Lionel Messi Barcelona 23042017Getty Images

Clasico-Wahnsinn zwischen Real und Barca: Ein Spiel wie ein Traum


HINTERGRUND


Träume sind vielfältig. Vor allem aber können sie gut oder schlecht sein. Wacht man auf, ist man entweder glücklich und erleichtert, weil all das doch nicht Realität ist. Oder aber man fragt sich: Warum kann es nicht einfach so schön weitergehen? Eines haben besonders intensive Träume aber immer gemein: Sie reißen mit.

Erlebe den irren Clasico noch einmal! Im Re-Live auf DAZN. Jetzt Gratismonat sichern!

Am Sonntagabend bescherten Real Madrid und der FC Barcelona Millionen von Fußball-Fans rund um den Globus eben jenes Gefühl. Fernab von der sportlichen Bedeutung. Über all das Prestige, die riesige Tradition und Emotion, die der Clasico ohnehin schon verkörpert, hinaus. Dieses Spiel war einzigartig. Es war wie ein Traum.

Und dazu hätte es den Schlussakkord nicht einmal gebraucht. Schon die 85. Minute hätte als Höhepunkt getaugt, als Moment, in dem man aufwacht und sich fragt: Ist das gerade wirklich passiert? Knapp vier Minuten zuvor war James Rodriguez von Zinedine Zidane aufs Feld geschickt worden.

Real vs. Barca: Die Bilder zum Clasico

Für Karim Benzema kam der Kolumbianer in die Partie. Auf den ersten Blick ein zweifelhafter Wechsel. Klar, Real war nach der Roten Karte gegen Sergio Ramos in Unterzahl. Alles-oder-Nichts hätte Zidane dennoch mit Recht gehen können. Stattdessen nahm er seinen zentralen Stürmer raus, brachte einen Mittelfeldmann.

Doch er sollte damit ein (beinahe) goldenes Händchen beweisen. Ausgerechnet James machte nicht einmal vier Minuten nach seiner Einwechslung das Tor zum 2:2. Ausgerechnet der Supertechniker, der bei den Königlichen nicht wie gewünscht zum Zug kommt, sich unlängst mit Zidane anlegte, dessen Abgang nicht unwahrscheinlich ist. Er war in dieser 86. Minute derjenige, der das vermeintlich entscheidende Tor zur Meisterschaft der Madrilenen beisteuerte. Und dann auch noch gegen Barca.

Die Schlagzeile war damit eigentlich fertig. Eigentlich. Doch Lionel Messi setzte noch einen drauf. Er, der - bei aller Wertschätzung für Cristiano Ronaldo - schlichtweg der beste Fußballer des Planeten ist, trieb das Ganze auf die Spitze. Den Wahnsinn, den dieser Abend im Bernabeu versprühte.

Von der ersten Sekunde an hielt der Clasico, was er eigentlich immer verspricht. Ein Spiel mit enorm viel Tempo, über weite Teile von beiden Teams mit offenem Visier geführt. Es ging hin und her, Chancen gab es hüben wie drüben. Casemiros Abstauber zu Madrids Führung glich - natürlich - Messi aus.

Lionel Messi schießt FC Barcelona zum Clasico-Sieg gegen Real Madrid

Das 1:1, das zur Pause auf der Anzeigentafel gestanden hatte, schmeichelte mit zunehmender Spieldauer den Gästen aus Katalonien. Real schien irgendwie mehr bereit zu sein, hatte die besseren Chancen, hatte mehrfach die große Gelegenheit zur erneuten Führung. Doch die Madrilenen vertändelten.

Und Barca? Da war es eben zwar vor allem Messi, aber nicht nur der argentinische Superstar, der die Headlines füllte. Auch das war einer der so vielen schönen Aspekte am Sonntagabend.

Marc-Andre ter Stegen sah beim Gegentor zum 0:1 zwar nicht optimal aus, zeigte später aber mehrere gute Taten, rettete glanzvoll gegen Benzemas Kopfball aus kurzer Distanz unmittelbar nach Wiederanpfiff. Und Ivan Rakitic packte mit dem linken Fuß einen Strahl aus, der die Blaugrana eine Viertelstunde vor Schluss mit 2:1 in Front brachte. Von einer verrückten Saison sprach der Kroate im Nachgang. "Wir spielen mal unglaublich gut und mal unglaublich schlecht", stammelte der noch sichtlich unter Adrenalin stehende Rakitic.

Ein Satz, der es auf den Punkt brachte. Auch für diesen Clasico. Barca offenbarte mitunter ungewohnte Schwächen, war unkonzentriert im Passspiel, von Dominanz im Mittelfeld streckenweise weit entfernt. Und dennoch feierten die Mannen von Luis Enrique am Ende. Wegen dieser einen magischen Szene in der zweiten Minute der Nachspielzeit.

Die Social-Media-Reaktionen zum Spiel Real gegen Barca

Wegen Sergi Roberto, dessen Urgewalt-Antritt den Grundstein legte. Und dank Messi, der das weite Rund des Erzfeindes zum Schweigen brachte. Mit einer Präzision, die ihresgleichen sucht. Entfesselt zog Messi sein Trikot aus, Toni Kroos blickte ihm nach. Mit einer Mischung aus Enttäuschung und Ehrfurcht.

Ein Bild mit Symbolcharakter. Für den Fight zweier Weltklasse-Teams, der viel mehr Spektakel und Unterhaltung als einfach nur Kampf war. Für ein Spiel, das dem Begriff Clasico würdig war, das wirklich keinen Sieger verdient gehabt hätte.

Dass Barca am Ende die drei Punkte einfährt - wenn man es denn wagt, das so nüchtern auszusprechen - lässt den Traum, den der Clasico entsponn, sogar ein Stück weit weiter gehen. Denn die Spannung in LaLiga könnte nun, da Barca und Real bei einem Spiel weniger auf Seiten der Königlichen punktgleich an der Spitze liegen, kaum größer sein.

Werbung
0