BVB als Herbstmeister: Das Erfolgsrezept der Turbo-Dortmunder

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Borussia Dortmund hat sich vorzeitig zum Herbstmeister der Bundesliga gekrönt. Bei den Verantwortlichen des BVB sorgt das höchstens für Zufriedenheit.

HINTERGRUND

Der kicker hatte am Donnerstag eine schöne Begrifflichkeit parat. "Journalisten-Catenaccio" wurde dort das genannt, was Lucien Favre in steter Regelmäßigkeit auf Pressekonferenzen abzieht. Der Trainer von Borussia Dortmund gibt sich dabei nämlich nicht nur charmant, sondern auch sehr defensiv, vor- und undurchsichtig.

Favres Antworten sind manches Mal so dürftig und nichtssagend, dass man sich als Pressevertreter schon fast veralbert vorkommen könnte. Neuestes Beispiel am Samstagabend nach dem 2:1-Sieg über Werder Bremen: "Jemand hat mir nach dem Spiel gesagt, wir sind jetzt Herbstmeister." Wer's glaubt.

Dass Favre immer wieder so banal und abstrus bleibt, liegt natürlich auch an der Sprachbarriere, die ihm deutlich zu schaffen macht. Viel wichtiger war jedoch die Botschaft, die er zwei Sätze später sendete: "Die Herbstmeisterschaft bedeutet mir nicht viel. Das ist gut, wir sind zufrieden, aber wir haben noch zwei Spiele und das nächste ist immer das Wichtigste."

Favre: "Wir können unsere Philosophie nicht ändern"

Dieses Mantra predigt der Schweizer seit Beginn der Pflichtspielsaison. "Wir machen mit der Spiel-zu-Spiel-Philosophie weiter", sagte Favre vor dem Bremen-Spiel. Und danach: "Spiel für Spiel weiter so. Wir können unsere Philosophie nicht ändern."

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Da man damit bislang so extrem erfolgreich fährt, haben sich einige Dortmunder diesen Sprachgebrauch ebenfalls angewöhnt. Bei Sportdirektor Michael Zorc, seit dieser Saison stets Favres Nebensitzer bei den BVB-Pressekonferenzen, hörte sich das unter der Woche so an: "Wir sind dahin gekommen, weil wir kleine Schritte gemacht haben. Nicht, weil wir angefangen haben zu rechnen - oder uns mit irgendwelchen Titeln zu beschäftigen."

Nur mit der Ruhe, eins nach dem anderen, sich auf das Wesentliche konzentrieren - das ist ja auch in der Tat keine schlechte Rezeptur, wenn man erfolgreich unterwegs ist und der Erfolg auch ein wenig überraschend daherkommt. Denn dass der BVB am 15. Spieltag mit neun Punkten Vorsprung Herbstmeister, emotionaler Derbysieger und Erster seiner Champions-League-Gruppe ist, war alles andere als zu erwarten.

BVB-Herbstmeisterschaft? "Psychologisch nicht schlecht"

Nun sind dies aber die nackten Fakten und damit wird es künftig, spätestens zur Rückrunde, immer schwerer, an der mit einem gewissen Understatement unterlegten Haltung festzuhalten. Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke traute sich zumindest ein wenig aus der Deckung und meinte: "Für den Titel kriegt man nichts. Ihn zu haben, ist psychologisch aber nicht schlecht."

Favre wurde später noch die Frage aller Fragen gestellt und wie gewohnt wich der Schweizer aus: "Ich will noch nicht darüber sprechen, ob wir in der Lage sind, den Meistertitel zu holen."

***GER ONLY*** Marco Reus BVB Werder Bremen

Im neuen Jahr wird der Druck auf die ungeschlagenen Dortmunder nicht nur deshalb steigen, weil jede Mannschaft versuchen wird, dem BVB die Premieren-Niederlage in dieser Saison zuzufügen. Denn wer so dominant auftritt und derart deutlich die Tabelle anführt, der möchte in der zweiten Saisonhälfte nicht enttäuscht werden - und wird nicht umhinkommen, die Meisterfrage immer häufiger gestellt zu bekommen. Man könnte auch sagen: der muss im Grunde auch die Schale holen.

Zunächst jedoch, das darf als sicher wie sinnvoll gelten, wird Dortmund sein Eins-nach-dem-anderen-Mantra beibehalten. Der Blick in die (nahe) Zukunft verheißt zudem weitere gute Nachrichten. "Wenn wir Zeit haben, gut zu trainieren - das ist das Wichtigste für uns", sagte Favre nach dem zwölften Saisonsieg der Borussia.

Winter-Vorbereitung wohl mit dem Großteil des Kaders

Der Coach wird während der 25 Tage andauernden Winterpause vor allem im Trainingslager im spanischen Marbella erstmals die Gelegenheit haben, voraussichtlich mit dem Großteil des Kaders in Ruhe arbeiten zu können. Regelmäßige Trainingseinheiten sind im atemlosen Drei-Tages-Rhythmus nämlich kaum möglich und als Favre beim BVB im Sommer begann, konnten die Nationalspieler und Verletzten erst nach und nach in den Betrieb eingegliedert werden.

Auch Kapitän Marco Reus, mit 18 Scorerpunkten einer der Erfolgsgaranten, betonte nach dem Spiel die Wichtigkeit der gemeinsamen Trainingszeit: "Ich konnte die Vorbereitung mitmachen und das ist für mich und meinen Körper einfach eine Basis, die ich brauche. Ich bin sehr, sehr glücklich, dass es momentan so läuft. Aber man muss weiterarbeiten, dass es auch so bleibt."

Passiert während der Winter-Vorbereitung nichts Unvorhergesehenes, stehen die Chancen gut, dass der BVB der Rückrunde nicht deutlich schwächer auftritt als jener der Hinrunde. Spannend wird dann vor allem sein, ob die Dortmunder mit der permanenten Favoritenrolle weiterhin so gut umgehen können wie bisher.

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