HINTERGRUND
Robert Lewandowski hat bei Liegestützen Töchterchen Klara auf dem Rücken, Thomas Müller trainiert im Garten mit seinem Hund, wenn er nicht gerade für seine Fans kocht oder den Hasenstall sauber macht - und einige Nationalspieler wie Jerome Boateng oder Leroy Sane jonglieren lässig mit einer Klopapierrolle. "Wenn Leroy zehn Kontakte schafft, fress ich einen Besen und poste es in meiner Story", schrieb Thilo Kehrer in den Sozialen Medien zu der sich verbreitenden "Challenge".
Was lustig klingt, hat einen ernsten Hintergrund: Die Corona-Pandemie wirkt sich auch massiv auf den Trainingsalltag der Stars aus und führt zu teils skurrilen und kreativen Maßnahmen. Das Ziel im "Home Office" ist aber bei allen dasselbe: Sie wollen sich bis zur Fortsetzung der Saison, wann immer das auch sein wird, irgendwie fit halten.
Von den Klubs gab es für die Spieler für die Zeit zu Hause genaue Trainingspläne und Videos - den Bayern-Profis wurden sogar Fahrrad-Ergometer geliefert. Die aktuell schwierige Zeit erfordere eben "in vielerlei Hinsicht besondere Maßnahmen", teilte der Rekordmeister mit.
Werder Bremen: Florian Kohfeldt will "individuell konditionelle Reize setzen"
Am Mittwoch etwa absolvierte der Bundesliga-Spitzenreiter per Videoschalte unter Anleitung von Trainer Hansi Flick sein erstes "Cyber-Training" inklusive Stabilisationsübungen und einer Runde Spinning. Für Flick ist dabei neben dem Fitnessaspekt wichtig, "dass wir täglich in Kontakt stehen".
Alles wird dabei genau erfasst. "Sie haben alle Uhren mitbekommen, auf denen die Läufe einprogrammiert sind. Das Monitoring-Programm läuft ganz normal weiter", erklärte Bremens Coach Florian Kohfeldt. Er spricht von "vollen Trainingstagen" für seine Spieler, "was wegfällt, ist das taktische Arbeiten auf dem Platz".
Grundsätzlich wolle man bei Werder "die Zeit nutzen", so Kohfeldt weiter, "um individuell konditionelle Reize setzen zu können". Oliver Schmidtlein, früherer Fitnesscoach beim FC Bayern, sieht jedoch "für so hoch trainierte Athleten wie Fußball-Profis keinen Reiz, der sie jetzt weiterbringt. Es ist mehr ein Formerhaltungstraining", sagte er der tz.
Deshalb startet etwa RB Leipzig am Freitag wieder in eine Art Mannschaftstraining, um Defizite möglichst gering zu halten, der FC Augsburg will ab Montag wieder in Gruppen auf dem Platz üben.
Wolfsburg-Boss Schmadtke fordert: "Einfach mal das Hamsterrad anhalten"
Für Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge ist dies jedoch nicht der richtige Weg. Die Münchner Stars sollen weiter im "Home Office" trainieren. Man wolle "auch hier Vorbild sein, weil ich das Gefühl habe, dass es immer noch Menschen gibt, die vielleicht nicht umfänglich verstanden haben, wie ernst die Lage ist", betonte Rummenigge.
Um halbwegs Chancengleichheit zu haben, schlägt Trainerlegende Jupp Heynckes in der Hoffnung auf einen Liga-Restart zum 10. Mai im kicker vor, "die Spieler sofort für zweieinhalb Wochen in Urlaub zu schicken. Danach hätte jeder Verein die gleich lange Vorbereitungszeit." Umsetzbar ist das kaum.
So versuchen Vereine und Profis weiter, die Zeit mit (Heim-)Training einigermaßen sinnvoll zu nutzen. Oder die Fans zu unterhalten. Zweitligist Hannover 96 veröffentlicht ein "14-Tage-Buch", in dem die unter Quarantäne stehenden Spieler aus ihrem Alltag erzählen. Da berichtet Torwart Ron-Robert Zieler vom vermeintlichen Fehleinkauf seiner Frau eines Tischtennis-Sets.
Über derartige Auswüchse kann sich Wolfsburgs Geschäftsführer Jörg Schmadtke nur wundern. "Ernsthaft? Das finde ich nicht richtig", sagte er der FAZ: "Es wäre gut, das Hamsterrad einfach mal anzuhalten. Zumal die Weisheiten, die der Sport hervorbringt, nicht immer der Weisheit letzter Schluss sind."
