David Abraham von Eintracht Frankfurt im exklusiven Interview: "Rebic, Jovic und Haller sind absolute Maschinen"

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Im Interview spricht David Abraham über Coach Adi Hütter und bennent die Unterschiede zu Niko Kovac. Außerdem: Seine Eindrücke von Lionel Messi.


EXKLUSIV

David Abraham sorgt aktuell mit Eintracht Frankfurt nicht nur in der Bundesliga , sondern auch in der Europa League für mächtig Furore. In der letzten Saison holte der jetzige Kapitän, der seit 2015 seine Schuhe für die SGE schnürt, den DFB-Pokal im Finale gegen den FC Bayern München .

Im exklusiven Interview mit Goal und DAZN spricht der 32-jährige Argentinier nun über die Gründe der Erfolgswelle der Eintracht und den Unterschied zwischen Neu-Coach Adi Hütter und seinem Vorgänger Niko Kovac. 

Außerdem erklärt er, was das Trio um Sebastian Haller, Luka Jovic und Ante Rebic so besonders macht und ordnet den Stellenwert der Fans in Frankfurt ein.

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In der argentinischen Jugendnationalmannschaft spielte er einst mit Lionel Messi, gewann die U20-WM und verrät nun, wie der Superstar des FC Barcelona tickt und warum er in Argentinien niemals den Stellenwert von Diego Maradona erreichen kann.

Herr Abraham, was sind die Gründe für den Erfolg der Eintracht?

David Abraham: Wir haben die Saison mit einem neuen Trainer und neuen Konzepten begonnen. Wir haben uns schnell gegenseitig kennengelernt und die Ideen des Trainers verstanden und umgesetzt. Bis jetzt hat man gesehen, dass wir eine tolle Einheit sein können, wenn wir im Team arbeiten. Wir gehen gemeinsam in die gleiche Richtung und sind dabei, Großes zu leisten. In der Europa League haben wir alle Spiele gewonnen. In der Bundesliga läuft es trotz der Niederlage zum Abschluss gegen Bayern München gut. Das Wichtigste ist die Arbeit im Kollektiv. Das ist auch das, was unser Trainer immer wieder einfordert.

Die Eintracht ist ein Multi-Kulti-Team, es werden viele verschiedene Sprachen gesprochen. Wie könnt Ihr Euch so gut auf und neben dem Platz verstehen?

Abraham: Es ist ein bisschen komisch (lacht). In der Kabine werden fünf, sechs Sprachen gesprochen und wir verstehen von allem ein bisschen was. Wir versuchen immer, den Nebenmann zu integrieren und ihm zu erklären, was da gerade gesagt wurde. Mal in Zeichensprache, mal in schlechtem Englisch oder schlechtem Deutsch. Wir sind eine Truppe mit vielen tollen Persönlichkeiten. Das macht uns aus. Wir haben alle dasselbe Ziel vor Augen. Die Mentalität jedes Einzelnen ist hervorragend. Das sieht man dann auch auf dem Platz.

Wie stolz sind Sie als Kapitän darauf, diese Mannschaft anzuführen?

Abraham: Als der Trainer vor der Saison mit mir gesprochen und die Binde angeboten hat, habe ich sehr, sehr großen Stolz verspürt. Es ist etwas Besonderes, Kapitän zu sein, eine der schönsten Dinge, die mir widerfahren sind. Nicht nur, weil ich diese Mannschaft anführen, sondern auch, weil ich den Klub Eintracht Frankfurt mit all seiner Tradition repräsentieren darf. Man trägt zwar eine große Verantwortung, aber wir sind eine kompakte Mannschaft, die sich gegenseitig hilft, und ich bin nicht der einzige Leader.

David Abraham Eintracht Frankfurt

Wer übernimmt noch Verantwortung?

Abraham: Marco Russ, Makoto Hasebe, Timmy Chandler und Gelson Fernandes zum Beispiel. Sehr positive Typen, die immer nur an das Wohl der Mannschaft anstatt das Wohl eines Einzelnen denken. Das sorgt auch dafür, dass bei uns alles so gut funktioniert.

Zurzeit sind Eure Stürmer Rebic, Jovic und Haller in aller Munde. Was macht dieses Trio so besonders?

Abraham: Die Drei sind absolute Maschinen (lacht). Schon im Training ist es verdammt hart, gegen sie zu spielen, deshalb kann ich mir vorstellen, wie es unseren Gegnern in Spielen gehen muss. Sie sind sehr gute, sehr robuste Spieler und helfen der Mannschaft sehr. Wenn sie konzentriert und fokussiert darauf sind, uns zu helfen, dann machen wir als Mannschaft den Unterschied. Wir, die hinter ihnen spielen, versuchen sie immer einzusetzen. Sie sind unglaublich. Alle drei. Wenn sie sich mental wohl fühlen, sind sie kaum zu stoppen.

Haller kommt immer sehr ruhig herüber. Wie tickt er wirklich als Mensch?

Abraham: Er ist sehr ruhig, ein echter Profi, der immer seine Arbeit macht. Bei all dem, was er zurzeit so erreicht, bleibt er dennoch zurückhaltend und bodenständig. Es ist eine Freude, ihn als Mannschaftskollegen zu haben. Er hilft uns sehr.

Zurzeit wird auch viel über Danny da Costa gesprochen. Er ist nicht nur ein interessanter Spieler, sondern auch ein lustiger Kerl, oder?

Abraham: Mehr oder weniger (lacht). Nein, im Ernst, er ist eine sehr gute Person. Und es ist eine Freude, ihn an meiner Seite zu haben, denn er ist ein toller Rechtsverteidiger. Ich weiß, dass ich mich immer auf ihn verlassen kann, dass er mir immer den Rücken frei hält. Und neben dem Platz verstehen wir uns wahnsinnig gut, er ist ein total lustiger Kerl und macht gerne Witze.

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Spricht er ein bisschen Spanisch oder wie kommuniziert ihr miteinander?

Abraham: Nein, nein, ich spreche ja ein bisschen Deutsch (lacht). Es ist nicht einfach, aber irgendwie verstehen wir uns am Ende immer.

Ihr Trainer, Adi Hütter, war in Deutschland nicht sehr bekannt, als er bei der Eintracht unterschrieb. Kannten Sie ihn schon vorher?

Abraham: Ja, als ich in der Schweiz beim FC Basel war, lernten wir uns kennen. Er schnupperte damals eine Woche oder zehn Tage lang im Rahmen seines Trainerpraktikums bei uns rein. Und da ich den europäischen Fußball und speziell die Schweizer Liga verfolge, habe ich letzte Saison mitbekommen, was er mit den Young Boys erreicht hat. Er hat nach 30 Jahren wieder einen Titel mit diesem Verein gewonnen. Ich hatte also schon ein paar Informationen über ihn, bevor er zu uns kam. Ich sprach auch mit Gelson Fernandes darüber. Er ist Schweizer Nationalspieler und wir haben oft darüber gesprochen, wie gut es bei den Young Boys und Hütter doch läuft.

Was ist Hütter für ein Typ als Trainer? Was macht er genauso und anders als sein Vorgänger Kovac?

Abraham: Man braucht keine Vergleiche anzustellen, weil jeder Trainer, jeder Mensch unterschiedlich ist. Adi ist ein sehr spielernaher Trainer, der gerne viele Gespräche mit dem Kollektiv, aber auch mit einzelnen Spielern führt. Taktisch gesehen gibt es zwischen Adi und Niko ein paar minimale Unterschiede. Sie haben beide ihre Standpunkte, ihre Sichtweisen und ich finde, dass alle vertretbar sind, weil eben alle erfolgreich sind. Adi unterstützt uns sehr und besteht darauf, dass wir in jeder Lage an uns glauben. Er ist ein Trainer, der schon etwas näher an uns Spielern dran ist als Niko.

Was ist das große Ziel der Eintracht in diesem Jahr: Die Europa League zu gewinnen oder sich für die Champions League zu qualifizieren?

Abraham: Puh, das ist schwer zu beantworten (lacht). Wir wollen natürlich so weit wie möglich in der Europa League kommen, das ist klar. In der Meisterschaft wollen wir bis zum letzten Moment, bis zum letzten Spieltag die Chance haben, uns für die Europa League oder die Champions League zu qualifizieren. Das ist das Ziel. Wir brauchen aber Kontinuität. Wir müssen von Schritt zu Schritt denken und geduldig sein, denn bis zum Saisonende stehen noch sehr viele Spiele an.

Sprechen wir über Sie. Es ist Ihre vierte Saison bei der Eintracht. Was bedeutet Ihnen der Verein und die Stadt?

Abraham: Ich bin wirklich sehr, sehr glücklich hier. Das habe ich schon oft gesagt und werde ich auch weiterhin sagen. Frankfurt ist mein zweites Zuhause, hier habe ich die schönsten Momente meiner Karriere erlebt. Die Erfahrungen im DFB-Pokal waren unglaublich. Erst das Finale gegen Dortmund, dann das Finale gegen Bayern, das wir auch noch gewonnen haben. Das war der Höhepunkt meiner Karriere, an den ich mich immer zurückerinnern werde. Die Leute hier sind großartig, generell alle Mitarbeiter im Verein, ob wir jetzt vom Fußball- oder Marketingbereich sprechen. Man merkt einfach, dass wir eine große Familie sind.

Und die Fans ...

Abraham: ...sind unglaublich! In der Europa League lebt man diese unglaubliche Atmosphäre noch mehr.

Bei anderen Fans anderer Vereine scheint dieser Wettbewerb nicht besonders große Wichtigkeit zu genießen, oder?

Abraham: Genauso ist es. Wenn du normalerweise Europa-League-Spiele siehst, sind die Stadien zwar nicht leer, aber oft nur zu 50 oder 70 Prozent gefüllt. Die Atmosphäre ist nicht besonders. Außer bei uns. Mit Eintracht Frankfurt in der Europa League zu spielen, ist das Unglaublichste, was dir als Fußballer passieren kann. Als wir in Limassol gespielt haben, sind Gegenspieler zu mir gekommen und haben gesagt: 'Das ist unglaublich.' Deshalb bin ich den Fans sehr dankbar für die Unterstützung, die wir Spiel für Spiel erhalten.

Können Sie sich vorstellen, ihre Karriere bei der Eintracht zu beenden?

Abraham: Ich möchte auf jeden Fall meinen Vertrag hier erfüllen, der bis 2021 läuft. Ich weiß nicht, ob ich danach schon meine Karriere beende. Das kommt auch darauf an, wie ich mich fühle, wie sehr ich von Verletzungen verschont bleibe. Vielleicht spiele ich dann noch ein paar Jahre in Argentinien, aber sicherlich nicht mehr in Europa. Die Eintracht wird mein letzter Klub in Europa sein.

Sie haben mit Lionel Messi zusammengespielt, mit ihm die U20-WM in Argentinien gewonnen. Wie ist er als Typ und welche Erinnerungen haben Sie an ihn?

Abraham: Das ist mittlerweile schon 14 Jahre her. Leo war ein sehr ruhiger, sehr schüchterner Kerl, der immer sehr leise sprach. Ich kann mich noch erinnern, dass er gerne auf der PlayStation spielte, aber das taten alle von uns. Er war ganz normal, ließ sich von seinem einzigartigen Talent nie beeinflussen. Er wollte außerhalb des Platzes nie im Mittelpunkt stehen.

David Abraham Lionel Messi FC Basel FC Barcelona

Ist Messi der beste Fußballer aller Zeiten?

Abraham: Aktuell ist er auf jeden Fall der Beste. Ob er der Beste aller Zeiten ist, das weiß ich nicht. Was (Diego Armando) Maradona damals für ganz Argentinien gemacht hat, was er bewirkt hat, war schon wirklich grandios. Messi kann jetzt drei Weltmeisterschaften mit Argentinien gewinnen, aber sie werden nicht die gleiche Bedeutung haben wie der Triumph von Maradona. Das kann man auch nicht miteinander vergleichen.

Wie meinen Sie das?

Abraham: Damals (1986) erholte sich Argentinien gerade von einem verlorenen Krieg gegen England und Maradona traf (im Viertelfinale) gegen England zwei Mal und führte Argentinien später zum WM-Sieg. Dieser Triumph löste eine unglaubliche Freude im ganzen Land aus. Deshalb sollte man meiner Meinung nach keine Vergleiche anstellen. Das ist unmöglich.

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