Debatte: Ist Mesut Özil noch gut genug für einen Top-Klub?

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Im Sommer läuft Özils Vertrag bei Arsenal aus, ein Wechsel - zuletzt zu Manchester United - steht im Raum. Aber ist er überhaupt noch gut genug dafür?


DEBATTE 

Bereits seit Längerem läuft die Gerüchteküche regelmäßig mit dem Namen Mesut Özil heiß. Der Spielmacher, dessen Vertrag beim FC Arsenal im Sommer 2018 ausläuft, wird immer wieder mit einem Wechsel in Verbindung gebracht. Inter Mailand sei im Gespräch, zuletzt hieß es, er habe seine Teamkollegen bereits davon in Kenntnis gesetzt, dass er zu Manchester United wechseln wird.

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Aber ist Özil, der für seine Leistungen mitunter harsch kritisert und dem immer wieder seine vermeintlich lethargische Einstellung zum Vorwurf gemacht wird, überhaupt noch gut genug für einen Top-Klub? Goal stellt diese Frage zur Debatte - zwei Redakteure, zwei verschiedene Meinungen.

"Özil hat etwas, das man nicht lernen und nicht verlernen kann"
Mesut Ozil Arsenal Everton Premier League

Von Oliver Maywurm

Dass es schon zu lange her ist, dass Mesut Özil in einem richtig großen Spiel überragte, kann man nicht abstreiten. Und das will ich auch nicht tun. Ebenso wenig wie die Tatsache, dass so manche Kritik an dem 29-Jährigen durchaus ihre Berechtigung hat. Die Zahlen sprechen nicht für ihn, in der laufenden Saison stehen ein Treffer und eine Vorlage in sieben Premier-League-Einsätzen zu Buche.

Doch das Aber ist groß. Nicht nur wegen des starken Auftritts beim 5:2 gegen Everton vergangenen Sonntag inklusive Tor und Assist. Denn Özil hat etwas, das man nicht lernen und auch nicht verlernen kann. Dieses Intuitive, dieses natürliche Talent für den Fußball, dieser angeborene Blick für den genialen, unvorhersehbaren Pass, das geniale Dribbling. Kurzum: Özil hat etwas, das nur ganz wenige haben.

Özil verkörpert besondere Qualität

Und damit etwas, das für die Top-Klubs dieser Welt immer noch interessant ist. Auch für Manchester United. Zumal er dort mit Marcus Rashford, Paul Pogba, Anthony Martial, Nemanja Matic oder Romelu Lukaku genau die Mitspieler haben würde, die er braucht. Was passiert ist, als Özil gegen Everton erstmals in dieser Saison gemeinsam mit Alexis Sanchez und Alexandre Lacazette in Arsenals Startelf stand, haben alle gesehen.

Mit 29 ist Özil immer noch im besten Fußballer-Alter. Mindestens drei Jahre kann er noch auf Top-Niveau spielen, hat eben dort seit seinem Wechsel zu Real Madrid im Sommer 2010 inzwischen mehr als sieben Jahre lang Erfahrung gesammelt.

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"Özil ist einzigartig“, sagte Jose Mourinho einst über seinen früheren Schützling bei den Königlichen. Ein Satz, der so schlicht klingt. Der den Wert Özils aber so treffend aufzeigt. Er kann einer Mannschaft eine Qualität geben, die außer ihm kaum einer liefern kann.

Zweifellos muss er das wieder konstanter auf den Platz bringen, um weiterhin im Konzert der ganz Großen mitzumischen. Aber das Potenzial dazu hat er zu 100 Prozent. Er braucht dazu nur das richtige Umfeld. Wie formulierte es Mourinho mal so schön: "Wenn du von Mesut erwartest, dass er riesigen Enthusiasmus und Aggressivität an den Tag legt und Kilometer um Kilometer abreißt – das ist nicht Mesut.“ Nein, der wahre Mesut ist die Schönheit des Spiels. Wenn man das versteht, ist Özil immer noch gut genug. Für jeden Top-Klub dieser Welt.

"Wer verdienen will wie ein Superstar, der muss auch liefern wie ein Superstar"
Mesut Ozil Arsenal

Von Falko Blöding

Vor dem vergangenen Sonntag stand Mesut Özil noch in der Kritik – auch bei den eigenen Fans. Für einen Star, der um einen neuen, hochdotierten Vertrag verhandelt, waren die Leistungen zuletzt arg überschaubar. Es kam das Spiel gegen Everton, Özil glänzte und plötzlich schwärmen sie wieder alle von ihm. Das ist ein Phänomen, das es beim Spielgestalter der Gunners nicht zum ersten Mal gibt. Eine überragende Vorstellung, nicht unbedingt gegen einen Kontrahenten der Marke Weltklasse, kaschiert die Unzulänglichkeiten, die es in den Wochen zuvor gab.

Bei allem Lob, das der 29-Jährige für seinen Auftritt im Goodison Park zurecht bekam, sollte man aber nicht vergessen: Arsenal traf auf schlimm verunsicherte Toffees, denen in dieser Saison kaum etwas gelingt und die mittlerweile sogar ihren Trainer Ronald Koeman vom Hof gejagt haben.

Özil und die Probleme in den Spielen gegen große Gegner

Wie aussagekräftig ist also Özils Leistung gegen einen solchen Gegner? War das wirklich Weltklasse? Ist er auf dem Weg zu der Stärke, die er kurz nach seinem Wechsel zu Arsenal 2013 oder zu Glanzzeiten bei Real Madrid verkörperte? Nein, das ist er nicht.

Denn die Wahrheit lautet vielmehr: Özils Formkurve zeigt seit Monaten, wenn nicht seit Jahren nach unten. Seine beiden Torbeteiligungen im Duell mit Everton waren die beiden ersten überhaupt in dieser Spielzeit!

Zudem ist es natürlich einfach, seine Leistungen in den Spielen gegen große Gegner zu kritisieren. Oft war diese Kritik unfair. Der Weltmeister gibt einen idealen Sündenbock ab, allein schon wegen seiner häufig zitierten, lässigen Körpersprache. Dabei versagte oft genug die ganze Mannschaft, wenn es für Arsenal gegen ein großes Kaliber um wirklich etwas ging.

Aber sind es nicht diese Spiele, in denen ein Ausnahmekönner, als der sich Özil zweifelsohne begreift, auch einmal vorangehen und seine Mannschaftskameraden mitreißen muss? Wer verdienen will wie ein Superstar, der muss auch liefern wie ein Superstar. Es gibt Top-Stars, die tun das und die spielen eben bei den absoluten Top-Klubs. Özil gehört nicht in diese Kategorie.

Der Körper bereitet Probleme

Dazu kommt, dass Özils Körper immer häufiger Probleme bereitet. Kleine bis mittelschwere Verletzungen setzen ihn häufig außer Gefecht. In den letzten beiden Jahren laborierte er unter anderem an Blessuren an der Patellasehne, dem Sprunggelenk, den Knien und dem Fuß.

Özil steht vor seinem letzten großen Vertrag. Dass er fürstlich entlohnt werden möchte, ist nachvollziehbar. Aber man muss auch sehen, dass eine Kosten-Nutzen-Rechnung bei ihm im fortgeschrittenen Stadium der Karriere nicht mehr aufgeht. Özil ist nicht mehr absolute Weltspitze und es ist unwahrscheinlich, dass er sich bei einem Spitzenverein auf Dauer nochmal zu einem Fixpunkt entwickelt.

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