Daley Sinkgraven, Ajax - Sparta, Eredivisie 02122017PROSHOTS

Daley Sinkgraven: Ajax Amsterdams Joshua Kimmich

Ein großartiges Mittelfeldtalent, das zum Rekordmeister wechselt und dort zum Außenverteidiger umgeschult wird - klarer Fall, die Rede ist von Bayern-Star Joshua Kimmich. Könnte sein! Aber es geht in diesem Fall um Daley Sinkgraven von SchalkesEuropa-League-Gegner Ajax Amsterdam. Der niederländische Junioren-Nationalspieler ist eines der größten Talente seines Landes und seine Entwicklung hat gerade erst begonnen.

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Mit 21 Jahren bereits Stammspieler, lässt sich Sinkgraven dabei eigentlich nicht mehr als reines Talent bezeichnen. In der laufenden Saison der Eredivisie verpasste der linke Verteidiger lediglich sechs Spiele, meistens musste er wegen Knöchelverletzungen pausieren, und auch in der Europa League wurde er von Trainer Peter Bosz nahezu immer aufgeboten.

Ajax bekam zunächst einen Korb

Seine ersten Erfahrungen mit dem Ball am Fuß sammelte Sinkgraven im zarten Alter von sechs Jahren bei der MVV Alcides, dem lokalen Verein seiner Heimatstadt Meppel. Später wechselte er in die Jugendakademie des SC Heerenveen, wo er ab der U17 alle Nachwuchsteams durchlief und beim 2:2 gegen Kerkrade im Januar 2014 als Teenager schließlich sein Debüt bei den Profis feierte.

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In Heerenveen wurde Sinkgraven vor allem als Linksaußen oder im offensiven Mittelfeld eingesetzt und erzielte in seiner ersten Saison in der Eredivisie hinter Stürmer Alfred Finnbogason vier Tore. Damals wurde er als Wunderkind angepriesen, als eines der aussichtsreichsten Talente des Landes und er erregte bereits in jungen Jahren das Interesse großer Vereine.

Auf der Suche nach einem geeigneten Nachfolger für den zu Manchester United abgewanderten Daley Blind wurde Ajax Amsterdam Mitte 2014 auf Sinkgraven aufmerksam. Der Rekordmeister sah schon damals in dem offensiven Mittelfeldmann einen potenziellen Außenverteidiger. Doch Sinkgraven entschied sich zunächst für einen Verbleib bei Heerenveen, um regelmäßige Einsätze und eine ruhige Entwicklung sicherzustellen.

Als er ein halbes Jahr später dann doch nach Amsterdam wechselte, musste er sich angesichts des Überangebots im Mittelfeld jedoch eingestehen, dass er im direkten Vergleich mit den gesetzten Spielern kaum eine Chance hatte. Sinkgraven patzte mehrfach, wenn er Einsatzchancen bekam, und die Ablöse von sieben Millionen Euro wirkte wie eine Fehlinvestition.

"Jede Minute ist eine Chance"

In Peter Bosz fand Sinkgraven jedoch einen Förderer, der seine Qualitäten erkannte und ihm auf einer neuen Position zum Stammspieler verhelfen sollte. Von Bosz wurde er zum Linksverteidiger umgeschult und zeigte nach anfänglichen Problemen brillante Leistungen.

"Jede Minute, die man spielen darf, ist eine Chance, sich zu beweisen. Dass ich das als Linksverteidiger tue, hätte ich niemals erwartet. Ich habe in meinem gesamten Leben meist als Mittelfeldspieler gespielt und es ist daher sehr ungewöhnlich, wenn ich meinen Namen plötzlich als Außenverteidiger auf der Tafel sehe", erklärte Sinkgraven seinen Umgang mit der neuen Rolle.

Doch er war entschlossen, die ihm gebotene Chance nicht zu verschwenden, und er profitierte von seinem Anpassungsvermögen.

Der moderne Außenverteidiger

Ist Ajax in Ballbesitz, lässt er sich nach innen treiben, agiert dann als ein zusätzlicher Mittelfeldspieler und ist dank seiner technischen Fähigkeiten und seiner Ruhe am Ball ein verlässlicher Partner im Passspiel. Zudem hat Sinkgraven stets den Kopf oben und bewahrt daher eine gute Übersicht, um steile Pässe in die Spitze zu spielen und dadurch Chancen zu eröffnen.

Lange Diagonalbälle des Gegners kann der Linksverteidiger entscheidend abfangen, außerdem besitzt er ein hohes taktisches Verständnis, das ihm ermöglicht, sich zu positionieren, um schnell wieder in Ballbesitz zu gelangen. Auch körperbetonte Duelle mit Flügelspielern bestreitet er mittlerweile mit deutlich mehr Erfolg, nachdem er anfänglich mit seinem schmächtigen Körperbau oft gegen robuste Kontrahenten das Nachsehen hatte.

Sinkgravens Problem ist noch die Konstanz in seinen Leistungen. Im Klassiker gegen den Erzrivalen Feyenoord Rotterdam unterlief ihm zum Beispiel ein haarsträubender Fehler, als er sich als letzter Mann verschätzte und sein Gegenspieler dadurch frei vor Torhüter Onana stand. Er kassiert außerdem verhältnismäßig viele Verwarnungen.

Trainer Bosz lobt den umgeschulten Mittelfeldspieler dennoch in höchsten Tönen und kann sich angesichts der zufriedenstellenden Leistungen auch vorstellen, ihn weiterhin auf der Position des Linksverteidigers spielen zu lassen: "Ich würde nicht mehr von einem Experiment sprechen. Er macht Fehler, aber das ist mit der Umstellung verbunden. Außerdem sehe ich überall Verteidiger, die Fehler machen", resümierte er die bisherige Saison. "Wenn ich auf das Gesamtbild schaue, denke ich, dass er diese Position sehr gut ausfüllen könnte."

Über Heerenveen und Amsterdam nach Barcelona?​

Wie die meisten Spieler träumt auch Sinkgraven davon, in einigen Jahren für den FC Barcelona aufzulaufen. Das jedenfalls hat er bereits klargestellt. Doch bis dahin wird er noch einige Hindernisse überwinden müssen: "Ich kann nicht sagen, dass ich eines Tages für Barcelona spielen werde. Ich muss im Training alles geben und der Beste sein", weiß der 21-Jährige die Situation realistisch einzuschätzen: "Man kann nicht ohne ein Sprungbrett von Heerenveen nach Barcelona wechseln."

Amsterdam ist für ihn die ideale Umgebung, um sich in der Eredivisie zu einem der besten Abwehrspieler zu entwickeln. Sein Anpassungsvermögen und die Fähigkeit, mehrere Positionen sicher bekleiden zu können, sind etwas, das Trainer heutzutage an jungen Spieler schätzen.

Sinkgraven und Joshua Kimmich - sie könnten auf der Außenverteidigerposition, auf der traditionell ein Mangel an Top-Spielern herrscht, die Zukunft ihrer Klubs sein. Auch, wenn sie auf ihr nie ausgebildet wurden.

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