Bundesliga - 5 Thesen zum 19. Spieltag: Thomas Müller muss mit zur EM - Silva ist der bessere Haaland

Der 19. Bundesliga-Spieltag ist Geschichte und hatte mal wieder einige interessante Themen parat. Goal und SPOX blicken auf das Wochenende zurück.

HINTERGRUND

Eintracht Frankfurt hat den besseren Erling Haaland, Dortmund einen (un)heimlichen Anführer, Hertha BSC eine unnötige Baustelle mehr und Joachim Löw in der Theorie einen Stammspieler für die EM. Die vagen Behauptungen werden wie immer untermauert von den Talking Points zum 19. Spieltag.

Hertha BSC macht eine unnötige Baustelle im Tor auf

Herthas Saison bleibt sehr schwierig, auch der alte Neue Pal Dardai konnte nicht einfach durch Handauflegen die Wende einläuten. Immerhin versuchte es der Trainer gegen Frankfurt mit allerhand Wechselspielchen, insgesamt tauschte Dardai seine Startelf auf fünf Positionen um. Bei den Feldspielern ist das ein recht normaler Vorgang, zumal nach einer Negativserie wie zuletzt.

Dass Dardai aber auch Alexander Schwolow aus dem Tor nahm und auf Rune Jarstein setzte, war nicht nur überraschend - es verwunderte auch. Zwar war Schwolow auch nicht immer frei von Fehlern, in einer Mannschaft ohne tragfähiges Gerüst war er mit seiner kommunikativen Art aber noch eine der positiveren Erscheinungen und ganz sicher nicht der Grund für den Niedergang.

Die Hertha hatte und hat gewiss einen Sack voller Probleme - ein Torhüterproblem war bisher aber nicht auszumachen. Jarstein hielt in Frankfurt, was er halten konnte. Das rechtfertigt Dardais Entscheidung für dieses eine Spiel. Aber wie geht es jetzt weiter? Jarstein dürfte ziemlich sicher weiter die Nummer eins bleiben.

Nur muss das in den nächsten Wochen aber halt auch wirklich klappen mit der Rochade und Jarstein mindestens ordentlich halten. Sonst kommt Dardais Winkelzug wie ein Boomerang zurück. Und dann stünde die Hertha gleich mit zwei beschädigten Torhütern da.

FC Bayern: Thomas Müller muss zur EM!

Im allgemeinen Trubel der ersten Bayern-Spieltage - 8:0 gegen Schalke, 1:4 in Hoffenheim, 4:3 gegen Hertha - gingen Thomas Müllers Worte beinahe etwas unter. Während alle Welt vor der zu erwartenden Überbelastung warnte, die spätestens nach der Winterpause voll durchschlagen würde, verwies Müller beharrlich auf eine ganz andere These: Als Profi müsse man auch dieses etwas straffere Programm aushalten können, Ausreden gelten nicht.

Thomas Müller Hansi Flick Bild: Getty Images

Nun ist etwas mehr als die Hälfte der Saison gespielt und Müller selbst liefert den Beweis, wie ernst er es zumindest bezogen auf ihn persönlich meinte. Während genug andere Spieler im Tief hingen oder hängen, wird Müller gefühlt Woche für Woche noch stärker. Nur in sechs der bisher 19 Partien war Müller nicht an mindestens einem Bayern-Tor direkt beteiligt, seine 19 Scorerpunkte teilen sich bis jetzt auf in zehn eigene Treffer und neun Vorlagen.

So gut war Müller zu diesem Zeitpunkt einer Saison noch nie. Die Dauerwerbesendung bekam am Wochenende live und in Farbe auch Joachim Löw mit, der sich mal wieder in eine Fußballstadion begeben hatte und Müller hautnah erlebte.

Der Bundestrainer hält sich mit einer möglichen Rückholaktion des Weltmeisters immer noch bedeckt, aber mal ehrlich: Müller ist derzeit nicht nur der gefährlichste deutsche Angreifer, sondern auch der einzige, dem man das Prädikat "Weltklasse" anheften könnte - und der die aktuellen Nationalstürmer in seinem Klub, Leroy Sane oder Serge Gnabry, deutlich überflügelt.

Schalke 04: Hoppe allein macht noch keinen Klassenerhalt

Die erste Halbzeit in Bremen war sehr ordentlich, der FC Schalke 04 hatte sechs zu zwei Torschüsse, 65 Prozent Ballbesitz und natürlich ein Tor Vorsprung im Sack. Allerdings war es nicht die frappierende Schalker Überlegenheit, die diese Zahlen generierte, sondern eine unglaubliche Bremer Nichtleistung im eigenen Stadion gegen den Tabellenletzten, die den Gegner gut dastehen ließ.

Schalke durfte auf Bremer Geheiß hin so etwas wie Offensivdrang entwickeln - in der zweiten Hälfte war damit aber dann abrupt Schluss. Werder wollte auf einmal selbst Fußballspielen und sofort wurde das Kardinalproblem der Schalker wieder offenkundig: Die Mannschaft ist immer noch viel zu schwach auf der Brust, wenn sie in der Offensive etwas entwickeln soll.

Schalke hatte in der kompletten zweiten Halbzeit nicht einen einzigen Ballkontakt innerhalb des Bremer Strafraums, der spät eingewechselte Klaas-Jan Huntelaar berührte dreimal den Ball und beging ein Foul kurz vor dem eigenen Strafraum. Das war's. Mark Uth, der andere große Hoffnungsträger im verzweifelten Kampf gegen den Abstieg, schoss einmal Richtung Tor.

Der ehemalige Nationalspieler wartet nun seit Ende November und acht Spielen auf eine Torbeteiligung. Schalke muss endlich anfangen, Spiele zu gewinnen. Nur mit dem in Bremen unsichtbaren Matthew Hoppe als einigermaßen verlässlichem Torschützen (fünf Tore in den vergangenen fünf Spielen) bleibt der Klassenerhalt eine Utopie.

Eintracht Frankfurt: Andre Silva ist der bessere Haaland

Eintracht Frankfurt bleibt das Team der Stunde in der Bundesliga, das 3:1 gegen Hertha BSC war der fünfte Sieg im sechsten Spiel im neuen Kalenderjahr, die Eintracht springt damit auf Rang vier. Das Ziel "Europa" könnte man schon bald vielleicht etwas konkreter fassen und auch mal an die Champions League denken. Jedenfalls stellt Frankfurt aktuell die heißeste Offensive der Liga.

Seit der Rückkehr von Luka Jovic scheppert es im Schnitt alle knapp 28 Minuten im gegnerischen Tor, Frankfurts Angriff ist sowohl in der Spitze als auch in der Breite überragend aufgestellt. Filip Kostic, Daichi Kamada, Aymen Barkok, Amin Younes, Jovic und natürlich Andre Silva sind durch die Bank Spieler, die eine Partie im Alleingang entscheiden können. Wobei Silva mittlerweile absolut herausragt.

GERMANY ONLY: ANDRE SILVA EINTRACHT FRANKFURT Bild: imago images / Moritz Müller

Der Portugiese ist ein Killer vor dem Tor, steht jetzt bei 16 Saisontoren und damit hinter Robert Lewandowski auf Rang zwei. Ausgelassene Torchancen von Silva sind eine Rarität, weshalb er Erling Haaland im Rennen um den "Best of the Rest"-Award hinter dem meilenweit enteilten Lewandowski gefährlich werden könnte. Derzeit jedenfalls ist Silva vor dem gegnerischen Tor noch eine Spur kälter als Haaland.

Sinnbildlich dafür: Während der Norweger seinen Elfmeter am Wochenende ans Augsburger Gebälk beförderte, schoss Silva seinen Strafstoß in der 95. Minute so, wie es im Lehrbuch steht. Hart und platziert in ein Eck. Jarstein hatte sogar die richtige Ahnung, aber der Schuss war einfach zu gut.

BVB: Thomas Delaney ist mehr als ein heimlicher Anführer

Mal ein paar Zahlenspiele: Borussia Dortmund hat in Spielen mit Thomas Delaney auf dem Platz im Schnitt 2,4 Punkte geholt, hochgerechnet auf 19 Spieltage wären dies knapp 46 Punkte und damit Platz eins in der Tabelle. Ohne Delaney, der ein paar Spiele verletzt verpasste, bei ein paar nicht aufgestellt wurde und einmal wegen einer Gelbsperre verhindert war, liegt Dortmunds Punkteschnitt bei 0,4 pro Spiel. Also zwei Punkte weniger als mit dem Dänen auf dem Platz.

Vielleicht ist das alles ja nur ein großer Zufall. Wahrscheinlicher ist aber dann doch ein direkter Zusammenhang zwischen Delaneys Arbeit und der Punktausbeute der Mannschaft. In einer einmal mehr wackeligen Saison mit Höhen und Tiefen ist Delaney die große Konstante und in der schwierigen Phase derzeit der Spieler, an dem sich die Mannschaft orientieren kann. Einer, der durch seine Leistungen unantastbar ist.

Während Marco Reus offenbar zu viel mit sich selbst zu tun hat, Axel Witsel verletzt ist, Lukasz Piszczek nur noch auf der Bank sitzt und Roman Bürki umstrittener denn je scheint, nimmt Delaney den Platz neben Mats Hummels ein und versucht die Mannschaft zu lenken.

Schließen