit Wayne Rooney, Harry Kane, Jamie Vardy und Daniel Sturridge gleich vier klangvolle Namen zur Verfügung, die in der Hierarchie allesamt über Rashford stehen. Dass jener wohl nicht über die Rolle als "Super-Sub" hinaus kommen wird, scheint klar.
Doch vielleicht ist eben jene genau die Rolle, in der Rashford glänzen kann. Er hat inzwischen mehrfach bewiesen, dass ihm lange Anlaufzeiten fremd sind, dass er sich neuen Anforderungen blitzschnell anpassen kann. Also genau die Anlagen hat, die ein Super-Joker braucht. Im Mutterland darf man jedenfalls auf einen EM-Shootingstar hoffen.
