BVB lehnt Aussprache ab! Fronten im Zwayer-Streit verhärtet


HINTERGRUND

Felix Zwayer würde gerne reden, die BVB-Chefetage hat darauf so gar keine Lust - und der Schiri-Boss sieht seinen Schützling sowieso ungerecht behandelt. Im Fall Bellingham/Zwayer erscheint eine gütliche Einigung ferner denn je. Die Debatte nach der heftigen Schiedsrichter-Schelte von Jude Bellingham zieht sogar weitere Kreise und dürfte sich fortsetzen, die Fronten sind verhärtet.

Für die festgefahrene Lage sorgten die Protagonisten selbst. Zunächst ließ Zwayer über die Bild-Zeitung verlauten, dass er gerne mit Bellingham sprechen und eine "aufrichtige Entschuldigung" annehmen würde. Als Reaktion trat Hans-Joachim Watzke auf den Plan. Dem Geschäftsführer von Borussia Dortmund missfiel die Art der Zwayer-Offensive derart, dass er den Unparteiischen eiskalt abblitzen ließ.

Watzke stinksauer: "So geht das nicht!"

"Wenn Herr Zwayer mir und Michael Zorc heute ein Schreiben schickt und ein Gespräch anregt, kann man darüber diskutieren", sagte Watzke bei Amazon Prime: "Wenn ich aber eine Stunde später das Gleiche schon in den Medien lese, mit Originalzitaten, muss ich ganz ehrlich sagen: Ich führe keine vertraulichen Gespräche mit irgendjemandem, wo ich es eine Stunde später schon irgendwo im Boulevard stehen habe. So geht das nicht. Ich sehe da keine große Realisationschance."

Mit seiner Argumentation nahm Watzke dem Referee geschickt den Wind aus den Segeln. Der Vorstoß Zwayers verpuffte - trotz der deutlichen Wortwahl. Bellinghams Kommentar war nach Ansicht Zwayers "persönlich, verunglimpfend und respektlos", hatte "beleidigenden und verleumderischen Charakter" und dürfe "so nicht stehenbleiben". "Ich sorge mich um die Verrohung im Umgang mit allen Schiedsrichtern", hatte Zwayer betont: "Ich frage mich persönlich, wo Respekt und Fair Play bleiben."

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Schiedsrichter-Chef Fröhlich verteidigt Zwayer

Das fragt sich auch Schiedsrichter-Chef Lutz Michael Fröhlich. Nach Ansicht Fröhlichs wird Zwayers Rolle im Hoyzer-Skandal oftmals nicht korrekt dargestellt. "Was viele nicht wissen: Felix Zwayer gab damals den entscheidenden Impuls für die Aufklärung des sogenannten Hoyzer-Skandals", sagte Fröhlich der Sport Bild: "Ohne seine Information hätte es damals, zu diesem Zeitpunkt, keine Anzeige des Vorfalls gegeben."

2004 hatte Zwayer als Assistent Geld vom Drahtzieher Robert Hoyzer angenommen. Später deckte er den Skandal mit auf, eine Manipulation wurde ihm trotz Sperre nie nachgewiesen. Zwayer gab noch einmal zu: "Ich habe als junger Mann den Fehler gemacht, nicht sofort, sondern erst nach zu langer Überlegung einen Vorfall anzuzeigen. Das war falsch und ich bin dafür bestraft worden. Damit muss es dann aber auch gut sein."

Die neuerliche Debatte um Zwayer wurde durch Jungstar Bellingham ausgelöst. Der Engländer hatte Zwayer nach dem Topspiel zwischen dem BVB und Bayern München (2:3) hart angegangen. "Man gibt einem Schiedsrichter, der schon mal Spiele verschoben hat, das größte Spiel in Deutschland. Was erwartest du?", hatte der 18-Jährige gesagt.

Dafür wurde Bellingham vom Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) mit einer Geldstrafe in Höhe von 40.000 Euro belegt. "Die Aussage gehört sich nicht", sagte Fröhlich: "Sie ist aber augenscheinlich auch das Ergebnis, dass einzelne Personen dieses Thema in 17 Jahren immer wieder strapaziert haben."

Damit bezieht sich Fröhlich augenscheinlich auf Manuel Gräfe, der an der Aufdeckung des Hoyzer-Skandals maßgeblich beteiligt war. Der Ex-Referee ist der Meinung, dass Zwayer aufgrund seines damaligen Verhaltens nicht mehr als Schiedsrichter im Profibereich aktiv sein dürfte.