HINTERGRUND
"Selbst heute noch", erzählte Diego Perotti vor einigen Monaten im Interview mit der offiziellen Webseite der AS Rom begeistert, "schaue ich Clips von ihm auf YouTube, wenn ich mal nicht schlafen kann. Und am Ende lande ich immer dabei, mir ganze Spiele von ihm reinzuziehen und die Moves, die er so oft gezeigt hat."
Perotti, seines Zeichens fünfmaliger argentinischer Nationalspieler und seit Anfang Oktober in Diensten des türkischen Topklubs Fenerbahce, spricht von seinem großen Idol aus Jugendzeiten: Juan Roman Riquelme, eine Legende in Buenos Aires, eine Legende bei Boca Juniors. "Als ich selbst mit zwölf oder 13 Jahren zu Boca kam, hatte er gerade seinen Durchbruch in der ersten Mannschaft. Ich habe mich auf Anhieb in ihn verliebt und immer versucht, seine Aktionen nachzuahmen", sagt der heute 32-jährige Flügelspieler.
Riquelme sei für ihn "neben den Superstars, die wir heute haben, der Beste aller 'normalen Spieler'", erklärt Perotti. Umso trauriger muss er gewesen sein, als es für ihn im Nachwuchs von Boca, dem Klub, den sein Vorbild so prägte, irgendwann nicht mehr weiter ging.
Diego Perotti: Zwei harte Jahre bei Boca
Perotti wuchs in Moreno auf, einem Vorort von Argentiniens Hauptstadt Buenos Aires. Er spielte Basketball, ging oft Schwimmen, Fußball war jedoch stets die Nummer eins. Zumal auch sein Vater Hugo einst Profi war, sogar für Boca spielte. "Ich verspürte deshalb auch Druck, weil viele damals dachten, ich sei nur zu Boca gekommen, weil mein Vater dort gespielt hat", sagt Perotti.
Dass er in den Jugendteams des argentinischen Traditionsvereins kaum spielte, verstärkte diesen Eindruck nur noch zusätzlich. "Wenn ich zuvor mit meinen Freunden gespielt hatte, dachte ich, ich sei unglaublich gut. Aber als ich dann bei Boca im Probetraining war, erkannte ich, dass ich gegen Jungs gespielt hatte, die kaum den Ball kontrollieren konnten. Bei Boca waren so viele Spieler besser als ich - vor allem körperlich, weil ich so klein war."
depophotosBild: depophotosNur zwei Jahre blieb er bei Boca, dann wurde er nicht mehr übernommen und musste gehen. Perotti musste sich neu orientieren, schloss sich dem Nachwuchs des Drittligisten Deportivo Moron an und erhielt dort schon mit 17 einen Profivertrag. "Ich dachte dennoch nie, dass ich irgendwann im Ausland spielen würde, schon gar nicht in der Serie A", betont er.
Diego Perotti: Über Umwege doch zum Profi in Europa
Doch Moron sollte sich für Perotti als Sprungbrett nach Europa erweisen. 2007, mit 19, wechselte er in die B-Mannschaft des FC Sevilla. "Ich war mir nicht sicher, ob ich für dieses Level bereit war. Aber nach gut einem Jahr, mit 21, kam ich in die erste Mannschaft und machte bis Saisonende fast jedes Spiel. Es war wie ein Traum."
Durch seine starken Leistungen bei Sevilla wurde Perotti im November 2009 sogar Nationalspieler, debütierte unter dem damaligen Trainer Diego Maradona gegen Spanien. Nach zwei sehr guten Jahren in Sevilla verlor er aber auch wegen Verletzungspech seinen Stammplatz, kehrte im Frühjahr 2014 dann sogar mal für ein paar Monate zu Boca zurück.
Über Genua kam er 2016 zur Roma, wo er viereinhalb gute Jahre hatte. Und nun, mit einem extremen Schatz an Erfahrungen auf Top-Niveau und immer noch großartigen Qualitäten im Dribbling, will er mit Fenerbahce in der türkischen Süper Lig für Furore sorgen, hat beim Topklub aus Istanbul bis Sommer 2022 unterschrieben. Aufgrund einer Oberschenkelverletzung kam er bis dato noch nicht zum Einsatz, könnte im November aber sein Debüt feiern.


