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David Alaba im Goal-Interview: "Müssen herausfinden, wie wir am besten gegen Rassismus ankämpfen"

11:00 MESZ 31.07.18
David Alaba FC Bayern München 07-2018
David Alaba vom FC Bayern spricht im exklusiven Interview mit Goal über seinen Glauben, Rassismus, Neu-Trainer Niko Kovac und die Münchner Youngsters.

EXKLUSIV-INTERVIEW

David Alaba ist beim FC Bayern München seit Jahren als Linksverteidiger gesetzt. Goal traf den österreichischen Nationalspieler während der US-Tour der Münchner zum Interview. 

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David, wie haben Sie die ersten Wochen unter Trainer Niko Kovac erlebt?

David Alaba: Sehr positiv. Wir haben sehr hart gearbeitet, sind sehr konzentriert. Man sieht, dass wir jede Woche besser werden. Diesen Weg wollen wir fortsetzen, damit wir unsere Ziele erreichen.

Was macht Kovac besonders? 

Alaba: Man spürt seine Erfahrung, die er sowohl als Spieler als auch als Trainer gesammelt hat. Er versucht nun, seine Philosophie in unser Team zu bringen. Natürlich braucht dieser Prozess Zeit. Wir haben eine wirklich gute Atmosphäre in der Mannschaft und auf dem Platz. Er spricht viel mit den Spielern, schenkt uns sein Vertrauen und gibt uns ein gutes Gefühl.

Inwiefern unterscheidet sich Kovac von seinem Vorgänger Jupp Heynckes?

Kovac: Das ist nicht so leicht zu erklären. Niko Kovac ist sehr konzentriert, hat einen klaren Plan. Es gibt nicht viele Unterschiede oder Gegensätze zwischen ihm und meinen früheren Trainern. Man merkt, dass er jedes einzelne Spiel gewinnen will.

Beim ICC sind viele Youngsters für den FC Bayern aufgelaufen. Werden wir einige von ihnen in der neuen Saison auch in der Bundesliga zu sehen bekommen?

Alaba: Ich denke, das ist das Ziel des FC Bayern München, dafür wurde ja auch der neue Campus gebaut. Ich war der letzte junge Spieler, der es zu den Profis geschafft hat, und das ist schon lange her. Ich glaube aber, dass wir auf einem guten Weg sind, um junge Spieler wieder in der ersten Mannschaft zu etablieren. Die jungen Spieler haben viel Potenzial. Das konnte man in den Trainingseinheiten und in den Spielen sehen. Aber der Schritt in die erste Mannschaft ist sehr groß, es ist also nicht einfach. Ich denke, dass die Jungs ihr Bestes geben. Man sieht zudem, dass der Trainer versucht, viel mit ihnen zu reden und ihnen Tipps zu geben, um sich zu verbessern.

Trauen Sie einem speziellen Spieler den Schritt zu den Profis zu?

Alaba: Es gibt einige Spieler, die sehr talentiert und wirklich gut sind. Wenn sie so weitermachen, können sie es packen. Aber es ist immer noch ein langer Weg.

Einer dieser jungen Spieler ist Chris Richards. Sie haben ihm einen Spitznamen gegeben.

Alaba: Texas! Er ist ein guter Junge. Er spielt gut, trainiert hart und er hat sein Ziel vor Augen. Wenn er weiterhin so ​​arbeitet, kann er Fortschritte machen. Er ist sehr talentiert, deshalb ist er hier. Ich denke, er hat das Potenzial für eine großartige Karriere.

Warum Texas?

Alaba: Er kommt dorther. Irgendwann hatte ich seinen Vornamen vergessen, aber ich wusste, dass er aus Texas kommt, also nannte ich ihn zunächst Texas. Inzwischen kenne ich auch seinen richtigen Namen sehr gut. (lacht)

Bayerns Chris Richards (l.) im Duell mit Oleksandr Zinchenko von Manchester City

Neuzugang Alphonso Davies gilt in Kanada als großes Talent. Ihnen erging es ähnlich, bevor Sie aus Österreich zum FCB wechselten. Welchen Ratschlag können Sie ihm geben?

Alaba: Man sollte stets man selbst sein und niemals vergessen, woher man kommt. Für mich persönlich hat zudem der Glaube eine wichtige Rolle gespielt, mein Glaube an Gott.

Inwiefern? 

Alaba: Der Glaube bedeutet mir sehr viel. Meine Eltern haben mich so großgezogen. Seit ich klein bin, glaube ich an Jesus und versuche, die Bibel so gut wie möglich zu lesen. Es hilft mir sehr in meinem Leben, sowohl auf als auch neben dem Platz.

Mesut Özil hat die Diskussion um Rassismus im deutschen Fußball mit seinen Aussagen im Zuge seines Rücktritts neu entfacht. Konnten Sie seine Stellungnahme nachvollziehen?

Alaba: Ein Stück weit vielleicht, aber ich weiß nicht, was in der Zeit bei der Nationalmannschaft mit ihm passiert ist, deshalb kann ich dazu nicht viel sagen.

Wie beurteilen Sie das thematisierte Rassismusproblem?

Alaba: Wenn man über Rassismus spricht, muss man zunächst leider festhalten, dass es auf der Welt immer noch Rassisten gibt. Es gibt sie in Europa, in Österreich, in Deutschland. Auch über die Situation in Italien habe ich schon viel gehört und auch meine eigenen Erfahrungen gemacht. Für Rassismus haben wir keinen Platz, nicht im Fußball und auch nicht auf der Erde im Allgemeinen. Wir müssen dagegenhalten und versuchen, diese Welt besser zu machen. Fußball ist dafür eine gute Plattform. Ich denke, der Fußball versucht, dieses Problem anzugehen und die Dinge besser zu machen, aber natürlich existiert Rassismus noch.

Sie können dieses Problem nicht alleine bekämpfen, aber was können Fußballer konkret tun, um Rassismus zu verbannen?

Alaba: Das ist eine gute Frage, die für mich auf Englisch nicht so leicht zu beantworten ist (Das Interview mit David Alaba wurde in den USA auf Englisch geführt, Anm. d. Red.). Es ist nicht einfach, diese Dinge zu erklären. Rassismus ist ein hässlicher Teil dieser Welt und des Fußballs. Wir müssen herausfinden, wie wir am besten dagegen ankämpfen.