OGC Nizza, so lautet die einhellige Meinung, steht in der Ligue 1 eine schwierige Saison bevor. Die Mannschaft von Trainer Patrick Vieira landete in der vergangenen Spielzeit auf dem siebten Rang und nach einem Sommer voller Ungewissheit wäre schon eine Wiederholung dieser Leistung eine Überraschung.
Die angestrebte Übernahme des Klubs durch den britischen Milliardär und Ineos-Boss Jim Ratcliffe ist immer noch nicht vollzogen und so herrschte auf dem Transfermarkt angesichts der unsicheren Zukunft weitgehend Funkstille. Unter anderem wurde immer noch kein Ersatz für den im Januar nach Marseille abgewanderten Torjäger Mario Balotelli verpflichtet.
Trainer Patrick Vieira hat also immer noch keinen etablierten Mann für das Sturmzentrum. Da trifft es sich gut, dass der Ex-Weltmeister wenigstens in der Defensive einen erfahrenen Stabilisator hat, der den Laden zusammenhält: Ex-Bundesliga-Star Dante ist in Nizza weiter der Abwehrchef und er bewies beim 2:1 zum Saisonstart gegen Amiens, dass auf ihn noch immer Verlass ist.
GoalBeim Stand von 1:1 tat sich Nizza in Überzahl (Amiens Eddy Gahore war vom Platz geflogen) schwer, den Heimsieg herauszuschießen. Also musste es Dante nach einer Standardsituation richten: Der 13-fache Nationalspieler Brasiliens köpfte nach einer Ecke den Siegtreffer und sorgte damit für den perfekten Start in die neue Saison.
Beim Torjubel dominierte Ausgelassenheit. Dante riss sich sein Shirt vom Leib und freute sich ekstatisch. Die Erleichterung war ihm und seinen Mitspielern nach der durchwachsenen Vorbereitung mit Testspielpleiten gegen Burnley und Wolfsburg anzusehen. Die Verwarnung wegen Trikotausziehens nahm er da in Kauf, auch wenn sie ihm nicht schmeckte.
"Ich möchte mich für die Gelbe Karte entschuldigen", sagte er anschließend und erklärte: "Ich sollte als gutes Beispiel vorangehen, aber in meinem Kopf gab es eine Explosion."
Während Nizza also knapp gegen Amiens die Oberhand behielt, tat sich Top-Favorit PSG gegen Olympique Nimes leichter: 3:0 hieß es im Parc des Princes für den Titelverteidiger. Edinson Cavani, Kylian Mbappe und Angel Di Maria schossen den Sieg für die Tuchel-Truppe heraus.
GoalÄhnlich gut kam auch Olympique Lyon aus den Startlöchern. Beim 3:0 gegen Monaco am Freitag glänzte Lucas Tousart und landete im Opta Performance Index mit einem Wert von 91,4 auf dem dritten Platz aller Ligue-1-Spieler.
Ein herausragendes Debüt erlebte Mathias Pereira beim 3:1-Sieg von SCO Angers gegen Bordeaux. Er ist der erste Spieler seit Neymar (PSG) 2017, der bei seinem Einstand im französischen Oberhaus je einen Treffer und eine Vorlage lieferte. Kein Wunder also, dass er im Performance Index mit 97,2 ganz oben auf dem Treppchen steht.
Ihm folgt Lille-Neuzugang Victor Osimhen. Der ehemalige Wolfsburger zeigte auf Anhieb, dass er in der Lage ist, den zu Milan abgewanderten Rafael Leao zu ersetzen. Er schnürte beim 2:1 gegen Nantes einen Doppelpack.
Die größte Überraschung am Startwochenende gab es zweifellos im Stade Velodrome. Olympique Marseille verlor sein Heimspiel unter dem neuen Trainer Andre Villas-Boas gegen Reims mit 0:2. Gästestürmer Boulaye Dia glänzte dabei mit zwei Scorerpunkten.
Unter den Keepern ragte Rennes-Schlussmann Romain Salin heraus. Nach der Verpflichtung von Edouard Mendy in diesem Sommer galt er eigentlich als Nummer zwei. Doch seine Vorstellung beim 1:0-Erfolg über Montpellier war ein ziemlich gutes Bewerbungsschreiben für einen Stammplatz zwischen den Pfosten. Salin parierte nicht nur Andy Delorts Strafstoß, sondern wehrte auch einen Versuch von Keagan Dolly sehenswert ab.
