Liverpool-Neuzugang Dominic Solanke: Der harte Arbeiter unter den Torjägern

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Seine Gehaltsforderungen waren Chelsea zu hoch. Darum sicherte sich Liverpool den Angreifer mit dem großen Willen und dem ausgeprägten Torinstinkt.

HINTERGRUND

Als der FC Liverpool Ende Mai die Verpflichtung eines neuen Offensivspielers verkündete, war die Vorfreude der Fans groß. Ein Mann von internationaler Klasse müsse es sein, ein dicker Fisch. Einer wie Lyons Alexandre Lacazette oder Shootingstar Kylian Mbappe, um die sich ganz Europa bemüht. Vielleicht auch Arsenal-Flitzer Alex Oxlade-Chamberlain, der zuletzt häufig mit Liverpool in Verbindung gebracht wurde.

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Doch weit gefehlt, es wurde letztlich ein 19-Jähriger. Wenig Profi-Erfahrung, erst recht nicht in der Premier League. Aber mit einem ungeheurem Torinstinkt ausgestattet. Sein Name? Dominic Solanke.

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Mit dem FC Chelsea konnte er sich nicht auf einen neuen Vertrag einigen, darum entschloss er sich nun für einen Tapetenwechsel. Die Blues setzten offenbar nicht alles daran, ihr Eigengewächs zu halten, Gehaltsvorstellungen gingen auseinander. Dabei schrieb Solanke erst kürzlich, am 11. Juni, mit der U20-Nationalmannschaft Englands Geschichte.

In einem spannenden Finale sicherten sich die jungen Three Lions zum ersten Mal den Titel bei der U20-Weltmeisterschaft. Und Solanke? Er war der Spieler des Turniers. Vor ihm gewannen Größen wie Lionel Messi, Paul Pogba oder Sergio Agüero diesen Titel.

In deren Fußstapfen trat nun er. Mit seinen vier Toren während des Turniers hat sich der Angreifer diesen Titel redlich verdient. Ein Torinstinkt, der in der berühmten Chelsea-Jugend früh erkannt wurde.

Goals Chelsea-Experte Nizaar Kinsella hat Solanke, der 2014/15 bei den Londonern zum Nachwuchsspieler des Jahres gewählt wurde, bereits länger im Blick und weiß genau um dessen Qualitäten: "Er ist ein vielseitiger Offensivspieler, der sich nicht zu schade ist, auch in der Defensive auszuhelfen. Er ist schnell, physisch stark, technisch begabt und möglicherweise das größte Talent Englands in seiner Altersklasse.“

Ein großes Kompliment für Solanke. Denn immerhin befinden sich in seiner Altersklasse Spieler wie Tammy Abraham, Ademola Lookman, Josh Onomah, Lewis Cook oder Dominic Calvert-Lewin, die ebenfalls über enormes Potenzial verfügen. Doch von äußeren Einflüssen ließ sich Dom, wie ihn seine Freunde nennen, noch nie beeindrucken. Stattdessen machte er das, was er am besten kann: Tore schießen.

Solanke, der Vollblut-Stürmer

In der Saison 2014/15 brachte es der robuste Angreifer, der auch die Qualitäten eines Spielmachers mitbringt, auf 41 Tore für den Nachwuchs der Blues. "Ich hatte das Glück, dass ich mit vielen talentierten Spielern arbeiten durfte, aber Dominic ist an der Spitze der Liste. Er ist ein außergewöhnlicher Fußballer“, meinte sein ehemaliger Jugendtrainer Adrian Viveash bei Sky Sports. "Er ist intelligent und bewegt sich großartig. Ich möchte nicht respektlos erscheinen, aber er erinnert mich an Teddy Sheringham, nur schneller.“

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Diese Qualitäten fielen auch dem damaligen Chelsea-Trainer Jose Mourinho auf. The Special One ließ den seinerzeit erst 17-Jährigen mit den Profis mittrainieren, Solanke traf auf sein Idol Didier Drogba, debütierte im Oktober 2014 für die erste Mannschaft der Blues. Gegen Maribor durfte er in der Champions League ran, wurde zum jüngsten Chelsea-Spieler in der Geschichte der Königklasse.

 

idol @didierdrogba.

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"Glaubt mir, es ist das erste von vielen Spielen im Trikot von Chelsea“, betonte damals Kapitän John Terry. Doch damit lag er falsch. Es war Solankes erster und letzter Auftritt für die Profis von der Stamford Bridge.

In der kommenden Saison folgte eine Leihe nach Holland, zu Chelseas Partnerklub Vitesse Arnheim. Dort machte Solanke den nächsten Schritt. Acht Torbeteiligungen gelangen dem jungen Engländer in der Eredivisie, dabei erzielte er von seinen sieben Toren die meisten als Einwechselspieler.

Keine Chance auf Einsätze

Nach seiner Rückkehr zu Chelsea musste er sich jedoch wieder hinten anstellen. In der zweiten Mannschaft der Blues sammelte er vergangene Saison weiter Spielpraxis – doch für die Profis reichte es nicht.

Kinsella erklärt die Gründe für den Abschied des vielseitigen Angreifers: "Er hatte Probleme sich mit Chelsea über einen neuen Vertrag zu einigen. Er wollte einen ähnlichen Vertrag wie Ruben Loftus-Cheek, den er aber nicht bekam. Chelsea wollte ihn nicht erneut verleihen, wenn er keinen neuen Vertrag unterschreibt.“

Daher verlässt er die Blues nun nicht auf Leihbasis, sondern endgültig, Liverpool muss lediglich eine Ausbildungsentschädigung in Höhe von circa 3,4 Millionen Euro zahlen. Ein wahres Schnäppchen für einen Mann, der seine Qualitäten mehrfach unter Beweis gestellt hat. In Liverpool trifft er unter anderem auf seinen Kollegen aus den Nachwuchsteams der Three Lions, Sheyi  Ojo.

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"Ich habe mit Dom in allen Altersgruppen gespielt, seit wir 17 waren. Er arbeitet hart für das Team und wenn du jemanden brauchst, der die Tore macht, dann ist Dom dein Typ“, schwärmt der 19-jährige Mittelfeldspieler im Gespräch mit dem Mirror von dem Neuzugang.

Bei den Reds erwarten Solanke jedoch ähnliche Herausforderungen wie bei seinem Ex-Klub. Die Konkurrenz im Angriff ist stark: Roberto Firmino, Divock Origi und Daniel Sturridge zeigten bereits in der Vergangenheit, über welche Qualität sie verfügen. Letzterer steht aber wohl vor einem Abgang vom ehemaligen Rekordmeister Englands.

Trotz der begnadeten Konkurrenz kann sich Solanke Hoffnungen machen, denn Jürgen Klopp ist dafür bekannt, dass er gerne auf junge Talente setzt und diese auch ins kalte Wasser wirft. In der vergangenen Saison setzte der ehemalige Dortmund-Trainer in den Pokal-Wettbewerben häufig auf talentierte Jugendspieler. Auch in der Liga kamen Spieler wie Trent Alexander-Arnold häufig zu Einsätzen.

Auch Solanke dürften derartige Chancen winken. Dass er ein entschlossener Typ ist, verdeutlichte er im Vorfeld des Finalspiels bei der U20-Weltmeisterschaft: "Es ist unsere Zeit. Unser Wille treibt uns an. Wir wissen, auch wenn wir im Rückstand sind, dass wir noch zurückkommen können.”

Eine Mentalität, die den Fans der Reds gefallen dürfte, ist  die Stadt  doch bekannt für seine harten Arbeiter und der Verein für seine Jeder-für-Jeden-Mentalität. Genau diese Einstellung verkörpert Solanke mit seiner Art Fußball zu spielen und hat damit in punkto Identifikation womöglich einigen Top-Stars, wie Lacazette oder Oxlade-Chamberlain, etwas voraus. 

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