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Eintracht Frankfurt: Lucas Torros harter Weg zurück in die Normalität

10:55 MESZ 12.07.19
Lucas Torro Marset Marseille Eintracht Frankfurt UEFA Europa League 20092018
Lucas Torro wurde von einem Schicksalsschlag und einer Verletzung zurückgeworfen. Nun will er bei Eintracht Frankfurt wieder angreifen.

HINTERGRUND

4. Oktober 2018. Gerade wird das Europa-League-Gruppenspiel zwischen Eintracht Frankfurt und Lazio Rom abgepfiffen, da sackt Lucas Torro zum Entsetzen seiner Mitspieler mit Tränen in den Augen auf dem Boden des Waldstadions zusammen. Es sind keine Tränen der Freude, auch wenn die Hessen mit dem 4:1 gegen die favorisierten Italiener ein Fußballfest par excellence gefeiert haben. Es sind Tränen der Trauer.

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Was zu diesem Zeitpunkt nur der Trainerstab der Eintracht weiß: Lucas Torro, 24, weint um seinen älteren Bruder Pablo. Am Vormittag erst hatte er erfahren, dass Pablo in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag verstorben war. Im Schlaf. Mit gerade einmal 28 Jahren.

Adi Hütter, der Coach der Frankfurter, wollte seinen Neuzugang nach diesem unerwarteten Schicksalsschlag eigentlich nicht spielen lassen. Doch Torro wollte spielen. Für seinen Bruder. Und er spielte großartig. So traurig jener Tag aus privater Sicht für ihn war, so erfolgreich war er aus beruflicher. Und wer weiß, vielleicht hätte es der Anfang seines Durchbruchs bei seinem neuen Arbeitgeber werden können, wäre er nicht wenige Tage später außer Gefecht gesetzt worden.

Schicksalsschlag hängt Lucas Torro nach

Eine Schambeinentzündung zwang Torro zum Zusehen. Er musste sich an den Adduktoren operieren lassen, verpasste insgesamt 26 Spiele. Die Eintracht bekam das über weite Strecken nicht so sehr zu spüren, weil Routinier Gelson Fernandes auf der Sechserposition zu Hochform auflief. Erst am Saisonende, als sich die Strapazen der zahlreichen Reisen durch Europa bemerkbar machten, fehlte den Hessen ein Defensivstabilisator mit technischer Versiertheit wie Torro.

Zwar trainierte er seit März schon wieder mit, die lange Pause war aber nicht spurlos an ihm vorbeigegangen. Mehr als ein paar Kurzeinsätze waren bis zum Saisonende nicht mehr drin. Torro zeigte immer wieder ordentliche Ansätze. Ansätze, die ihn positiv stimmen, in der neuen wieder an frühere Leistungen wie im vergangenen Oktober gegen Lazio anzuknüpfen.

"Sehr harte erste Saison": Lucas Torro will sich zeigen

"Es war eine sehr harte erste Saison für mich. Zwischen Deutschland und Spanien liegt ein drastischer Unterschied, mit den privaten Vorkommnissen und der langen Verletzungspause wurde es noch schwieriger für mich. Zum Glück haben mich der Verein und die Fans unterstützt", bilanzierte Torro bereits vor seinem Sommerurlaub im Gespräch mit Goal und SPOX. Dass er nur selten mit seinen Mitspielern trainieren konnte, habe ihm die Eingewöhnung "zusätzlich erschwert". Aber "jetzt", so Torro, "richte ich meinen Blick nach vorne". Er werde in der neuen Saison "stärker sein als je zuvor".

In Frankfurt versprechen sie sich viel von dem 1,90 Meter großen Rechtsfuß. Torro stammt aus der Nähe von Alicante, einer Küstenstadt an der Costa Blanca. Seine ersten Schritte als Fußballer machte er in den Jugendakademien der ansässigen Vereine Hercules und Alcoyano. Sein Talent blieb auch den größeren Vereinen auf der iberischen Halbinsel nicht verborgen, als 18-Jähriger wechselte er in die Hauptstadt zu Real Madrid. Bei den Königlichen spielte er unter den Fittichen von Zinedine Zidane in der zweiten Mannschaft, schaffte aber nie den Sprung zu den Profis.

Eintracht Frankfurt: Große Konkurrenz im Mittelfeld

Erst bei Real Oviedo und CA Osasuna, die ihn von den Madrilenen ausgeliehen hatten, entwickelte sich Torro zu einem gestandenen Mittelfeldakteur. In der Saison 2017/18 bestritt er 39 Pflichtspiele und sammelte sechs Scorerpunkte, woraufhin die Frankfurter aktiv wurden und ihn gegen eine Ablösesumme von 1,75 Millionen Euro als Nachfolger für den zu Schalke 04 abgewanderten Omar Mascarell an den Main lotsten.

Sportvorstand Fredi Bobic stellte Torro als "aufregenden Spieler mit enorm viel Potenzial" vor. Der frühere U19-Nationalspieler will das ihn gesteckte Vertrauen nun zurückzahlen und hinterlässt im Trainingslager in der Schweiz einen guten Eindruck. Die Konkurrenz im Team von Hütter ist allerdings groß, die SGE hat auf seiner Position mit den Verpflichtungen von Dominik Kohr und Djibril Sow im großen Stil nachgerüstet, zumal Sebastian Rode nach seiner Leihe auch noch fest von Borussia Dortmund in den Stadtwald kommen könnte.

Ein Vorteil für Torro: Rekordzugang Sow fällt aufgrund eines Sehnenanrisses im rechten hinteren Oberschenkel bis zu zehn Wochen aus. Freude darüber wird er wohl nicht verspüren. Torro weiß, wie bitter es ist, zusehen zu müssen. "Ich arbeite dafür, in der neuen Saison so viele Spiele wie möglich zu machen und auf mein bestes Level kommen", stellte er im Gespräch mit Goal und SPOX klar. "Gesundheit ist das Wichtigste."