Deutschland Werner Stindl GoretzkaGetty Images

Deutschland besiegt Mexiko beim Confed Cup: Stark angefangen, stark nachgelassen, tapfer durchgebissen


HINTERGRUND

Die deutsche Nationalmannschaft kann weiter das schaffen, was zuvor nur Frankreich und Brasilien gelang: als amtierender Weltmeister auch den Confederations Cup gewinnen. Die DFB-Elf besiegte im Halbfinale Mexiko mit 4:1 und zeigte ihrem Trainer Joachim Löw die ganze Palette an Eindrücken, die es auch in den ersten drei Turnierspielen zu sehen gegeben hatte: starke Kombinationen, gute Abschlüsse und viel Variabilität, aber auch Passivität und eine wackelige Defensive.

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Die Phrase von der Mannschaft, die so zuvor noch nie zusammenspielte und so vermutlich auch nie wieder auflaufen wird, sie durfte auch diesmal bemüht werden. Joachim Löw wählte ein 3-5-2 und schenkte unter anderem Bayer Leverkusens Youngster Benjamin Henrichs auf der rechten Außenbahn das Vertrauen. Nach nicht einmal zehn stürmischen Minuten sah es bereits aus, als hätte der Bundestrainer alles richtig gemacht.

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Leon Goretzka besorgte mit zwei traumwandlerisch sicheren Abschlüssen – unter anderem im Anschluss an eine Henrichs-Vorlage - nach stark vorgetragenen Angriffen eine komfortable 2:0-Führung und das schon zu einem ganz frühen Zeitpunkt des Spiels. Für den umworbenen Schalker waren es die Turniertreffer zwei und drei, er schob sich damit an die Spitze der Torschützenliste.

Timo Werner vergibt die Chance zur ganz frühen Vorentscheidung

"Es war ganz wichtig, wie wir reinkommen, denn das ist uns in den anderen Spielen teilweise nicht so gut gelungen", sagte Goretzka später über den starken Auftakt. Deutschland dominierte in dieser Phase gegen überrumpelt wirkende Mexikaner, spielte schnörkellos und zügig in die Spitze und hätte beinahe durch Timo Werner auf 3:0 erhöht, aber der junge Leipziger scheiterte im Eins-gegen-Eins an Guillermo Ochoa (19.).

Diese vergebene Möglichkeit markierte einen Wendepunkt im Spielgeschehen, denn sie würgte den Fluss der Deutschen ab, während Mexiko deutlich offensiver agierte und den Gegner praktisch bis zur Pause in der eigenen Hälfte einschnürte. Die DFB-Elf lief nur noch hinterher und präsentierte sich zu passiv. Wenn die Kugel gewonnen wurde, verloren die Spieler in den weißen Shirts sie auch schnell wieder und ermöglichten es den Mittelamerikanern, jede Menge Druck aufzubauen. Löw sprach später von "mangelnder Coolness und Ruhe am Ball".

Analyse: Goretzka führt Deutschland ins Endspiel

Ex-Nationalspieler Thomas Hitzlsperger ortete in der Halbzeit als Experte in der ARD, die Löw-Schützlinge hätten allesamt nach der frühen Führung "ein paar Prozent“ weniger gegeben und so Mexiko die Rückkehr in die Partie ermöglicht. Antonio Rüdiger, zentrales Glied der Dreierkette in der Defensive, bestätigte diesen Eindruck: "Wir waren nach den zwei Toren passiv und kamen auch nicht mehr in die Zweikämpfe." Weil El Tri aber gleich vier gute Gelegenheiten nicht nutzte und Marc-Andre ter Stegen einen glänzenden Abend erwischt hatte, stand es zur Pause noch immer 2:0.

Die Bedingungen waren schwer in Sotschi. Hohe Temperaturen und eine hohe Luftfeuchtigkeit setzten den Deutschen zu und Gegner Mexiko war aggressiv und unbequem. Ein Test also, wie ihn sich Löw hätte malen können. Und seine Mannschaft bestand ihn nach Wiederanpfiff. Sie ließ zunächst nur noch eine dicke Chance durch Raul Jimenez zu (58.) und gewann mehr und mehr die Kontrolle über die Begegnung zurück. Auch, weil Löw bereits Ende des ersten Durchgangs Lars Stindl aus der Doppelspitze zurück ins Mittelfeld beordert und hinten auf einen Viererkette umgestellt hatte.

Löw: "Man muss auch schwierige Phasen überstehen"

Mit zunehmender Kontrolle kehrte auch die Gefahr im Angriff zurück und eine schöne Kombination über Julian Draxler und Jonas Hector schloss Werner eiskalt zum 3:0 ab. Auch für ihn war es das dritte Tor im Turnier und die Partie war damit gelaufen.

"In einem Spiel wie heute, in dem man ein Finale erreichen kann, muss man eben auch Phasen überstehen, die schwierig sind und da dann wieder rauskommen. Das sind die Erfahrungen, die man machen muss", beschrieb der Bundestrainer später. Er attestierte seiner Mannschaft, sie habe "einen Schritt nach vorn" gemacht. Und Kapitän Julian Draxler, der nach einem famosen Übersteiger in der Schlussphase Szenenapplaus von den Rängen bekam, meinte: "Es ist keineswegs eine Selbstverständlichkeit, eine solche Mannschaft derart zu besiegen."

Eine der von Löw angesprochenen schwierigen Phasen gab es allerdings noch am Ende, als Marco Fabian traumhaft aus 35 Metern das Leder zum 3:1 in den Winkel knallte. Deutschland wackelte aber nicht mehr, sondern ließ schnell den 4:1-Endstand durch den eingewechselten Amin Younes folgen.

Es geht also nach St. Petersburg, wo am Sonntag das Endspiel steigt und Gruppengegner Chile erneut wartet. Löw hatte auf der Pressekonferenz bereits geunkt, sein Bauchgefühl sage ihm, es werde mit dem Finaleinzug klappen. Damit lag er richtig und nun hat der Weltmeister eben die Chance, auch den zweiten großen FIFA-Titel zu holen.

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