GFX Dani Alves Stats

Dani Alves: Vom Genie verfolgt

An einem Abend Anfang März diesen Jahres dürften die Nachbarn von Dani Alves allen Grund gehabt haben, sich wegen Ruhestörung zu beschweren. Als Neymar, sein Bruder, wie er sagt, in der 88. Minute per Traumfreistoß das 4:1 für den FC Barcelona erzielte, hielt es Alves nicht mehr auf der heimischen Couch. "Vamooooos!", brüllte er den Fernseher an.

Erlebe Europas Top-Ligen live und auf Abruf auf DAZN. Jetzt Gratismonat sichern!

Dass wenig später Sergi Roberto eines der spektakulärsten Comebacks der Fußballgeschichte perfekt machte, Barca mit seinem Tor zum 6:1-Erfolg über PSG doch noch ins Viertelfinale der Champions League brachte, entfesselte Alves schließlich vollends. "Wie jeder andere Barca-Fan auf der Welt bin ich komplett durchgedreht", schrieb der Brasilianer in der Playerstribune.

Acht Jahre bei "Mes que un club", wie der FC Barcelona von seinen Fans genannt wird, hinterlassen eben Spuren. Ganz besonders im Fall von Dani Alves. Eine gefühlte Ewigkeit war er auf der rechten Seite der Katalanen unantastbar, gewann sechs spanische Meisterschaften, dreimal die Champions League. Und dann, vergangenen Sommer, plötzlich das Aus.

"Wurde ich von den Verantwortlichen ohne den nötigen Respekt behandelt? Absolut", sagt Alves über seine Ausbootung. Er fühlte sich als Sündenbock, immer wieder - und ging schließlich schweren Herzens.

Juventus ist Alves' neue Liebe

Nun, knapp ein Jahr später, ist klar: Alves hat eine neue Liebe gefunden. Barca wird immer in seinem Herzen sein. Doch mit Juventus Turin strebt er ähnlich große Dinge an. Denn am Samstagabend (20.45 Uhr im LIVETICKER) im Finale der Königsklasse gegen Real Madrid kann Alves das schaffen, was ihm einst auch in seiner Debüt-Saison für die Blaugrana glückte: Das Triple gewinnen.

"Ich denke manchmal, dass das Leben ein Kreislauf ist", sagt Alves. Nicht unbedingt, weil er mit Juve das gleiche Kunststück vollbringen kann wie 2009 und 2015 mit Barca. Sondern ausgerechnet wegen zweier Argentinier. "Bei Barca hatte ich Messi. Bei Juve habe ich Dybala. Genie verfolgt mich überall hin, ich schwöre", erklärt Alves.

Tatsächlich ist seine Beziehung zu Paulo Dybala eine besondere. Der Routinier und der Youngster haben beide häufig Flausen im Kopf, sind Spaßvögel, immer locker drauf. Einen Instagram-Post von Alves, den Dybala nicht liket, gibt es quasi nicht. Und die Bewunderung beruht auf Gegenseitigkeit.

GFX Dani Alves Stats

"Eines Tages im Training habe ich etwas in Dybala gesehen, das ich davor in Messi gesehen hatte. Es war nicht einfach nur das Geschenk puren Talents, das habe ich oft genug in meinem Leben gesehen. Es war das Geschenk puren Talents kombiniert mit dem Willen, die Welt zu erobern", betonte Alves.

Der 34-Jährige unterstützt Dybala, wo er kann, gibt ihm Tipps, Ratschläge. Doch Alves - das hatten viele vor der Saison, als er von Barca weggeschickt wurde und bei Juve unterkam, nicht erwartet - ist viel mehr als nur die erfahrene Vaterfigur. Er ist vor allem sportlich ein absoluter Schlüsselspieler. Und das bei einem der derzeit besten Teams der Welt.

Vor allem in den entscheidenden Spielen war es Alves, der das Geschehen in die richtigen Bahnen lenkte. Nicht nur im Finale der Coppa Italia, als er Juve mit seinem Führungstor gegen Lazio auf die Siegerstraße brachte. Sondern vor allem in den K.o.-Duellen der Champions League.

Im Achtelfinal-Hinspiel machte er Porto mit seinem Treffer zum 2:0-Endstand den Garaus. In den beiden Viertelfinals gegen Ex-Klub Barca führte er an, machte defensiv dicht, gewann gefühlt jeden Zweikampf. Und in den Halbfinalspielen gegen Monaco war er an drei der insgesamt vier Juventus-Tore direkt beteiligt.

Alves: "Leute denken, ich sei verrückt"

"Ob ich überrascht bin, dass ich in meiner Bestform bin?", fragte Alves hinterher. "Ich arbeite viel, ich liebe das Spiel sehr intensiv. Die Leute denken, dass ich verrückt sei. Aber wenn es um harte Arbeit geht, weiß ich, was zu tun ist", betonte der dreifache Königsklassen-Triumphator.

Alves hat jene, die bei Barcelona nicht mehr an ihn glaubten, Lügen gestraft. Er gehört gewiss noch nicht zum alten Eisen, sondern ist mittendrin statt nur dabei. Er hat nicht nur Genies, die ihn schier überall hin begleiten, er ist höchstselbst ein Genie. Getrieben von seiner Siegermentalität.

"Zu gewinnen ist bei Juve nicht nur ein Ziel, es ist Pflicht. Es gibt keine Ausreden", betont Alves. Mit jener Parole werden er und seine Teamkollegen auch am Samstag den Rasen von Cardiff betreten. Um ausgerechnet Barcas Erzrivalen Real zu schlagen und Juve erstmals seit 1996 wieder Europas Krone aufzusetzen. Ausgerechnet gegen die Mannschaft, mit der Alves während seiner acht Jahre in Barcelona so manche Clasico-Schlacht geschlagen hat.

"Es spielt keine Rolle, den Verantwortlichen von Barca zu beweisen, dass es ein Fehler war, mich gehen zu lassen", sagt Alves. "Ich weiß, dass sie das nie zugeben werden." Ebenso wenig, wie es einem echten Barca-Fan in den Sinn kommen würde, Real Madrid die Daumen zu drücken.

So wie Alves auf seiner Couch Anfang März werden die Anhänger der Blaugrana verrückt spielen, wenn ihr früherer Held den Henkelpott in die Höhe stemmt. Zwar aus ihrer Sicht im falschen Trikot. Aber mit dem richtigen Klub im Herzen. Und vom Genie verfolgt.

Werbung
0