Der FC Bayern München trifft im Viertelfinale der Champions League auf den FC Sevilla . Das ergab die Auslosung in Nyon am Freitag . "Jubelschreie gab es nicht, aber es ist eine Aufgabe, die machbar ist", sagte Torhüter Sven Ulreich kurz darauf an der Säbener Straße. Die Andalusier seien "ein vermeintlich leichterer Gegner bei dem, was da noch im Lostopf war".
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Auf die leichte Schulter nehmen will der Vertreter von Manuel Neuer Sevilla allerdings nicht. "Sie haben zuletzt dreimal den Titel in der Europa League gewonnen. Unsere Spanier haben schon erzählt, dass es dort ein Hexenkessel wird. Ihr Kurzpassspiel ist sehr gut, ein typisch spanischer Stil mit viel Bewegung in ihren Reihen", erklärte Ulreich.
Nichtsdestotrotz sei Sevilla "eine gute Aufgabe", es sei schließlich der Wunsch, "dass man sich langsam steigert mit den Gegnern im Wettbewerb." Trainer Jupp Heynckes meinte indes: "Wir werden die Spiele hochkonzentriert angehen. Die Sevillistas haben sehr gute Fußballer. Im Stadion ist es ähnlich wie in Istanbul. Ein sehr enthusiastisches Publikum."
Goal hat die wichtigsten Informationen zu den Duellen mit dem FC Sevilla zusammengestellt.
"Ein schwieriges Los": Weitere Reaktionen
Jupp Heynckes (Trainer Bayern München): Das ist ein schwieriges Los. Ich kenne den FC Sevilla sehr gut. Sie waren von 2014 an dreimal Europa-League-Sieger, spielen einen gepflegten, kreativen Fußball. Auch defensiv sind sie seit dem Trainerwechsel stabiler. Manchmal sind vermeintliche Topmannschaften besser zu besiegen. Diese Erfahrung habe ich immer wieder gemacht. Ich kenne die Atmosphäre in Sevilla. Dort ist es zwar nicht so wie in Istanbul, aber ähnlich. Das ist ein ganz fanatisches Publikum. Wir müssen aufpassen, dass wir das Viertelfinale überstehen.
Hasan Salihamidzic (Sportdirektor Bayern München): Meine Schwiegereltern leben in Sevilla. Ich freue mich auf das Spiel, das wird interessant. Das ist keine einfache Mannschaft, sie haben Manchester United ausgeschaltet. Spanische Mannschaften spielen immer guten Fußball. Sevilla ist international erfahren, da muss man aufpassen. Keiner kommt ins Viertelfinale, der nicht richtig gut ist. Wir werden das nicht auf die leichte Schulter nehmen. Wenn man die Champions League gewinnen will, muss man sowieso jeden schlagen.
Thomas Müller (Bayern München): Es ist ein gutes Los. Es waren Mannshaften im Topf, die einen klangvolleren Namen haben. Auch wenn Sevilla nicht umsonst die Europa League dreimal in Folge gewonnen hat. Das muss man erstmal schaffen. Der Klub hat eine Erfolgshistorie. Nichtsdestotrotz ist es unser Anspruch, dass wir eine Runde weiterkommen. Wir haben viel Selbstvertrauen, wir sind der FC Bayern München. Wir wollen mit dem Selbstverständnis in diesem Wettbewerb auftreten, dass wir nicht nur mit etwas Glück weit kommen, sondern wir wollen das Ding auch gewinnen. Wir waren schon viel zu lange nicht mehr im Endspiel. Da wollen wir unbedingt wieder hin.
Mats Hummels (Bayern München): Ich finde das ein sehr spannendes, sehr interessantes Los. Ich glaube, dass die Mannschaft viel, viel stärker ist als sie auf den ersten Blick eingeschätzt wird. Sie hat unheimlich viel Qualität und vor allem die Atmosphäre im Auswärtsspiel sind Sachen, die höchste Ansprüche sind. Wir spielen zuerst auswärts, da werden wir auf jeden Fall körperlich richtig dagegenhalten müssen. Die Mannschaft wird Gas geben von Anfang an, wird Druck machen und von einem frenetischen Publikum unterstützt werden. Da muss man dann auch mal gegen ankämpfen.
Javi Martínez (Bayern München): Es wird nicht einfach, Sevilla hat eine super Mannschaft mit viel Qualität, vor allem im Mittefeld. Sie sind sehr schnell auf den Flügeln, die Stürmer sind gefährlich. Sevilla hat in der zweiten Saisonhälfte bisher sehr gute Spiele gemacht, besonders in Manchester. Die Atmosphäre im Stadion ist brutal, die Fans sind sehr laut. Zuhause spielt Sevilla sehr aggressiv und druckvoll. Wir müssen alles geben.
David Alaba (Bayern München): Das ist sicherlich kein einfaches Los, nicht umsonst sind sie so weit gekommen. Sie spielen sehr, sehr guten und sehr erfolgreichen Fußball, wie man sieht. Es wird keine einfache Aufgabe, aber die Vorfreude ist schon riesig.
Der FC Sevilla in dieser Saison
In der spanischen Primera Division steht Sevilla nach 28 Spieltagen, 14 Siegen, drei Unentschieden und elf Niederlagen mit einem negativen Torverhältnis von 36:42 sowie 45 Punkten auf Rang fünf.
In der Copa Del Rey hat das Team unter anderem Atletico Madrid ausgeschaltet und trifft im Finale am 21. April auf den FC Barcelona.
In der Champions League landeten die Sevillistas in der Gruppe E hinter dem FC Liverpool und vor Spartak Moskau sowie NK Maribor auf Platz zwei. Im Achtelfinale setzte man sich gegen Manchester United durch (0:0/2:1). Die einzige Niederlage in der laufenden Saison der Königsklasse kassierte Sevilla bei Spartak Moskau (1:5).
Der Trainer des FC Sevilla: Vincenzo Montella

Kurz vor Weihnachten trennte sich Sevilla von Trainer Eduardo Berizzo. Der Argentinier hatte vor der Saison Jorge Sampaoli beerbt. Er feierte einen starken Start und erreichte mit seinen Mannen das Achtelfinale der Champions League. Doch eine Schwächephase mit vier Pflichtspielen ohne Sieg in den letzten Partien vor dem Jahreswechsel kostete ihn den Job.
Nachfolger wurde dann der Italiener Vincenzo Montella, der zuvor bis Ende November 2017 den AC Mailand trainier hatte, dort jedoch wegen ausbleibender Erfolge entlassen wurde.
Als Trainer der Roma verlor Montella im Achtelfinal-Rückspiel 2010/11 mit 0:3 bei Schachtjor Donezk und schied aus. Nach dem 0:0-Unentschieden im Achtelfinal-Hinspiel gegen Manchester United feierte Montella nun im dritten Anlauf mit dem 2:1-Coup im Old Trafford seinen ersten Sieg in der Königsklasse. Nun absolviert er gegen den FC Bayern München sein erstes Viertelfinale in der Champions League.
Der Champions-League-Schlüsselspieler des FC Sevilla: Wissam Ben Yedder
Getty ImagesWissam Ben Yedder ist Sevillas Toptorjäger in dieser Europapokalsaison. Dem Franzosen mit tunesischen Wurzeln gelangen in seinen neun Europapokalspielen 2017/18 (inklusive Qualifikation gegen Basaksehir) starke zehn Treffer. Beim 2:1 im Achtelfinal-Rückspiel bei Manchester United traf er zum dritten Mal in dieser Saison mindestens doppelt, in der Gruppenphase gegen Liverpool erzielte er zwei Tore, gegen Maribor waren es sogar drei Treffer. Mit acht CL-Toren ist Ben Yedder erster Verfolger von Cristiano Ronaldo (zwölf Treffer) in der Torjägerliste.
- Mit acht Treffern stellte Ben Yedder einen neuen CL-Rekord für einen Sevilla-Spieler in einer Saison auf. Diesen hatte zuvor Frederic Kanoute inne, der in der Saison 2007/08 fünf Treffer in der Königsklasse für Sevilla erzielte.
- Zudem löste er mit seinem Treffer zum 2:3 gegen Liverpool am 5. Spieltag Kanoute (sieben Tore in 15 Spielen) als Rekordtorschützen für Sevilla in der Königsklasse ab (zehn Tore, zwölf Spiele).
- Zum Vergleich: In der Vorsaison traf Ben Yedder in der Königsklasse in fünf Partien lediglich zweimal und hat damit jetzt schon viermal so viele Treffer auf dem Konto wie in seiner Premierensaison in diesem Wettbewerb.
Das gesperrte Gehirn: Ever Banega
AFP/GettyEver Banega ist das Gehirn des FC Sevilla. Von der zentralen Mittelfeldposition bestimmt er Rhythmus- und Takt der Andalusier. In der laufenden Champions-League-Saison spielte Banega die meisten erfolgreichen Pässe aller Akteure (762).
Umso schwerer wiegt sein Ausfall: Sevilla muss im Hinspiel ohne den Argentinier auskommen, Banega sah im Achtelfinal-Rückspiel im Old Trafford seine dritte Gelbe Karte und fehlt somit gegen den FC Bayern München gesperrt.
Zudem sahen Wissam Ben Yedder, Sergio Escudero und Gabriel Mercado bereits zwei Gelbe Karten und wären damit bei einer weiteren Verwarnung im Rückspiel gesperrt.
Spanische Standard-Spezialisten
Der FC Sevilla präsentiert sich in dieser Champions-League-Saison enorm gefährlich bei ruhenden Bällen. Die Hälfte aller Tore in dieser CL-Saison gelangen den Andalusiern nach ruhenden Bällen (sieben von 14). Anteilig war nur der FC Porto gefährlicher bei Standards (53 Prozent). Sieben der letzten 10 Treffer der Spanier fielen nach einer Standardsituation.
Die besten Teams bei Standardsituationen der laufenden CL-Saison:
| Rang | Team | Tore nach Standars | Anteil an allen Treffern |
| 1 | FC Porto | 8 | 53 % |
| 1 | FC Chelsea | 8 | 47% |
| 3 | FC Sevilla | 7 | 50% |
| 3 | Manchester City | 7 | 37% |
| 3 | Paris Saint-Germain | 7 | 26% |
Erstes Europapokalduell zwischen Bayern und Sevilla
Der FC Sevilla ist das einzige Team unter allen Viertelfinalisten, gegen das der FC Bayern noch nie im Europapokal antrat.
Bekannte aus der Bundesliga
- Johannes Geis ist für die Spielzeit 2017/18 vom FC Schalke 04 an den FC Sevilla verliehen. Geis absolvierte für Schalke (2015 bus 2017), für Mainz (2013 bis 15) und Fürth (2012/13) 121 Spiele in der Bundesliga (acht Tore). Im Achtelfinal-Rückspiel im Old Trafford kam er kurz vor Schluss zum zweiten CL-Einsatz seiner Karriere, in der Gruppenphase stand er beim 3:3 gegen Liverpool 90 Minuten auf dem Platz. Geis ist nach Marko Marin (2013/14), Piotr Trochowski (2011 bis 2015) und Andreas Hinkel (2006 bis 2008) der vierte Deutsche bei den Andalusiern.
- Sergio Escudero spielte zwischen August 2010 und Januar 2013 für den FC Schalke 04. Er konnte sich auf Schalke nie richtig durchsetzen, insgesamt kam er lediglich auf zwölf BL-Einsätze für die Königsblauen (0 Tore, 0 Assists). Zudem spielte er viermal für die Knappen in der Champions League.
- Simon Kjaer stand von 2010 bis 2013 beim VfL Wolfsburg unter Vertrag. Der dänische Nationalspieler absolvierte 57 Bundesligapartien und erzielte dabei drei Treffer.
Quelle: Alle statistischen Daten von Opta




