Christian Eriksen nach Kollaps in EM-Spiel gegen Finnland im Krankenhaus: "Es geht ihm sehr viel besser"

Grauenvolle Szenen in Kopenhagen: Beim Spiel zwischen Dänemark und Finnland (0:1) ist Christian Eriksen ohne Gegnereinwirkung kollabiert und wurde mit einer Herzdruckmassage behandelt. Eriksen befindet sich aktuell im Krankenhaus, sein Zustand ist stabil. Dänemarks Mannschaftsarzt hat den dramatischen Kampf um Eriksens Leben in eindringlichen Worten beschrieben.

"Er lag auf der Seite, atmete und hatte auch Puls. Aber plötzlich änderte sich das, und wir haben mit der Herzmassage begonnen", sagte Mannschaftsarzt Boesen: "Wir haben es geschafft, ihn zurückzuholen."

Eriksen war bei einem Einwurf der eigenen Mannschaft in der 43. Minute ohne Gegnereinwirkung nach vorne umgekippt und lag bewusstlos am Boden. Der dänische Ärztestab eilte sofort auf den Platz, Eriksens Mitspieler stellten sich mit Tränen in den Augen schützend um ihn herum, um ihn von Kameras und den Blicken der Zuschauer im Stadion abzuschirmen.

Stille machte sich im Stadion breit, Tränen flossen. Spieler und Zuschauer waren geschockt. Der dänische Torhüter Kasper Schmeichel versuchte, Eriksens Partnerin Sabrina Kvist Jensen zu beruhigen. Unter dem Applaus der Fans wurde Eriksen dann mit Sichtschutz vom Platz getragen. Die dänischen Spieler hatten ihren Teamkollegen dabei begleitet.

Die Ärzte retteten schließlich sein Leben. "Ich habe die Szene selbst nicht gesehen", sagte Boesen, "aber er war ganz offensichtlich bewusstlos." Die Hilfe sei "sehr schnell und koordiniert gewesen" - und dadurch lebensrettend.

Christian Eriksen: "Es geht ihm sehr viel besser"

Mittlerweile soll es Eriksen wieder besser gehen. Das jedenfalls behauptet Giuseppe Marotta, Klubdirektor von Eriksens Klub Inter Mailand: "Es geht ihm sehr viel besser. Das Schöne ist, dass er eine Nachricht in unseren internen Inter-Chat geschickt hat. Er hat die Mannschaft beruhigt und gesagt, dass er bald zurück sein wird", sagte Marotta im italienischen TV-Sender Sky Sport. Marotta wollte nicht über die Gründe für Eriksens Zusammenbruch spekulieren, sagte aber: "Er war nicht an Covid erkrankt und er wurde auch nicht geimpft."

Nach dem Ende der Partie erklärte Dänemarks Nationaltrainer Kasper Hjulmand: Es habe "keinen Druck" von der UEFA gegeben, das Spiel noch am Samstagabend fortzusetzen.

"Wir hatten zwei Optionen: Das Spiel fortzusetzen oder morgen um 12 Uhr zu spielen. Jeder wollte heute weiterspielen. Was die Spieler geleistet haben, war unglaublich. Die Spieler waren sich sicher, heute nicht mehr schlafen zu können. Sie konnten sich nicht vorstellen, schlafen zu können und dann Sonntagmorgen zum Spiel in den Bus zu steigen. Es war besser, zu sagen: Wir bringen es jetzt hinter uns", sagte Hjulmand.

Christian Eriksen Denmark 2021
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Eriksens Freund Kjaer hat um Auswechslung gebeten

Es sei auch Eriksens Wunsch gewesen, die Partie zu beenden. Aber dies habe sich als "unglaublich schwierig" herausgestellt. "Die Spieler wollten es versuchen, aber einige waren nicht fähig zu spielen", sagte der ehemalige Mainz-Coach weiter: "Wir haben unser Bestes versucht. Du kannst auf diesem Niveau kein Fußballspiel machen, wenn du mit so einem harten Thema umgehen musst."

Kapitän Simon Kjaer habe beispielsweise um seine Auswechslung gebeten. "Er war sehr getroffen, sie sind sehr gute Freunde", erklärte Hjulmand. "Er wollte es versuchen, aber es war unmöglich. Die Gefühle haben ihn übermannt." Kjaer wurde in der 63. Minute durch Jannik Vestergaard ersetzt.

Der Wunsch der Spieler zur Spielfortsetzung verfestigte sich, nachdem sie während der Unterbrechung mit Eriksen sprachen. "Wir haben mit ihm Kontakt aufgenommen und die Spieler haben mit Christian gesprochen. Das ist die gute Nachricht. Ihm geht es gut und sie spielen das Spiel für Christian", sagte der dänische Verbandsdirektor Peter Möller während der Spielpause der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt DR. Für die Spieler sei es "wichtig gewesen" zu wissen, dass es Eriksen gut geht.

Eriksen-Vorfall: Kramer und Mertesacker sprachlos

Via Twitter hatte die UEFA mitgeteilt: "Auf Antrag der Spieler beider Mannschaften hat die UEFA zugestimmt, das Spiel zwischen Dänemark und Finnland heute Abend um 20:30 Uhr wieder aufzunehmen."

Die Zuschauer waren zuvor per Stadiondurchsage gebeten worden, auf ihren Plätzen zu bleiben. "Ich gehe von einem Abbruch aus", hatte Schiedsrichter Manuel Gräfe rund eine Stunde zuvor im ZDF gesagt.

Die Studiogäste im ZDF, Christoph Kramer und Per Mertesacker waren sprachlos. "So etwas habe ich noch nie erlebt", sagte Kramer, der um Worte rang. Mertesacker war mit seinen Gedanken bei Eriksen "und seiner Familie".

Für Sonntag hat das dänische Nationalteam sämtliche Medienaktivitäten gestrichen. Auch das Training wurde auf unbestimmte Zeit verschoben, wie der nationale Verband (DBU) am Morgen mitteilte. Trainer Hjulmand kündigte nach dem Spiel bereits an, dass der Verband den Spielern "professionelle Hilfe" zur Verfügung stellen werde.