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Bundesliga

Borussia Dortmund: In Schönheit sterben

08:00 MESZ 05.04.17
Borussia Dortmund Hamburger SV 04042017
Borussia Dortmund macht auch gegen den HSV zu wenig aus den Chancen. Spieler und Trainer mahnen vor den kommenden Spielen zu mehr Effektivität.

"Wir dürfen uns keine Ausrutscher mehr leisten", sagte Michael Zorc deutlich. Gerade eben hatte Borussia Dortmund am Ende deutlich mit 3:0 gegen den Hamburger SV gewonnen. Eigentlich könnte der BVB-Sportdirektor also gelassen in die zweite Wochenhälfte blicken. Ihn störten aber einige Dinge, die er in den 90 Minuten zuvor gesehen hatten. Trotz seiner Mahnung nach dem Revierderby gegen den FC Schalke 04 zu mehr Effektivität im Abschluss fehlte seiner Borussia genau diese auch gegen die Hanseaten.

Souveräner BVB-Dreier gegen den HSV

Lange musste die Mannschaft von Trainer Thomas Tuchel wieder zittern. Erst in der 81. Minute schoss der seit Wochen famos aufspielende Shinji Kagawa das entscheidende 2:0 nach bärenstarker Vorarbeit von Pierre-Emerick Aubameyang. In der Nachspielzeit machte der Gabuner, der nach seinem Maskenjubel im Derby gegen den HSV sogar als Kapitän auflaufen durfte, das 3:0. Dabei war es gerade er, der im gesamten Spielverlauf wieder mehrere Großchancen ungenutzt ließ (5., 27., 43., 73.) und so seinen Sportdirektor und wohl auch die meisten der BVB-Fans im Stadion verzweifeln ließ.

Castro wollte Kräfte sparen

Für Gonzalo Castro ein Unding. "Wir haben das Spiel unnötig lange offen gehalten. Wir hätten Kräfte sparen und vom Kopf her runterfahren können. Stattdessen mussten wir bis zum Schluss arbeiten", ärgerte sich der Torschütze zum 1:0 gerade mit Hinblick auf den vollen Terminkalender im April mit neun Spielen in 29 Tagen.

Dabei hatte er seine Borussia früh im Spiel auf die Gewinnerstraße gebracht. Mit seinem ersten Freistoßtor für den BVB überwand er Rene Adler im Hamburger Tor überraschend leicht. Er selbst hatte genau auf den Fehler des HSV-Schlussmanns spekuliert. "Ich hatte gesehen, dass er den Schritt in die Mitte gemacht hat", sagte Castro mit einem Grinsen im Gesicht.

Kagawa hinterlässt wieder Spuren beim BVB

In der Folgezeit des Spiels gingen die Dortmunder aber wieder einmal zu sorglos mit den eigenen Chancen um. Nicht nur Aubameyang, sondern auch Ousmane Dembele und Shinji Kagawa leisteten sich lange einen Wettkampf darin, wie man am besten beim Torabschluss in Schönheit sterben kann. Immer wieder wurde statt des Abschlusses der nächste Gegenspieler zum Aussteigen lassen gesucht. Ein Tor sprang auf diese Weise lange Zeit nicht heraus. Erst als die Hamburger in der Schlussphase weit aufmachten, spielten die Dortmunder ihre klaren Vorteile im spielerischen Bereich aus und waren auch kaltschnäuzig im Abschluss.


Der BVB stoppt den HSV-Aufwärtstrend mit einem 3:0-Sieg. Es ist aber nicht alles gut für Schwarz-Gelb.

"Wir müssen den Verlauf und die hochkarätigen Chancen, die wir in Serie liegen lassen, thematisieren. Ich denke an unsere Auswärtsspiele in Bremen, in Mainz. Es gibt so viele Spiele, wo es uns nicht gelingt, den Gegner auszuknocken. Wir schaffen eine Situation, bei der allen in die Klamotten kriecht: Oh, es wird doch nicht 1:0 ausgehen", sagte Tuchel nach dem Spiel auf der Pressekonferenz und sprach das aus, was alle dachten. "Das war ein Spiel, in dem wir auch 3:1 führen können, das wir 7:3 gewinnen können. Man hat dann ja gesehen, wie das 2:0 sofort alles verändert hat. Wir müssen kritisch damit umgehen, dass wir so eine Achterbahnfahrt aus vielen Spielen machen", sagte er.

Immer wieder schwache Chancenverwertungen

Speziell im Spiel gegen den HSV war es wieder solch eine Achterbahnfahrt, die beinahe genauso schief gegangen wäre wie im Derby am Samstag, als Thilo Kehrer den Ausgleich für S04 besorgte. "Wir haben uns zu wenig Sorgen um den Ball gemacht", sagte Zorc. Castro wurde deutlicher: "Wir müssen das abstellen, dass wir so viele Großchancen vergeben."

Das wird auch dringend nötig sein. Denn weder am Samstag im Bundesliga-Top-Spiel gegen den FC Bayern noch am kommenden Dienstag in der Champions League gegen den AS Monaco werden die Gegner so viele Möglichkeiten zulassen. Dann muss man mit wenigen Chancen besser haushalten. "Es hängt viel vom Kopf ab. Wir spielen uns Chancen heraus und es gehört zum Prozess in dieser Saison dazu, dass wir daraus lernen", sagte Castro. Immerhin einen Fortschritt gibt es: Einer scheint immer zu treffen - Aubameyang. Es war sein 25. Tor im 25. Spiel. "Das ist seine große Qualität. Er glaubt immer an sich und hat auch dieses Spiel mit entschieden", sagte Castro.

Einen Rat hat er dann aber doch an seine Mitspieler in der Offensive. Denn Castro als Torschütze wird es wohl nicht wöchentlich geben. "Egal, wie wir den Ball reinbekommen. Hauptsache, der ist drin. Das fehlt uns noch", sagte er. Am besten setzen es die Dortmunder schon am Samstag in München um. Denn der Rekordmeister will sicherlich den Ausrutscher von Hoffenheim (0:1) wiedergutmachen. Und die Dortmunder dürfen sich im Kampf um die direkte Champions-League-Qualifikation keine mehr leisten. Es wird also ein heißer Tanz in der Allianz Arena.