News Spiele
Borussia Dortmund

BVB-Talent Arweiler: "Pulisic und Passlack sind Vorbilder"

14:00 MESZ 31.03.17
Jonas Arweiler Borussia Dortmund
Jonas Arweiler wurde mit Christian Pulisic und Felix Passlack bei Borussia Dortmund Deutscher Meister. Im Interview spricht er über seine Entwicklung.

Christian Pulisic, Felix Passlack und noch viele mehr - Borussia Dortmund kann in Sachen Talente aus dem Vollen schöpfen. Die Jugendabteilung der Schwarz-Gelben gehört seit Jahren zu den besten Deutschlands. Meisterschaften in der U17 und der U19 sind in den vergangenen Jahren zur Normalität geworden. Einer, der zwei Titel mitfeiern durfte, ist Jonas Arweiler. In dieser Saison spielt der 19-Jährige sein erstes Jahr bei den Senioren - und hat sich in der Regionalligamannschaft des BVB inzwischen zu einem Stammspieler entwickelt.

Dabei war dies nicht immer selbstverständlich. Denn Arweiler musste im Jugendbereich schon lernen, dass es nicht immer nur bergauf geht. Im Goal-Interview spricht der Flügelflitzer über den großen Schritt zu einem absoluten Profiverein, schwierige Entscheidungsfindungen, den Unterschied zwischen Junioren- und Herrenfußball, sowie das Talent von Passlack und Pulisic.

Die 50 besten U19-Talente der Welt

Jonas Arweiler, Sie kommen eigentlich aus der Nähe von Saarbrücken. Ist Dortmund inzwischen Ihre neue Heimat geworden?

Jonas Arweiler: Absolut! Ich bin mittlerweile über dreieinhalb Jahre hier und fühle mich sehr wohl. Natürlich war es am Anfang schwer, weil ich die Familie und Freunde verlassen musste. Aber ich wurde hier von allen sehr gut aufgenommen. Ich habe schnell Freunde gefunden und fühle mich sehr wohl. Ich kann mir gut vorstellen, hier länger zu bleiben oder gar nach dem Karriereende irgendwann wieder herzuziehen. Ich finde Dortmund sehr schön und der Schlag Menschen gefällt mir sehr gut. Alle sind offen und ehrlich.

Wie war das für Sie als 16-Jähriger, den Schritt alleine nach Dortmund zu machen?

Arweiler: Ich bin ins BVB-Jugendhaus im Dortmunder Kreuzviertel gekommen. Dort haben wir mit mehreren Jugendspielern zusammengewohnt, die auch von weiter weg kommen und mehrere Leute haben sich um uns gekümmert. Meine Familie ist anfangs noch alle zwei Wochen übers Wochenende gekommen, mit der Zeit nahm das aber dann ab. Nach einem halben Jahr wurde das neue Jugendhaus am Trainingsgelände eröffnet und dort habe ich bis zum Ende meines ersten U19-Jahres gelebt. Dann hat man mir angeboten, auszuziehen und ich habe mit Till Schumacher eine WG eröffnet. Seit letztem Sommer wohne ich nun alleine.

Wie muss man sich das Zusammenleben im Jugendhaus vorstellen?

Arweiler: Ich muss zugeben, dass ich am Anfang etwas Sorgen hatte. Aber die Spieler, die dort gewohnt haben, haben es mir einfach gemacht, mich einzuleben. Man sieht sich die ganze Zeit. Jeder hatte sein eigenes Zimmer, sodass man sich auch zurückziehen konnte. Meistens haben wir aber unsere Zeit zusammen verbracht und Playstation gezockt. Es war eine schöne Gemeinschaft, weil man nie alleine war. Es gab ein gemeinsames Abendessen und wir haben füreinander gesorgt.

Von welcher Altersspanne reden wir?

Arweiler: Das alte Jugendhaus bot Platz für zwölf Spieler. Der Jüngste war damals 14 Jahre alt, der älteste 18. Wir haben also in der Altersspanne zwischen U15 und U19 zusammengelebt. Im neuen Jugendhaus haben wir dann mit 22 Spielern zusammengewohnt. Das war aber nicht mehr ganz so persönlich. Wir waren ja auch einfach eine größere Gruppe.


Goal-Korrespondent Stefan Döring traf Jonas Arweiler (rechts) zum Interview

Als die Anfrage vom BVB kam, waren Sie noch 15 Jahre alt. Wie wurde das in der Familie behandelt?

Arweiler: Meine Eltern haben mir gesagt, ich muss auf jeden Fall meinen Realschulabschluss machen. So lange blieb ich zu Hause. Als dann das Angebot vom BVB kam, wusste ich, dass ich den Schritt gehen muss, wenn ich Profifußballer werden möchte. Es war nicht einfach, weil ich eng mit Freunden und Familie verbunden war. Aber meine Eltern haben mich dabei unterstützt. Wir sind einmal nach Dortmund gefahren, weil Hannes Wolf (damaliger Jugendtrainer beim BVB, heute Cheftrainer des VfB Stuttgart, Anm.d.Red.) uns zu einer Führung über das Gelände und einem Gespräch eingeladen hatte. Ich habe in der Zeit hier bisher nichts bereut. Ich habe viele positive Erfahrungen gemacht und habe aus den schwierigeren Momenten gelernt.

Welchen Einfluss hatte Hannes Wolf auf Ihre Entscheidung und wie hat er Ihre Karriere gefördert?

Arweiler: Er hat damals den ersten Kontakt hergestellt. Er rief bei uns zu Hause an und sagte meinen Eltern, dass er mich gerne in Dortmund hätte. Schon damals haben wir miteinander gesprochen und er hat mir seine Ideen aufgezeigt. In Dortmund hat er mir dann einen kompletten Ablaufplan für meine nächsten Jahre aufgezeigt. Er war ein großer Faktor dafür, dass ich nach Dortmund gekommen bin.

Pulisic senior: "Christian liebt den BVB"

Wie groß war der Unterschied für Sie vom kleinen FC Saarbrücken zum großen BVB?

Arweiler: Das ist nicht zu vergleichen. Es sind Welten zwischen den beiden Vereinen - alleine vom Trainingsgelände oder vom Rhythmus her. Ich brauchte etwas, um mich daran zu gewöhnen. Ich habe es mir durch Leistung erarbeitet, hier auch schnell akzeptiert zu werden. Das U17-Jahr lief dann für mich sehr gut. Nach dem Erfolg bei den Profis sollte auch die Jugend wieder vorn angreifen. Was sich hier in den letzten Jahren entwickelt hat, ist wirklich beeindruckend. Schon in der Jugend hatten wir ein unglaublich hohes Niveau.

Sie haben in der U17 und der U19 jeweils den Titel um die Deutsche Meisterschaft gewonnen. Im U19-Finale gegen die TSG Hoffenheim haben Sie sogar doppelt getroffen. Inwiefern haben Sie diese Spiele vorangebracht?

Arweiler: Wir haben vor vielen Zuschauern in den großen Stadien gespielt. Da konnte ich natürlich sehen, was möglich ist. Gerade das U19-Finale hat mir sehr geholfen, weil ich im Jahr zuvor nicht mehr so viele Einsätze hatte, weil viel Konkurrenz da war. Es war für mich umso wichtiger, im Finale zu überzeugen, weil es mich für das erste Jahr in der U23 noch einmal gepusht hat. Ich habe mich gut bei den Senioren eingefunden und denke, dass ich in den letzten Monaten noch einmal einen Sprung gemacht habe.

In dieser Phase wurden Sie auf einmal auch wieder für die U20-Nationalmannschaft von Guido Streichbier nominiert. Hatte Sie das überrascht?

Arweiler: Ja, weil ich lange nicht mehr dabei war und ich auch im Verein nicht mehr Stammspieler war. Es war aber eine Bestätigung und hat meiner Karriere noch einmal Schwung gegeben. Es läuft sehr gut derzeit, aber der Verein steht für mich an erster Stelle. Die Nationalmannschaft war immer ein Bonus für mich. Es hat mich gepusht und ich habe wichtige Erfahrung sammeln können. Es kommen schließlich die besten Spieler des Jahrgangs für den Lehrgang zusammen. Viele spielen schon in der ersten oder zweiten Bundesliga. Da ist die Intensität und Qualität noch einmal anders. Dadurch entwickelt man sich weiter.

Das sieht man an Ihren Einsatzzeiten in der Regionalliga-Mannschaft von Borussia Dortmund. Wie groß war der Schritt vom Jugendfußball zu den Senioren?

Arweiler: Es geht nicht mehr nur um das Technische und Taktische. Darin werden wir in der Jugend beim BVB extrem gut ausgebildet. Es geht mehr um den körperlichen Aspekt, der in der Regionalliga enorm wichtig ist. Man kann technisch so gut sein, wie man will - man muss aber auch seinen Körper einsetzen können. Ansonsten wird es extrem schwer. Ich musste mehr tun im Kraftraum, weil auf einmal erfahrene 30-Jährige meine Gegenspieler waren und nicht mehr gleichaltrige mit einem ähnlichen Körper. Ich denke, dass ich diesen Schritt gut gegangen bin.

Wie sehr unterscheidet sich der Seniorenfußball auch im Training von der Jugend?

Arweiler: In der Jugend war der Ablauf des Trainings fast immer gleich, dennoch variabel gestaltet. Wir haben aber viel Wert auf das Spielerische gelegt. Jeder Fußballer freut sich, wenn er den Fuß am Ball hat und nicht nur laufen muss. Heute haben wir auch Einheiten, in denen es vor allem um Kraft, Ausdauer und Koordination geht.

Haben Sie sich mit dem Reifeprozess auf dem Platz auch neben dem Platz verändert? Immerhin spielen Sie beim BVB und verdienen als Profifußballer Ihr Geld.

Arweiler: Ich denke, dass es den Menschen verändern kann. Aber es kommt auf den Charakter an. Bei mir hat sich nicht viel verändert, weil ich immer noch sehr eng mit Freunden aus der Schulzeit meine Zeit verbringe. Meine Familie achtet auch darauf, dass ich nicht abhebe. Man hat jetzt viel mehr Freiheiten und nutzt die Zeit, um mehr mit Mitspielern oder Freunden zu machen. Der einzige Unterschied ist der, dass die Freunde, die jetzt studieren, tagsüber natürlich keine Zeit haben.

Bleiben Freundschaften so auf der Stecke?

Arweiler: Ich habe so viele Freundschaften geschlossen und mit allen bin ich noch immer in Kontakt. Natürlich ist das nicht immer so eng, als wenn man miteinander spielt. Aber ich habe noch zu einigen Kontakt. Sonst würde der Fußball auch keinen Spaß machen.

In der Jugend haben Sie mit Christian Pulisic und Felix Passlack zusammengespielt. Beide sind Ihnen aktuell einen Schritt voraus, weil beide zum Profikader gehören. Wie nehmen Sie die beiden wahr?

Arweiler: Beide sind natürlich Vorbilder. Sie haben vorgemacht, was man mit viel Einsatz und Willen erreichen kann. Mit Felix habe ich seit der U17 zusammengespielt und er hat sich von Monat zu Monat gesteigert. Man hat richtig gesehen, wie er immer besser wird. Er hat dem Druck der Erwartungen standgehalten. Darauf sind wir als Mitspieler auch stolz, weil er sich gegen uns durchsetzen musste (lacht). Er ist ein sehr bodenständiger Typ, mit dem man immer reden kann. Ich hoffe, dass er sich stets weiterentwickelt.

Und Christian Pulisic?

Arweiler: Mit ihm habe ich erst in der U19 zusammengespielt. Er hat schon von Anfang an extrem viel mitgebracht. Ich wusste sofort, dass es für ihn für ganz oben reichen wird. Er hatte extrem viel Qualität und hat in den Spielen oft den Unterschied gemacht. Er und Felix haben den Druck extrem gut angenommen und haben sich wirklich gut bewiesen.

Den Weg, den Sie und die beiden gegangen sind, ist der Vorzeigeweg zum Profifußballer. Es scheitern aber auf diesem Weg auch immer wieder Talente. Hat das für Sie eine Rolle gespielt?

Arweiler: Wenn man von Anfang an denkt, man könnte scheitern, sollte man sich sofort auf das "normale Leben" konzentrieren. Wenn man den Weg in den Profifußball gehen will, muss man dem viel unterordnen. Ich habe trotzdem das Abitur gemacht, weil mir bewusst ist, dass man ein zweites Standbein braucht. Es kann viel dazwischen kommen. Aber dieser Gedanke begleitet mich nicht im Alltag. Ich will gucken, wozu es reicht. Deswegen konzentriere ich mich jetzt auch erst einmal voll und ganz auf den Fußball und studiere noch nicht nebenbei. Ich will selbst wissen, wohin es mit mir gehen kann, wenn man nicht nebenbei noch andere zeitfüllende Dinge erledigen muss.

Wie schnell der Traum vom Profifußball vorbei sein kann, hat man in dieser Saison bei Dario Scuderi aus der U19 gesehen. Sie haben mit Ihm zusammengespielt. Wie geht es ihm heute?

Arweiler: Man sieht sich regelmäßig auf dem Trainingsgelände. Was ihm im Youth-League-Spiel passiert ist, ist extrem bitter. Er hat sich sehr, sehr gut entwickelt und war absolut auf dem richtigen Weg. Er hat alle Voraussetzungen für den Profifußball. Es gibt aber so viele Dinge, die einfach passieren können. Wir sprechen ab und zu miteinander, wenn wir uns sehen. Er arbeitet gerade sehr hart daran, wieder gesund zu werden. Wir sprechen dann aber nicht über die Verletzung, damit hat er genug zu tun.

Sie sind aktuell mit der BVB-U23 extrem erfolgreich und könnten am Ende doch nicht aufsteigen. Schuld ist die Regionalliga-Relegation. Wie sehen Sie diesen Modus?

Arweiler: Es ist ärgerlich. Wir spielen eine Top-Saison und unser Ziel ist natürlich der erste Platz. Wir dürfen uns aber keine Fehler erlauben. Wir machen uns derzeit keine Gedanken um das Relegationsspiel. Wir wussten, dass es kommen kann. Deshalb ärgert uns das auch momentan nicht.

Ärgern dürften Sie aber die Spieltagsüberschneidungen mit den Profis, weshalb Sie oft vor wenigen Zuschauern spielen müssen. Denn eigentlich wird die U23 von den BVB-Fans sehr gut unterstützt.

Arweiler: Jeder Fußballer spielt auch für die Fans. Wir haben das Riesenglück, dass wir als U23 eine große Fanbasis durch die Profis haben. Wir freuen uns immer darüber, wenn die Fans für uns da sind. Umso ärgerlicher ist es, wenn es zu Spieltagsüberschneidungen kommt, weil wir dann vor 300 Zuschauern spielen anstatt vor 3000. Je mehr da sind, desto mehr freut sich doch jeder. Ich kann nicht verstehen, warum der Verband so entscheidet. Fußball ohne Fans ist wie Hallenhalma. Es passt einfach nicht. Es fühlt sich unfassbar geil an, vor vielen Fans zu spielen. Den Sieg müssen wir aber trotzdem einfahren (lacht).

Ihr Vertrag läuft jetzt noch ein Jahr. Wo sehen Sie sich in diesem einen Jahr - und in fünf?

Arweiler: Ich will weiter Spielzeiten sammeln. Ich will mich im körperlichen, taktischen und spielerischen Bereich steigern. Meine Ansprüche steigen aber, je besser es läuft. Irgendwann muss man dann vielleicht den Sprung wagen. Ich würde gerne irgendwann höher spielen - am liebsten mit den Amateuren. Ein Traum bleibt natürlich ein Spiel vor der Südtribüne.