GERMANY ONLY: DAVID ALABA AUSTRIA 31052016Imago

David Alaba: Österreichs Schlüsselspieler in Rollen-Falle

Nach vier Tagen selbst auferlegter Twitter-Pause hielt es David Alaba nicht mehr aus. Der 23-Jährige, der wegen seiner ungehemmten Aktivität in diversen sozialen Medien vom Verband kürzlich einen Rüffel bekommen hatte, musste das aufgebrachte Österreich nach der EM-Auftaktpleite gegen Ungarn (0:2) beruhigen.

"Nicht der Start, den wir wollten, aber wir werden am Samstag zurückkommen!", twitterte der Profi von Bayern München. Mit einem Ausrufezeichen. Allerdings gibt es vor Österreichs zweitem Gruppenspiel am Samstag (21.00 Uhr im LIVE-TICKER) in Paris gegen Portugal viele Fragezeichen, und eines davon betrifft Alaba selbst: Warum konnte der Jungstar gegen den Außenseiter Ungarn nicht so auftrumpfen wie auf Vereinsebene bei den Bayern?

"Es ist so, dass David bei uns im Mittelfeld-Zentrum spielt - und bei Bayern München in der Verteidigung. Vielleicht ist das ein kleines Problem", sagt Nationaltrainer Marcel Koller. Und nun? Alaba ebenfalls hinten links spielen zu lassen, ist keine Alternative. Zum einen spielt da ein gewisser Christian Fuchs, der als Kapitän gesetzt und gerade mit Leicester City englischer Meister geworden ist. Zum anderen ist Alaba für die Offensive in der Nationalmannschaft viel wertvoller als bei den Münchnern.

In der EM-Qualifikation mit neun Siegen in zehn Spielen bewies Alaba, dass er die Verantwortung in der Zentrale tragen kann. Beim großen Endturnier noch nicht. Dabei wollte der junge Wiener, der alle Anlagen für einen Spielgestalter internationaler Klasse mitbringt, in Frankreich seinem neuen Bayern-Trainer Carlo Ancelotti auf der "6" vorspielen. "Ich will mich auf dieser Position zeigen und beweisen", hatte Alaba im Vorfeld gessagt: "Ich habe schon gezeigt, dass ich mich da wohl fühle und meine Leistungen bringe."

Alaba zu Real Madrid?

Auch Koller sieht seinen Musterschüler in einer offensiveren Rolle. "Er hat großartige Fähigkeiten in der Offensive. Er hat einen super Schuss und kann Tore machen, aber auch den finalen Pass spielen", sagte Koller: "Er ist aber auch in der Defensive gut, taktisch sehr gut geschult."
Qualitäten, die natürlich auch andere sehen. Die Verantwortlichen von Real Madrid zum Beispiel. Laut eines Berichts des englischen Boulevardblattes Sun soll der Champions-League-Sieger bei Treffen in München und Wien bei Alabas Vater George vorgefühlt haben.

Die Bayern sind zwar überhaupt nicht an einem Verkauf interessiert, sie haben den Vertrag mit Alaba gerade erst bis 2021 verlängert. Das Geld brauchen sie schon mal gar nicht. Dennoch berichtete die spanische Sportzeitung AS, der deutsche Rekordmeister habe eine Summe von 80 Millionen aufgerufen und Real damit vorerst verschreckt. Angeblich liege die Schmerzgrenze bei 50 Millionen Euro. Viel zu wenig.

Für Österreich ist Alaba trotz des schwachen EM-Starts unbezahlbar. Auch für das Image der Nationalmannschaft. Österreichs Fußballer der Jahre 2014 und 2015 erreicht mit seinen Posts bei Twitter und Co. Millionen Fans weltweit - auch wenn das den Verbandsoffiziellen nicht immer gefällt. Der jüngste Tweet dürfte aber auch in ihrem Sinne sein.

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