Die Schweiz und das Elfmeterschießen: Ein wahres Dilemma

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Die Schweiz scheitert wie bereits bei der WM 2006 im Elfmeterschießen und verpasst das Viertelfinale. Kapitän Granit Xhaka wird zur tragischen Figur.

Der Frust entlud sich direkt nach Schlusspfiff. Als die Polen nach dem entscheidenden Elfmeter von Grzegorz Krychowiak vor der Kurve der Schweizer Fans provozierend ihren Viertelfinaleinzug bejubelten, kam es zu Rudelbildungen zwischen beiden Teams. Doch nach dem Austauschen von ein paar Nettigkeiten beruhigten sich die Gemüter auch schnell wieder - und so blieb beim Team von Vladimir Petkovic letztlich nur noch die pure Enttäuschung.

Ausgerechnet Kapitän und Anführer Granit Xhaka war letztlich mit seinem verschossenen Elfmeter verantwortlich für das Aus der Alpenrepublik. Viele Anhänger fühlten sich an die WM 2006 in Deutschland zurück erinnert. Damals scheiterte man ebenfalls im Elferschießen des Achtelfinals äußert kläglich an der Ukraine, als alle drei Schweizer Schützen verballerten.

Und dabei hatten sich die Schweizer vor ihrem allerersten EM-Achtelfinale in der Geschichte des Landes so viel vorgenommen. "Wir haben Blut geleckt. Wir gewöhnen uns langsam an den Platz an der Sonne. Aber wir haben unsere Füße weiter auf dem Boden", sagte der Trainer vor der Partie.

Beide Teams ungeschlagen

Beide Teams hatten in der Gruppenphase gehörig Selbstbewusstsein getankt. Die Schweizer wurden hinter Gastgeber Frankreich ungeschlagen Zweiter in der Gruppe A und hatten der Equipe Tricolore immerhin ein Remis abgetrotzt. Auch die Polen blieben ohne Niederlage und waren nur dank der schlechteren Tordifferenz am Ende hinter der DFB-Elf. 

Die Partie in Saint-Etienne begann mit einer Schrecksekunde für die Schweizer. Johan Djourou hätte mit einem verunglückten Rückpass fast für die polnische Führung gesorgt, doch der Ex-Leverkusener Arkadiusz Milik traf aus 20 Metern das leere Tor nicht. In der Folge wirkte die Nati geschockt, bedingt durch viele Fehlpässe fand die Elf um Kapitän Lichtsteiner in den ersten 20 Minuten überhaupt nicht in die Partie.

Mit dem frühen Pressing der Polen hatten sie anscheinend nicht gerechnet. Die Offensive um Kapitän Robert Lewandowski übte in der Anfangsphase großen Druck auf die gegnerische Viererkette aus und provozierte somit regelrecht die Fehler der Schweizer Hintermannschaft.

Doch Mitte der ersten Halbzeit steigerte sich die Petkovic-Elf und konnte sich so langsam vom polnischen Druck befreien. Sie kamen nun ihrerseits zu Abschlüssen, doch Rodriguez und Dzemaili ließen ihre Zielstrebigkeit vor dem Tor vermissen. Die Polen zogen sich nun ein wenig zurück, blieben mit ihren Kontern aber stets gefährlich.

Konter sorgt für Führung

Genau einer dieser schnellen Gegenangriffe sorgte schließlich für die polnische Führung. Blaszczykowski schob die Kugel nach einem klasse Pass von Grosicki dem Schweizer Torwart Yann Sommer durch die Hosenträger hindurch ins Netz. In der zweiten Halbzeit wirkte die Schweiz dann wie ausgewechselt. Angeführt vom starken Xherdan Shaqiri rollte Angriff um Angriff aus das Tor der Polen zu. Nur der mangelhaften Chancenverwertung war es zu verdanken, dass die Führung standhielt.

Doch in der 82. Minute fiel dann der hochverdiente Ausgleich. Shaqiri traf per Seitfallzieher wunderschön aus 20 Metern flach ins linke Eck und sorgte für kollektives Ausrasten im Schweizer Fan Block. Die Polen wirkten im Anschluss platt und konnten sich kaum mehr aus der eigenen Hälfte befreien. 

Auch in der Verlängerung war die Petkovic-Elf das aktivere und bessere Team. Derdiyok scheiterte mit seinem Kopfball aus fünf Metern am glänzend reagierenden Fabianski, doch letztlich schafften es die Osteuropäer, sich ins Elfmeterschießen zu retten. Vom Punkt zeigten sich die Polen eiskalt und verwandelten alle fünf Elfmeter, während Xhaka auf Seiten der Schweizer zur tragischen Figur avancierte.

"Das ist unglaublich bitter. Wir hätten es verdient gehabt", sagte der sichtlich enttäuschte Torhüter Yann Sommer nach der Partie. Auch Torschütze Shaqiri war bedient: "Die Enttäuschung ist riesig. Wir haben alles gegeben, hatten die besseren Chancen und spielten besser als die Polen."

Letztlich scheiterte die Schweiz vor allem an der eigenen Chancenverwertung. Über 100 Minuten war die Nati das präsentere und aktivere Team. Die Polen dürfen sich bei Blaszczykowski und vor allem bei Torhüter Lukasz Fabianski bedanken, der seine Mannschaft mehrmals vor einem Rückstand bewahrte. 

Das Team von Trainer Adam Nawalka trifft nun im Viertelfinale auf den Sieger der Partie Kroatien gegen Portugal. Doch egal wie der Gegner heißen wird, es ist eine gewaltige Leistungssteigerung von Nöten, um unter die letzten Vier einzuziehen. 

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