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Oranje-Neuling Donyell Malen: Von Henry und Bergkamp geformt, mit Raiolas Maximen nach oben

13:00 MESZ 06.09.19
Donyell Malen PSV 07232019
Über Ajax und Arsenal landete Donyell Malen bei der PSV Eindhoven. Auch dank der Maximen von Mino Raiola winkt ihm nun ein Debüt in der Elftal.

HINTERGRUND

"Dream big, sacrifice, believe in it" – den Moment, in dem Mino Raiola diese Worte in einem Amsterdamer Cafe auf einen herumliegenden Bierdeckel schreibt, wird Donyell Malen niemals vergessen. Der talentierte Nachwuchsspieler ist damals "etwa 14 oder 15 Jahre alt", wie er sich im Gespräch mit dem Algemeen Dagblad erinnert. Es ist seine erste Begegnung mit dem weltberühmten Agenten, der sich kurz danach auch um seine Vertragsangelegenheiten kümmern wird.

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Nicht nur die imposante Erscheinung des Berater-Gurus beeindruckt den Teenager an diesem Tag, auch die Zielstrebigkeit und Vita eines Mannes, der schon Spieler wie Zlatan Ibrahimovic oder Paul Pogba zu Weltstars gemacht hat, imponiert. Auch deswegen werden sich Raiolas Maximen "dream big, sacrifice, believe in it" (deutsch: "Habe große Träume, opfere dich auf und glaube dran") für immer ins Gedächtnis des Offensivspielers brennen und ihm in seiner Karriere als Mantra dienen.

Wie Millionen andere träumt der kleine Donyell schon als kleines Kind von der großen Karriere. Das niederländische Fußballdrama "In Oranje", bei dem ein Junge es trotz zahlreicher Widerstände in die Jugendnationalmannschaft schafft, wird für ihn zu einer Droge. "Ich habe ihn bestimmt siebenmal gesehen", sagt er heute. Der große Traum, eines Tages selbst für Oranje aufzulaufen, ist spätestens nach diesem Film auch bei Malen geboren.

Dream big: Donyell Malens Traum von der großen Karriere

Inspiriert von seinem großen Idol Ronaldinho, entwickelt er schnell eine brennende Leidenschaft für den Fußball. "Ich habe früher jedes Spiel von Ronaldinho gesehen – egal, ob von Brasilien oder Barcelona. Mein Zimmer war voll von ihm und ich habe all seine Tricks nachgemacht", verrät er kürzlich dem AD.

Im Alter von sieben Jahren gelingt es dem Sohn einer Niederländerin und eines Surinamers, einen ersten Schritt Richtung Profikarriere zu gehen, als er in die Jugendakademie von Ajax Amsterdam wechselt. Beim 34-fachen niederländischen Meister weiß er sofort zu überzeugen und entwickelt sich zu einem klassischen Torjäger. Unter seinem damaligen Trainer Dennis Bergkamp agiert er zumeist als Mittelstürmer und erzielt Tore wie am Fließband. Mit Malen und späteren Stars wie Justin Kluivert und Matthijs de Ligt räumt der 1999er-Jahrgang der Amsterdamer alles ab.

Malen selbst fühlt sich bei Ajax aber nur als einer von vielen. Obwohl er seit der U15 alle Nationalteams der Niederlande durchläuft und damals von Top-Klubs aus der Premier League umworben wird, hat er im Alter von 16 Jahren nicht das Gefühl, kurzfristig Chancen auf Spielpraxis bei den Profis zu bekommen.

Sacrifice: Wechsel von Ajax zum FC Arsenal nach London

Anfang 2015 treffen er und sein Berater sich mit Arsenals Trainerlegende Arsene Wenger zum Mittagessen und kurz danach steht für Malen fast, dass er das Angebot der Gunners annehmen wird. Trotz der Umstände, die Heimat verlassen zu müssen und fernab der Familie in einer neuen Kultur zu leben, überwiegt die Perspektive, die ihm Arsenal aufzeigte. Anders als in Amsterdam soll er in London künftig regelmäßig mit den Profis trainieren und in der U23 zu Einsätzen kommen. Vielleicht auch zurückerinnert an Raiolas Maxime, Opfer für die Karriere bringen zu müssen, unterschreibt er bei den Gunners einen bis 2018 datierten Vertrag.

Unter dem damaligen U23-Trainer Thierry Henry knüpft Malen nahtlos an seine guten Leistungen aus Amsterdam an - von Anpassungsproblemen keine Spur. Vom französischen Weltmeister aufgrund seiner enormen Schnelligkeit und Dribbelstärke inzwischen als Flügelspieler eingesetzt, erzielt er in seinen ersten zwei Jahren bei Arsenal 44 Treffer für U18 und U23 und weiß damit auch Wenger zu überzeugen.

Wenig überraschend nimmt der Coach ihn deshalb 2017 mit auf die Pre-Season-Tour nach Asien. "Donyell macht sich sehr gut", sagt der dreimalige Meistercoach der Gunners damals und auch sein Berater Raiola gerät in einem Interview mit der Daily Mail ins Schwärmen: "Donnarumma ist mit 17 schon in der Nationalmannschaft, Moise Kean macht sich bei Juventus sehr gut, aber am meisten freue ich mich auf einen Spieler, der bereits bei einem Premier-League-Klub unter Vertrag steht: Donyell Malen vom FC Arsenal."

Donyell Malen: Beim FC Arsenal gelobt und nach Eindhoven verkauft

Einige Wochen später steht jedoch fest, dass sich ein mögliches Premier-League-Debüt auf unbestimmte Zeit verschieben wird. Statt weiter für Arsenals U23 zu spielen, wechselt er am Deadline Day im August 2017 überraschend zurück in die Niederlande. Für eine Ablöse in Höhe von 600.000 Euro unterschreibt er bei der PSV Eindhoven.

"Es lief gut in England, doch ich wollte Arsenal verlassen, weil ich die Chance hatte, bei PSV zu unterschreiben. Diese Möglichkeit konnte ich mir nicht entgehen lassen", erklärt er den Schritt und wehrt sich gleichzeitig gegen Meldungen, er sei in London aussortiert worden: "Das ist nicht wahr. Ich hatte noch ein Jahr Vertrag und Arsenal wollte sogar verlängern."

Nach einigen Monaten bei Jong PSV in der 2. Liga fasst er im Schlussspurt der Meistersaison 2017/18 auch in der ersten Mannschaft Fuß. Seit seinem Eredivisie-Debüt im Februar 2018 ist er fester Bestandteil des Kaders, kurz danach schon eine Art Edeljoker für Trainer Mark van Bommel. In fast jedem Spiel bringt er Malen von der Bank. In der Hinrunde 18/19 kommt er als Flügelspieler auf je vier Tore und vier Assists und absolviert alle 17 Partien, obwohl er nur einmal in der Startelf steht.

Believe in it: Nominierung für die niederländische Nationalmannschaft

Unverzichtbar für PSV wird er allerdings erst, als van Bommel ihn wieder als klassischen Mittelstürmer aufbietet. In den letzten vier Saisonspielen 18/19 startet er jeweils auf der Neun und sammelt dabei vier Scorerpunkte. Vergleiche mit Ex-PSV-Star Memphis Depay häuften sich. "Donyell kann alle drei Positionen in der Offensive spiele", sagt sein Coach über ihn. "Er hat ein gutes Gespür für die Tiefe, kann aber auch den Ball halten und ist super schnell."

Und weil van Bommel langfristig mit Malen im Zentrum plant, gab er ihm im Sommer dieses Jahres symbolisch auch die Rückennummer neun, die nach dem Abgang von Torschützenkönig Luuk de Jong (wechselte zum FC Sevilla) freigeworden war. Mit diesem Vertrauen, als erste Offensiv-Option in die neue Spielzeit zu gehen, kommt er in den ersten elf Pflichtspielen auf vier Tore und vier Assists.

Für den ehrgeizigen 20-Jährigen zwar ein Anfang, aber längst nicht genug: "20 Tore in der Liga sind zwar keine Pflicht, aber ich denke, dass ich diese Marke mit meinen Qualitäten erreichen sollte", sagte er vor wenigen Wochen in einem Interview mit Fox Sports.

Weil auch Nationaltrainer Ronald Koeman von eben diesen Torjägerqualitäten Malens überzeugt ist, nominierte er ihn für die anstehenden EM-Qualifikationsspiele gegen Deutschland und Estland. Dass er im Prestigeduell gegen den DFB tatsächlich auf sein Elftal-Debüt hoffen darf, hat er auch drei Maximen zu verdanken, die Mino Raiola einst auf einen Bierdeckel kritzelte: Dream big, sacrifice, believe in it.